Berlin - Es ist der dritte Anlauf, und es sieht tatsächlich so als, als ob an diesem Mittwoch nun endlich feststeht, wer in dieser Saison den Supercup im Wasserball gewinnt. Bereits im Oktober hätte das Prestigeduell zwischen Waspo Hannover und den Wasserfreunden aus Spandau stattfinden sollen, doch die anrollende zweite Coronawelle verhinderte dieses Spiel. Beim zweiten Versuch im März mussten dann die Gastgeber wegen eines positiven Covid-19-Tests zurückziehen. Bis zu diesem Dienstag sah es nun tatsächlich so aus, dass dem Aufeinandertreffen nichts mehr im Wege steht. Allerdings haben gerade die Berliner in dieser Saison schon häufig kurzfristig umdenken müssen, weil das Virus ihre Pläne durchkreuzte.

Katastrophale Rahmenbedingungen für Spandau 04

Spandaus Präsident Hagen Stamm wirkt nach 14 Monaten Pandemie erschöpft. Was nicht nur mit dem Ausnahmezustand im Wasserball zu tun hat. In der Familie des 60-Jährigen sind mehrere Fälle von Covid-19 aufgetreten, als Geschäftsführer eines Fahrradunternehmens machte er sich Sorgen, „dass diese Krise Existenzen bedroht“. Aber auch die schwierigen Umstände, mit denen sich sein Verein und seine Sportart konfrontiert sehen, fordern Stamm emotional. „Wir haben immer wieder das Gefühl, von vorne beginnen zu müssen.“

Nach der Trainingszwangspause während der ersten Coronawelle im vergangenen Frühjahr hatten sich zahlreiche Profis im Herbst mit Covid-19 infiziert. „Wir gehen davon aus, dass das im Kraftraum passiert ist, weil hier Fehler begangen wurden“, sagt Stamm. „Vielleicht waren die Abstände zu gering, vielleicht ist beim Desinfizieren etwas schiefgegangen. Ganz genau wissen wir es nicht.“ Anschließend folgten noch Einzelfälle, die aber ebenfalls dazu führten, dass der Trainings- und Spielbetrieb stockte. „Fast die ganze Mannschaft hat inzwischen eine Infektion durchgemacht“, sagt er.

Trennungswunsch bei zahlreichen Spielern

Diese „katastrophalen Rahmenbedingungen“ bekamen die Spandauer Profis gleich doppelt zu spüren. In der Champions League erlebten sie anfangs ein „Donnerwetter“, wie Stamm es umschreibt. Weil die Berliner Profis einen Großteil des Nationalmannschaftskaders stellen, war die Auswahl des Deutschen Schwimm-Verbands bei der Olympiaqualifikation im Februar ziemlich chancenlos. „Die Nachwehen spüre ich noch immer“, sagt Stamm, der die Mannschaft in Rotterdam als Bundestrainer angeführt hatte. „Aber man kommt besser damit klar, weil Olympia in diesem Jahr nicht mehr das ist, was es sein sollte.“ Seine Amtszeit endete mit dem Turnier in den Niederlanden.

Die stets wiederkehrenden Rückschläge sorgten aber nicht nur für eine sportliche Schwächung. Gerade für einige ausländische Profis gestaltete sich die Trennung von der Familie in diesen schwierigen Zeiten als nicht hinnehmbar. Als Tiberiu Negrean im August um eine Freigabe bat, waren die Berliner noch geschockt. Inzwischen sind kurzfristige Abgänge fast schon zur Gewohnheit geworden. Im Januar folgte dann die Trennung von Ivan Zovic, „der mit der Situation nicht klargekommen ist“, wie Stamm sagt. Vergangene Woche trennten sich die Wege mit Stefan Pjesivac aufgrund von Disziplinlosigkeiten. „Wir waren der Meinung, dass er bei seinen Eltern besser aufgehoben ist“, erklärt Stamm. Ein weiterer Profi hat um Vertragsauflösung gebeten. „Ich glaube schon, dass es belastend ist, wenn du in einem anderen Land ständig zu Hause sitzen musst und außerhalb der Schwimmhalle nur wenig Kontakt zu den Kollegen pflegen kannst.“

Weil zurzeit auch noch Rémi Saudadier mit einer Herz-Muskel-Entzündung und Stamms Sohn Marko mit einer Ellenbogenverletzung nicht mitwirken können, zeigt sich Stamm senior überrascht, geradezu stolz, wie fokussiert die Spandauer zuletzt dennoch auftraten. „Mit ein paar Ausfällen weniger hätten wir die Endrunde in der Champions League schaffen können“, ist er überzeugt. Und beim ersten von zwei Turnieren am vergangenen Wochenende, die über die Ansetzungen in den Playoffs entscheiden, besiegten die Berliner Hannover, die nicht nur am Mittwoch der Gegner im Supercup, sondern mit Sicherheit auch erneut der Kontrahent im Kampf um die Meisterschaft sein werden.