Gabriel Clemens: Auf der größten Bühne des Darts zum größten Karriere-Erfolg?

Der sonst eher ruhige „German Giant“ feiert das Erreichen des Achtelfinales mit einem für ihn untypischen Feuerwerk der Emotionen und glaubt an seine Stärke.

Emotionaler Riese: Gabriel Clemens feierte das Erreichen des Achtelfinales der Darts-Weltmeisterschaft untypisch ausgelassen.
Emotionaler Riese: Gabriel Clemens feierte das Erreichen des Achtelfinales der Darts-Weltmeisterschaft untypisch ausgelassen.imago/Shaun Brooks

An die Ausstrahlung eines Peter Wright kommt er längst nicht heran. Während der zweimalige Weltmeister Wright den Weg auf die größte Darts-Bühne der Welt auch am späten Dienstagabend in vollen Zügen genoss und sich dort wieder mal als Marke des Pfeile werfenden Paradiesvogels inszenierte, wirkte der Auftritt von Gabriel Clemens fast schon ein wenig schüchtern. Die große Show, das ist nicht die Sache des „German Giant“, wie auf dem breiten Rücken seines Shirts steht.

Gabriel Clemens mit Feuerwerk der Emotionen

Vor zwei Jahren hatte der sanftmütige Riese den damals amtierenden Weltmeister Wright aus dem Turnier geworfen und mit dem Erreichen des Achtelfinales der Weltmeisterschaft seinen größten Erfolg auf der Profitour gefeiert. Am Dienstag nun ging Wright erneut als geschlagener Weltmeister des Vorjahres in der zweiten Runde von der Bühne, während Gabriel Clemens für seine Verhältnisse nahezu ein Feuerwerk der Emotionen abfackelte. Ausgebreitete Arme, nach oben gerissene Fäuste und ein Urschrei waren Ausdruck seiner Freude über das abermalige Erreichen der Runde der besten 16 Darts-Spieler im Rahmen der WM.

Diesmal aber hatte er nicht Wright, der im letzten Match des Abends gegen Kim Huybrechts eine rätselhaft schlechte Leistung zeigte, gewonnen, sondern den Walliser Jim Williams in einem packenden Match niedergerungen. „Was für ein geiles Darts Match“, twitterte selbst Bayern Münchens Thomas Müller.

Sportlich tot sei der gelernte Industriemechaniker im sechsten Satz eigentlich schon gewesen, musste zuschauen, wie sein Gegner einen Pfeil zum Matchgewinn nur um Millimeter am Doppelfeld vorbeiwarf, um dann selber die Nerven zu behalten. Aus einem 2:3-Rückstand machte Clemens noch einen 4:3-Sieg und kann am Donnerstag sogar erstmals das Viertelfinale des prestigeträchtigsten Darts-Turniers der Welt erreichen.

In den vergangenen zwei Jahren hat Clemens 250.000 Euro Preisgeld geholt

Für einen, dessen Karriere in der Kneipe und nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum begonnen hat, wäre das gar kein so schlechter Erfolg. Der Kauf einer eigenen Scheibe vor rund 20 Jahren dürfte also die beste Investition seines Lebens gewesen sein. In den vergangenen zwei Jahren hat Clemens rund 250.000 Euro Preisgeld erspielt, weitere 58.000 Euro würden beim Erreichen des Viertelfinales hinzukommen, der Weltmeister kassiert das Zehnfache. Und warum sollte der nicht am 3. Januar Gabriel Clemens heißen? Selbstbewusst ist er jedenfalls: „Ich muss auf mich gucken, dann kann ich jedem gefährlich werden.“ Es klingt wie eine Kampfansage eines sonst eher ruhigen Riesen.