Schwer beschäftigt: Wasserballer Marko Stamm.
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BerlinDas vergangene Wochenende hat Marko Stamm nahezu komplett in der Schwimmhalle Schöneberg verbracht. Und vermutlich kreisten die Gedanken des Trainers der Wasserballerinnen von Spandau 04, der gleichzeitig seinen Job als Kapitän der Wasserballer von Spandau 04 zu verrichten hatte, weder am Sonnabend noch am Sonntag um etwas anderes als Wasserball. Am Sonntag, kurz vor halb fünf, sah man den 32 Jahre alten Berliner dann im Wasser strampeln. Seine Teamkollegen hatten ihn in die Mitte genommen. Er hatte als einziger noch seine Kappe auf. Zudem hatte er sich einen orangefarbigen Pylonen gegriffen, mit dem er auf das Wasser eindrosch. Ziemlich ausgelassen sah das aus. Gründe, den Moment zu feiern, gab es für ihn und für alle Spandauer Wasserfreunde ja auch genug: Nicht nur die Frauen hatten durch einen 11:8-Sieg im Finale gegen Bayer Uerdingen den deutschen Pokal gewonnen. Anschließend hatten sich auch die Männer für die vor zwei Wochen verlorene Meisterschaft revanchiert und Waspo Hannover mit 12:8 bezwungen.

Nach dem in der Schöneberger Schwimmhalle erst ein paar Männerstimmen in ziemlich a-tonaler Weise das Lied: „Oh, wie ist das schön“ angestimmt hatten, spielte der Hallen-DJ schnell die professionelle Version des Siegerliedes ein. „Im Gegensatz zur Meisterschaft sind die Männer heute mit einer ganz anderen Körpersprache und einer ganz anderen Motivation angetreten. Der Sieg ging heute auch mit diesem hohen Ergebnis in Ordnung“, sagte Spandaus Vereinspräsident und Bundestrainer Hagen Stamm.

Am Sonntag war die geschlossen gesteigerte Mannschaftsleistung das Erfolgsrezept der Spandauer Männer. Lucas Gielen stach mit drei Treffern gegen Waspo ebenso aus einem motivierten Team heraus wie Torhüter Laszlo Bakso. „Der war heute eine Granate“, urteilte Hagen Stamm. Am Sonnabend hatten die Spandauer im Halbfinale den ASC Duisburg mit 16:9 besiegt.

Die Spandauer Wasserballerinnen hatten sich am Sonnabend beim 33:9 gegen Nikar Heidelberg schon gut eingeschossen für das Finale am Sonntag. Dabei spielte die Frau, die voriges Jahr noch im Spandauer Tor als Garantin des Triples im Einsatz gewesen war, nun auf der Gegenseite, bei Bayer Uerdingen im Gehäuse. Die Brasilianerin Victoria Chamorro, 24, hatte die Wasserfreunde Anfang des Jahres verlassen, um ihren Freund, Nationalspieler Ben Reibel, zu begleiten, der zurück in seine Heimat nach Duisburg wechselte.

Für sie holte Spandau die 37 Jahre alte Anja Oldenburg ins Team. Ausgerechnet von ihr kamen am Finalwochenende die größten Impulse. „Unsere Torfrau hat das Pokalfinale ja beinahe alleine gewonnen“, urteilte Klubpräsident Hagen Stamm. Sein Sohn Marko war zu diesem Zeitpunkt schon in der Kabine, bereit den Doppelerfolg in gemütlicher Runde auszukosten.