Jeff Reine Adelaide (r.) von Olympique Lyon hat das Interesse von Hertha BSC geweckt. Die Verhandlungen um den Mittelfeldspieler aus Frankreich laufen.
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BerlinHerthas Trainer Bruno Labbadia und Manager Michael Preetz waren einigermaßen erstaunt bis enttäuscht, als sie den Pressekonferenzraum auf dem Vereinsgelände am Freitag  betraten. Der Hauptstadtklub spielt Sonntag, um 18 Uhr, beim großen FC Bayern, doch statt eines vollen Saales waren gerade mal drei Journalisten und sieben Vereinsmitarbeiter, die die Homepage betreuen, anwesend. Großes Interesse am Big-City-Klub, wie es sich Investor Lars Windhorst wünscht, sieht anders aus. Schuld am sehr überschaubaren Raum waren ausnahmsweise nicht Corona-Schutzmaßnahmen. Der Grund war ein anderer. Es war der sogenannte „Journalisten-Feiertag“, der immer einen Tag vor einem Feiertag liegt, an dem keine Zeitung erscheint.

So mühten sich die drei Kollegen zunächst mal höflich Fragen über das schwierige Spiel beim Triple-Sieger von der Isar an Trainer Labbadia zu stellen. Kann Hertha auf einen schlechten Tag der Bayern wie vergangene Woche beim 1:4 in Hoffenheim hoffen? „Da hatte mein Kollege Hansi Flick einige Spieler draußen gelassen. Diesmal werden sie wohl eher mit voller Kapelle gegen uns spielen.“

Labbadia führte fort: „Klar ist, dass wir auch ein wenig von der Leistung der Bayern abhängig sind, aber wir haben einen klaren Plan. Wenn sich eine Chance für uns ergibt, wollen und müssen wir die nutzen!“

Von Optimismus war wenig zu spüren, eher von Anspannung bis Unzufriedenheit. Das hing aber weder mit dem geringen Journalistenbesuch, noch mit dem Spiel gegen die Bayern zusammen. Denn Labbadia wartet noch immer auf eine weitere Verstärkung des Kaders. Er braucht einen zentralen Mittelfeldspieler, der die Fäden beim offensiven Spielaufbau zieht.

Eine kleine Spitze ließ sich Labbadia entlocken: „Konkurrenzkampf stelle ich mir anders vor. Ich sehe es nicht so, dass wir einen riesigen Kader haben. Die Transferperiode haben wir uns anders gewünscht.“ Doch dann sagte er auch: „Es ist ein sehr, sehr eigenartiger Transfermarkt in der Pandemiezeit. Wir sehen ja, dass selbst finanzstärkere Vereine sagen, sie können das nicht bezahlen.“

Manager Preetz nahm die Sätze zur Kenntnis und erklärte, dass trotz der 374 Millionen Euro, die Investor Lars Windhorst in den Verein gepumpt hat, „verantwortungsvoll mit dem Geld umgegangen wird“. Er bekräftigte: „Ablösesummen von 30 Millionen oder mehr wird es bei Hertha BSC nicht geben.“

Diese Summe hatte vor ein paar Wochen noch Olympique Lyon für Labbadias Wunschspieler Jeff Reine-Adelaide aufgerufen. Die Franzosen sind mit ihren Ansprüchen heruntergegangen. Ob Hertha ihn nun kauft, wird sich Montag, am Tag des Endes der Sommertransferperiode, zeigen. Für Preetz wird es der Hauptkampftag des Jahres. Die Spieler müssen Sonntag „nur“ gegen die Bayern spielen.