Schwache Niederländer enttäuschen gegen aufmüpfiges Ecuador

Nur Unentschieden: Die Niederländer schenken im zweiten WM-Gruppenspiel gegen Ecuador eine Führung her und zeigen eine ernüchternde Leistung.

Oranje kam gegen Ecuador nur zu einem 1:1.
Oranje kam gegen Ecuador nur zu einem 1:1.IMAGO/Garcia

Virgil van Dijk und Andries Noppert hoben beide den Arm. Das war doch Abseits, oder? Nein, war es nicht. Der Treffer von Ecuador-Goalgetter Enner Valencia zählte, die niederländische Defensive hatte wiederholt nicht aufgepasst. So trennten sich die „Elftal“ und „El Tri “ am Ende mit 1:1 (1:0) und haben das Weiterkommen beide in den eigenen Händen. 

Die 40.000 Fans im Khalifa International Stadium bekamen neben Valencias Bude (49. Minute) auch noch das Tor von Cody Gakpo zum 1:0 (6.) zu sehen.

Nach verhaltenem Beginn ging die Elftal direkt mit der ersten Chance in Führung. Davy Klaassen überließ Gakpo das Leder am Sechzehner. Der begehrte Stürmer der PSV Eindhoven rannte nach links, hatte durch sein Tempo kurzzeitig freie Bahn, zog genau in diesem Moment wuchtig mit dem linken Vollspann aus 16 Metern ab und jagte den Ball zum 1:0 in den linken Winkel (6.).

Davon abgesehen hielten beide Defensivreihen dicht, weshalb es lange Zeit keine weiteren nennenswerten Chancen zu sehen gab. Zwar versuchten El Tri, sich offensiv in Szene zu setzen, doch mehr als Ansätze und ein geblockter Schuss von Kapitän Valencia (11.) sprangen erst einmal nicht heraus.

Cody Gakpo (r.) zieht wuchtig ab und trifft zum 1:0 für die Niederlande.
Cody Gakpo (r.) zieht wuchtig ab und trifft zum 1:0 für die Niederlande.IMAGO/Pro Shots

Ecuador-Tor von Pervis Estupinan zählt wegen Abseits nicht

Die Mannschaft von Coach Louis van Gaal agierte hingegen - wie schon beim 2:0 gegen den Senegal zum Auftakt - ergebnisorientiert und passsicher, womit Ecuador Probleme hatte. Denn Tempo und Ideen gingen der Truppe von Coach Gustavo Alfaro noch ab.

Erst in der 24. Minute gab es mal eine kurze Druckphase mit einigen Hereingaben, die Oranje um Kapitän Virgil van Dijk aber allesamt klären konnte. Doch nun war der Underdog in der Partie angekommen und hatte durch Valencia die erste große Gelegenheit. Der Angreifer zog von links mit viel Speed in die Mitte und visierte aus 17 Metern mit rechts die linke untere Ecke an, doch Keeper Noppert war schnell unten und wehrte das Leder zur Ecke ab (32.), die nichts einbrachte.

Auch abgesehen davon konnte sich der Doppeltorschütze aus der Katar-Begegnung immer wieder in Szene setzen. Anschließend verflachte die Begegnung allerdings vorerst wieder, bis es in der Nachspielzeit der ersten Hälfte doch noch einen Aufreger gab.

Angelo Preciado fasste sich nach einer zu kurz abgewehrten Ecke aus der 18 Metern ein Herz, Pervis Estupinan hielt den Fuß rein und lenkte den Ball über die Linie, doch Jackson Porozo stand im Abseits und im Sichtfeld von Noppert, weshalb der Treffer zu Recht aberkannt wurde (45.+3). Wenige Sekunden später war Pause.

Ecuador-Star Pervis Estupinan (Nr. 7) war nicht gerade begeistert, dass seinem Tor die Anerkennung versagt blieb.
Ecuador-Star Pervis Estupinan (Nr. 7) war nicht gerade begeistert, dass seinem Tor die Anerkennung versagt blieb.AFP/JEWEL SAMAD

Enner Valencia gleicht für Ecuador aus und muss verletzt raus

Kurz nach Beginn des zweiten Abschnitts trafen El Tri dann aber. Erst konnte Noppert den wuchtigen Versuch von Estupinan aus zwölf Metern noch reaktionsschnell abwehren, allerdings nur unkontrolliert in die Mitte, wo Valencia zur Stelle war und freistehend zum 1:1 abstaubte (49.).

Enner Valencia (M.) schießt zum 1:1 für Ecuador ein, Andries Noppert (l.) ist erstmals bei dieser WM geschlagen.
Enner Valencia (M.) schießt zum 1:1 für Ecuador ein, Andries Noppert (l.) ist erstmals bei dieser WM geschlagen.AFP/ALBERTO PIZZOLI

Nun waren die Südamerikaner gegen eine enttäuschende Elftal überlegen und hatten Pech: Gonzalo Plata traf mit der nächsten Möglichkeit nur die Latte (59.). Dementsprechend reserviert waren die Mienen vieler niederländischer Fans und auch von Oranje-Legende Wesley Sneijder auf der Tribüne. Ihre Mannschaft drohte die Partie aus der Hand zu geben.

Die Elftal agierte ungewohnt reserviert mit angezogener Handbremse. Es gab in Ballbesitz zu wenig Anspielstationen in der Tiefe, weshalb im Aufbau immer wieder das Tempo verschleppt werden musste. Dadurch blitzte viel zu selten auf, was die Truppe von van Gaal eigentlich leisten kann, während Ecuador aufmüpfig war und blieb.

In der Schlussphase ging keines der beiden Teams mehr ins Risiko, doch die Südamerikaner mussten einen ganz bitteren Ausfall verkraften: Valencia blieb am Mittelkreis liegen und musste mit einer Trage vom Feld gebracht werden (90.).

Fällt er im dritten Gruppenspiel aus, fehlt Ecuador in der entscheidenden Partie gegen den Senegal (29. November, 16 Uhr) der Unterschiedsspieler und bisher einzige Torschütze bei dieser WM.