Und dann heben sie ab und fliegen: Thomas Dreßen in Kitzbühel.
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KitzbühelRichtig überzeugt, dass für das Super-G-Rennen alles passt, ist der Kitzbüheler Pistenchef Herbert Hauser erst am Freitag in aller Früh gewesen, als er „zum Himmel auffi g’schaut hat“. Kein Neuschnee, kein Nebel, alles so, wie es die Wetter-Apps prophezeit hatten, die er in den vergangenen Tagen auf seinem Handy antippte: sonniges, wolkenloses Hochdruckwetter, so ist es auch am Sonntag für den Slalom am Ganslernhang angekündigt. Lediglich für den Sonnabend, für die Abfahrt auf der Streif (11.30 Uhr, ARD und Eurosport), hat der Spezialist, der in der Innsbrucker Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik für die Hahnenkammrennen abgestellt ist, leichten Schneefall vorhergesagt. 

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Rekordpreisgeld beim Jubiläum

Herbert Hauser vom Kitzbüheler Ski Club (K.S.C.) trägt den offiziellen Titel „Referent HKR Piste Abfahrt“.   Einfacher ausgedrückt: Der Tiroler ist Pistenchef bei den Hahnenkammrennen in Kitzbühel, die an diesem Wochenende zum 80. Mal stattfinden. Der K.S.C. hat entschieden, das Jubiläum „im Sinne des Sports“ zu feiern und das Preisgeld zu erhöhen, sagt Hauser.   Die Gesamtsumme an den drei Tagen: 725.000 Euro. Abfahrt- und Slalomsieger erhalten je 100.000, der Super-G-Sieger  68.500 Euro.

Nichts, womit  Hauser und sein Team beim 80. Hahnenkammrennen nicht fertig würden. Zumal 100 Mann aus Österreichs Bundesheer in Kitzbühel eingetroffen sind, um wie 2018 oder 2019 Neuschnee von der Strecke zu schippen. „Es sind eigentlich zwei Extreme. Voriges Jahr haben wir in den Tagen vor den Rennen zwei Meter Neuschnee gehabt. Heuer fahren wir fast nur auf Maschinenschnee. Wir sind zwar im ganzen Raum weiß, haben aber nicht viel Naturschnee heuer. Trotzdem sind die Bedingungen super.“

Hahnenkammrennen: Schwarzenegger als Gast

Super Sonne, super Piste, super Rennwochenende, super Promis beim super Jubiläum. Kitzbühel ist das Mekka der Superlative, jedes Jahr wieder. Arnold Schwarzenegger  hat sich diese Woche unter die Bussi-Bussi-Gäste gemischt. Zwischen Schnitzel- und Hummerpartys stellte er Sonnenbrillen mit der Aufschrift „I’ll be back“ auf den Gläsern vor – Brillen für Werbe-Statements.

Sich auf die Abfahrt zu wagen, ist ein Statement des Muts. Sie gilt als schwierigste des Jahres. Kein Starthang im alpinen Ski-Weltcup ist steiler als die 50 Prozent Gefälle auf der Streif. „So muss man sich fühlen, wenn man ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springt“, sagt der mehrfache Weltmeister Marc Girardelli.

Kaum ein Sprung ist spektakulärer als der an der Mausefalle, wo die Rennfahrer bei 86 Prozent Gefälle und Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h bis zu 80 Meter weit springen. Wobei der Sprung an der Hausbergkante weiter unten auf der 3,312 Kilometer langen Strecke ebenso imponierend wirkt.  Pistenchef Hauser sagt, auf der Streif seien alle Passagen schwierig. „Die Mausefalle, der Steilhang, der Hausberg oder die Seidlalm im Mittelteil.“ Der Berg wird zum Biest.

Bewunderung für Klammer

Er habe in seiner Jugend, als er noch Skirennen fuhr und den Kärntner Olympiasieger Franz Klammer bewunderte, als Vorläufer die Strecke hinunterrasen wollen, erzählt Hauser. Aber weil er dann seine Lehre als Zimmerer begann, „ist sich des dann nimmer ausgegangen“. Seit 1997 organisiert er das Rennspektakel mit, seit 2007 ist er Pistenchef. Seine Aufgabe: „Die Teile, die auf der Strecke sind, zusammenfügen, die ganzen Teams. Es ist die Obacht über das Ganze, was sich auf der Piste bewegt.“

In den Wochen vor den Rennen ist er für die Streckenpräparierung zuständig. „Man versucht immer das Perfekte rauszuholen, speziell an den Sprüngen. Es ist eine Ermessens-, eine Erfahrungssache, dass das richtige Profil gelingt.“

Jansrud siegt im Super-G

Am Freitag stand Hauser beim Super-G-Sieg des Norwegers Kjetil Jansrud  direkt am Start. Er sah, dass sich Lokalmatador Matthias Mayer Platz zwei mit  Aleksander Aamodt Kilde teilte, dass der deutsche Vorjahressieger Josef Ferstl nach einem Lauf voller Fehler 36. wurde, Thomas Dreßen als 17. total von der Linie abkam, weshalb er später schimpfte, er sei einen „Scheißdreck zusammengefahren“ und dass  Andreas Sander als Achter bester Deutscher wurde.

Die Abfahrt am Sonnabend ist eine andere Sache. Da  hält sich Hauser   an der Mausefalle auf, von der  Fritz Strobl, Streif-Sieger von 1997, einst sang: „Ich bin der Mozart der Mausefalle.“  Würde das Lied zu Hauser passen? „Nein, ich bin kein Mozart. Ich bin ganz normal und einfach stolz auf das Team, das wir am Berg haben. Der Zusammenhalt da herob’n ist das Schöne“, wehrt er ab.

Hahnenkammrennen in Kitzbühel: 85.000 Zuschauer an drei Tagen

Herunten jubeln die Fans. 85.000 Zuschauer kamen im Vorjahr an den drei Renntagen an die Strecke. Rennfahrer Mayer sagt, es sei irrsinnig schön in Kitzbühel mit dem grünen Licht des Zeitschnellsten abzuschwingen. Hauser sieht schon ganz oben, „wenn einer am Start aussi geht, ob er das gewisse Etwas hat, mit dem er die Streif gewinnen kann“.

2018 war das Thomas Dreßen, nach 39 Jahren wieder ein Deutscher.  Nach seinem Kreuzbandriss ist Dreßen diese Saison wieder unter den Besten der Welt. „Ich schau dem Thomas sehr gern zu. Ob’s heuer reicht“, sagt Hauser, „weiß man net."