Wasserball-Weltcup: Warum sich Bundestrainer Hagen Stamm heiratswillige Frauen wünscht

US-Botschafter Richard Grenell und sein Partner haben sich in der Europaschwimmhalle an der Landsberger Allee angesagt. Ebenso die Botschafter aus Serbien, Kroatien und Australien. Allerdings findet im Berliner Wettkampfbecken von Dienstag bis Sonntag kein Diplomatengipfel sondern ein Gipfeltreffen der Wasserball-Teams statt, die sich beim Weltcup für die WM 2019 in Südkorea qualifizieren wollen.

„Deutschland war bei der letzten WM nicht dabei. Es ist wichtig, dass wir wieder im internationalen Zirkus dabei sind und uns langsam wieder an die Top Acht rantasten. Das muss einfach unser Ziel sein“, sagt Bundestrainer Hagen Stamm. Er steht beim Training am Beckenrand, hat Kapitän Julian Real gerade eine weiße Wasserballkappe zugeworfen, nach einem Tor den Daumen in die Höhe gestreckt und gerufen: „Julian, wenn du es so machst, haben wir ’ne Chance.“

Herzblut statt Geld

Die WM-Qualifikation wäre für die deutschen Wasserballer ein Schritt Richtung Olympia 2020, ein Schritt zurück auf ein Niveau, auf dem sie jahrelang waren, das ihnen aber abhandengekommen ist. Die Spiele 2012 und 2016 fanden ohne sie statt. In Tokio wollen sie wieder mit von der Partie sein. Da wäre die WM-Teilnahme wichtig, denn „die Schiedsrichter sehen einen, man hat ein besseres Selbstbewusstsein, ist Mitglied der Mannschaft des DSV. Das motiviert“, sagt Stamm.

Der langjährige Bundestrainer und Präsident des deutschen Rekordmeisters Spandau 04 hatte sein Amt eigentlich 2012 aufgegeben. Danach trudelte die Nationalmannschaft dahin. Im Januar 2017 übernahm Stamm plötzlich wieder. Weil sonst keiner die Ärmel hochgekrempelt hätte, um den Aufschwung anzukurbeln? „Es gibt viele gute Trainer auf der Welt, die das vielleicht machen können. Aber der DSV hat keine Geldmittel. Daher braucht der DSV einen, der das mit Herzblut macht und nicht mit dem Portemonnaie“, sagt Stamm. „International ist es sehr schwer, sich in die Mentalität der Deutschen einzuarbeiten. Bis das ein Trainer geschafft hätte, wäre Olympia 2020 schon rum.“

Stamm ist seither Bundestrainer mit einer halben Stelle, Steuerklasse sechs. Der Fahrrad-Großhändler verdient am Beckenrand fast nichts, sagt aber mit Überzeugung: „Die Jungs sind es einfach wert. Wir waren dieses Jahr 100 Tage zusammen. Sie haben 100 Tage wirklich aufopferungsvoll gearbeitet, sie verdienen es, dass sie den Lohn dafür kriegen.“

Zwischen den Ohren

Ein Riesenverdienst wäre, gleich am Dienstag ein Klassespiel gegen den WM-Zweiten Ungarn abzuliefern, einen Wahnsinnsknaller, wie Stamm es nennt. „Wenn wir das Spiel eng gestalten und die Leute sagen: Ja, diese Mannschaft verdient es, dass sie weiter angepeitscht wird. Wenn wir zwischen 500 und 1 000 Zuschauer bei jedem Spiel hätten, wäre das toll.“ Zum Meisterschaftsfinale gegen Waspo Hannover kamen knapp 300 Leute in die Schwimmhalle in Schöneberg. Von der Halle an der Landsberger Allee verspricht sich Stamm eine andere, modernere, würdigere Atmosphäre. Er weiß, dass die Erfolge deutscher Ballsport-Mannschaften oft mit der Einstellung im Kopf einhergehen. Sein Lieblingssatz lautet: „Gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren.“

Bei der EM Ende Juli war den Deutschen mit dem 4:4 gegen Ungarn ein Coup gelungen. EM-Platz neun nennt Stamm ein Ausrufezeichen. „Noch schöner wäre es, wenn wir hier auch eines setzen und uns für die WM qualifizieren.“ Stamm hat die Mannschaft verjüngt. Tobias Preuß und sein Sohn Marko sind mit 30 Jahren die ältesten. Trotz der Verjüngung habe sich das Team „spielerisch verbessert, was sich ja normalerweise ausschließt“, meint Stamm. „Deswegen kann ich sagen, wir sind auf einem guten Weg. Aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hin können.“

Das gilt auch für die mediale Aufmerksamkeit. Wobei ARD und ZDF Berichte im Morgen-, Mittags- und Abendmagazin geplant haben. Es soll TV-Übertragungen in 56 Länder geben. In Serbien werden alle Spiele live gezeigt, zur Primetime. Stamm hat sich immer viel einfallen lassen, um den Wasserball zu promoten. Vor dem Weltcup sagt er: „Wir werden nicht nackig spielen. Wasserball ist so eine tolle Sportart. Man muss das einfach rüberbringen. Warum funktioniert es in Ungarn und in allen Ex-jugoslawischen Ländern, in Italien? Die Jungs sind nett anzusehen. Normalerweise müsste die Halle voll heiratswilliger Frauen sein. Ich hoffe, es kommen ein paar.“ Na, und immerhin haben sich ja auch einige Botschafter angesagt.