Beten für den König: Neymar und Co. wollen Pelés letzten Wunsch erfüllen

Die Sorge um den schwer kranken Pelé ist in Katar allgegenwärtig und überschattet die Vorbereitung Brasiliens auf das WM-Achtelfinale.

Ein Bild der brasilianischen Fußballlegende Pelé und die Worte „Gute Besserung“ wurden nach dem WM-Achtelfinale zwischen den Niederlanden und den Vereinigten Staaten vor dem Khalifa-International-Stadion in Doha, Katar auf den Wolkenkratzer The Torch projiziert.
Ein Bild der brasilianischen Fußballlegende Pelé und die Worte „Gute Besserung“ wurden nach dem WM-Achtelfinale zwischen den Niederlanden und den Vereinigten Staaten vor dem Khalifa-International-Stadion in Doha, Katar auf den Wolkenkratzer The Torch projiziert.AP/dpa/Martin Meissner

Drohnen zeichneten Pelés gelbes Trikot mit der Zehn in den Nachthimmel über der Bucht von Doha. Am Endspielstadion, auf Wolkenkratzern und dem imposanten Aspire-Tower erstrahlte sein Bild überlebensgroß. Die Botschaft hinaus in die Fußball-Welt und ans Krankenbett im fernen São Paulo lautete: „Werde bald gesund!“ Die Sorge um die schwer kranke Legende ist bei der WM allgegenwärtig und überschattet die Titeljagd der Erben, die jetzt unbedingt den letzten Wunsch ihres Königs erfüllen wollen.

Nicht nur im Land des Rekordweltmeisters beten die Menschen für „O Rei“ und hoffen inständig, dass er noch nicht im Sterben liegt. Auch in Katar sind die Stars in Gedanken beim Allergrößten. „Wir sind an deiner Seite“, schrieb Brasiliens Verband CBF auch im Namen der Selecao, Jungstar Rodrygo wünschte Pelé via Twitter „Stärke“ und fügte an: „Ich bete für deine Genesung.“

Chemotherapie schlägt bei Pelé nicht mehr an

Der 82-Jährige ließ zwar über die sozialen Netzwerke verkünden, er sei „stark und voller Hoffnung“. Pelé bat, „dass alle Ruhe und positives Denken bewahren“. Doch angesichts der Berichte, dass die Chemotherapie gegen den Darmkrebs nicht mehr anschlage und palliative Maßnahmen eingeleitet worden seien, rückte selbst die wichtigste sportliche Frage vor dem Achtelfinale am Montag (20 Uhr MEZ/ZDF und MagentaTV) gegen Südkorea in den Hintergrund: Spielt Neymar wieder?

Der Superstar, der so gerne in die Reihe der legendären brasilianischen Weltmeister aufgenommen werden möchte, verbreitete vor dem Duell mit dem krassen Außenseiter Zuversicht. „Ich fühle mich gut, ich wusste, dass es jetzt so sein würde“, twitterte der 30-Jährige nach seiner Rückkehr ins Mannschaftstraining.

Wieder am Ball trickste und feixte Neymar mit seinen Teamkollegen – die Botschaft: Die Knöchelverletzung, die ihn zwei Spiele außer Gefecht gesetzt hatte, ist überwunden. Wenn die heiße WM-Phase beginnt, ist der wichtigste Spieler wieder fit.

Brasiliens Stammspieler sind nach Pause ausgeruht

Nicht nur Neymar ist klar: Die Aufgabe in Katar, nach 20 Jahren endlich den „Hexa“ – den sechsten WM-Titel – zu gewinnen, hat eine neue Dimension bekommen. Es gilt, den wohl letzten Wunsch des größten Fußballers zu erfüllen. „Bringt den Pokal nach Hause!“, hatte Pelé gefordert.

Ohnehin sei die WM „mental sehr anspruchsvoll“, gab Nationaltrainer Tite zu, „sie saugt dich aus.“ Hinzukommt die physische Belastung, schon 70 Stunden nach dem letzten Vorrundenspiel in der ersten K.-o.-Partie antreten zu müssen.

Tites Entscheidung, gegen Kamerun (0:1) mit der B-Elf das Risiko einer Niederlage als Stimmungskiller einzugehen, könnte sich auszahlen. Die Stammspieler sind ausgeruht, allerdings verletzte sich Alex Telles schwer – und dem Coach steht jetzt kein Linksverteidiger mehr zur Verfügung.