Bald soll es auf den Sportplätzen in Berlin wieder voll werden.
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BerlinSascha Kummer ist froh, dass die Kontaktbeschränkungen im Berliner Amateurfußball aufgehoben werden. Bald, das ist zumindest der Plan, kann der Trainer von Rotation Prenzlauer Berg zusammen mit der Mannschaft wieder so auf dem Trainingsplatz arbeiten, wie es vor dem Corona-Lockdown möglich war. Für den 41-Jährigen ist die Rückkehr zum Normalbetrieb aber auch deshalb wichtig, weil dieser helfen kann, einen Schlussstrich zu ziehen unter seine Amtszeit als Vizepräsident des Berliner Fußballverbandes, die bis heute nachwirkt.

Am 29. April wurde Kummer zum Vizepräsidenten für Qualifizierung und Soziales gewählt. Nach einer Rücktrittswelle im Februar, als drei Mitglieder zeitgleich ihre Posten zur Verfügung stellten, galt er fachlich als gute Lösung. Im Ausschuss für Qualifizierung profilierte er sich. Kummer schrieb unter anderem maßgeblich am Qualifizierungskonzept 2020, in dem es darum geht, wie man Trainerfortbildungen und Lizenzierungen im Berliner Amateurfußball verbessern kann. Er beschäftigte sich auch umfassend mit dem Thema Minifußball, als neue Spielform im Kinder- und Jugendfußball. Zudem kannte er viele Hauptamtler im BFV aus persönlichen Kontakten.

Ein in Verbandskreisen weitgehend bekannter Vorfall aus dem Jahr 2018 schien dabei keine Rolle mehr zu spielen. Damals hatte er als Trainer einen Jungen im Trainingslager gekniffen, war dafür auch zu 15 Tagessätzen á 40 Euro verurteilt worden. Anders als in der Berliner Zeitung am 10. Juli veröffentlicht, ist Kummer allerdings nicht vorbestraft. Juristisch war seine Bewerbung also rechtens. Er sagt: „Mein Führungszeugnis hat keinen Eintrag, und das ist das entscheidende Kriterium, was die Basis bildet, und mir hat keiner signalisiert, dass es Vorbehalte an der Kandidatur gäbe oder dass ich aus irgendwelchen Satzungsgründen nicht wählbar sei. Vielmehr baten mich sogar Präsidiumsmitglieder zu überlegen, ob ich nicht eher im kommenden Jahr für die Position Präsidialmitglied Jugend kandidieren könnte. Gleichzeitig sollte ich in weiteren Arbeitsgruppen des BFV mitarbeiten.“

Dass dieses Thema dann an die Oberfläche kam, als er bereits im Amt war, hält Kummer für bewusst lanciert. Bei der üblichen Kandidatenvorstellung habe es keine weiteren Nachfragen zu diesem Thema gegeben. Er sagt: „Ich hätte mich nicht wählen lassen, wenn ich vorher Signale erhalten hätte, dass da noch was schwelt, was sich gegen mich instrumentalisieren lässt.“ Kummer ist vielmehr der Meinung, dass „Teile im Verband diesen Skandal bewusst setzten, um sich auch gegen Präsident Bernd Schultz zu positionieren“.

Nach nur 19 Tagen trat Kummer zurück. „Herr Schultz musste mich nicht drängen oder auffordern zurückzutreten, sondern ich habe das freiwillig getan, weil das Vertrauensverhältnis im Präsidium nicht mehr gegeben war.“ Die Motivation auf dem Fußballplatz hat darunter allerdings nicht gelitten. „Seit 21 Jahren bin ich ehrenamtlich tätig. Ich wollte immer Spaß vermitteln und ein guter Begleiter der kleinen Fußballkarrieren sein.“

Über diesen Vorfall vor zwei Jahren gibt es keine zwei Meinungen. „Ich bereue das sehr, das hätte mir nicht passieren dürfen. Das habe ich auch immer betont.“ Dennoch hofft er, dass dieser Fall etwas bewegt im Umgang mit Fehlern in der ehrenamtlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Während sich viele Wegbegleiter gemeldet hätte, um Hintergründe zu erfragen, um sich ein eigenes Bild zu machen, hätten sich Trainerkollegen von ihm abgewendet, teils sei es zu üblen öffentlichen Diffamierungen und anonymen E-Mails gekommen. „Keiner von uns ist fehlerfrei. Die Arbeit in Vereinen, Jugendklubs oder auch in der Schule ist leider immer eine Gratwanderung. Dabei sind alle in der Verantwortung bei Fehlern angemessen und mit Augenmaß zu reagieren.“