Berlin - Real Madrids Torjäger Karim Benzema dachte schon voller Vorfreude an das Rückspiel, Pep Guardiola musste seine Spieler von Manchester City trotz ihres Sieges fast trösten. Der momentan wohl torgefährlichste Angreifer der Welt verkürzte den Vorsprung der Engländer beim 3:4 im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals zweimal – mit einem Volley und einem frech verwandelten Elfmeter. „Jetzt geht es ins Bernabéu. Wir werden unsere Fans brauchen wie nie zuvor und wir werden etwas Magisches tun: gewinnen“, gab der 34 Jahre alte Franzose am Dienstagabend die Devise für das Rückspiel am 4. Mai aus.

In der spanischen Hauptstadt wurde die Niederlage bei den Cityzens fast wie ein Sieg gefeiert. „Ein Wunder nach dem anderen“, titelte die Sportzeitung Marca in Anspielung auf die zuvor überstandenen K.-o.-Duelle gegen Paris Saint-Germain und den FC Chelsea. AS feierte die wiederholten „Wiederauferstehungen“ der Madrilenen. Das Rückspiel ist bereits ausverkauft. Das Bernabéu werde „einer Hölle gleichen“, schrieb Marca. Fans zogen am späten Dienstagabend durch verschiedene Madrider Stadtviertel und sangen vom angepeilten nächsten Titel im Europapokal.

Wie schon gegen Paris: Gala-Auftritt von Karim Benzema

Wieder hoffen die Königlichen auf einen Gala-Auftritt ihres Stürmers. Gegen Paris drehte Benzema die Partie mit einem Blitz-Hattrick zugunsten von Madrid. Im Spiel gegen die Londoner sicherte er mit seinem Tor zum 2:3 in der Verlängerung den Einzug ins Halbfinale. „Es ist unfassbar, was er diese Saison spielt“, sagte Kollege David Alaba im Streamingdienst Amazon Prime Video. Mesut Özil war total begeistert vom Auftritt seines früheren Madrider Teamkollegen Karim Benzema beim Champions-League-Kracher in Manchester. „Was für ein fantastisches Spiel“, twitterte der 33 Jahre alte Ex-Nationalspieler. Gebt „boy Benzi“ den Ballon d’Or, forderte Özil nach dem Gala-Auftritt des Franzosen nun: Mit dem Goldenen Ball zeichnet die französische Fachzeitschrift France Football jährlich den weltbesten Fußballer aus.

Mit bislang 14 Toren, allein neun davon in der K.-o.-Phase, kann der 34-Jährige den Rekord von Cristiano Ronaldo, der in der Spielzeit 2013/14 insgesamt 17 Treffer in einer Champions-League-Saison markiert hat, nun noch übertreffen. Schlecht dürften die Chancen für den Franzosen auf den Gewinn des Ballon d’Or also nicht stehen. Dazu sind der Meistertitel in Spanien und die Torjägerkrone so gut wie sicher.

Besonders Benzemas eiskalt in die Tormitte gelupfter Handelfmeter versetzte Mitspieler und Zuschauer in Verzückung. Dabei hatte er nur sechs Tage vorher im Ligaspiel gegen Osasuna zwei Elfer vergeben. „Ich habe immer im Kopf, dass du nie einen Elfmeter verschießt, wenn du nie antrittst“, sagte Benzema über sein Selbstbewusstsein.

Doch auch sein 1:2, eine perfekt platzierte Direktabnahme, zeigt die Bedeutung des Franzosen für die Madrilenen. Es war Reals erster Schuss aufs Tor, kurz zuvor musste City eigentlich schon das 3:0 machen. Und auf einmal entwickelt sich dann endgültig der offene Schlagabtausch, der für jeden neutralen Fußballfan ein Genuss war. „Ich bin wirklich happy, hier zu sein. Danke an die Verantwortlichen, dass ich diesen Job machen darf“, sagte Experte Mario Gomez.

Pep Guardiola möchte, dass seine Spieler nicht die Köpfe hängen lassen

Bei City dagegen war die Stimmung trotz des Sieges fast ernüchtert. „Wir haben in den ersten 20 Minuten sehr gut angefangen und hätten sie ausschalten können“, sagte Offensivspieler Phil Foden. Auch nachdem City die Kontrolle über das Spiel etwas entglitt, hatte das Team Chancen für noch deutlich mehr Tore. „Ich möchte versuchen, meine Spieler davon zu überzeugen, dass wir das Spiel gewonnen haben und dass sie nicht den Kopf hängen lassen müssen“, sagte Guardiola.

Er sprach von einer fantastischen Leistung seiner Spieler, doch warnte: „Im Bernabeu müssen wir wieder mindestens so spielen. Vielleicht müssen wir uns sogar noch steigern, um ins Finale einzuziehen.“ Dank Benzema haben die Madrilenen beste Chancen, City und Guardiola eine weitere schmerzhafte Niederlage auf europäischer Bühne zuzufügen – und selbst ins Finale am 28. Mai einzuziehen.