Viel mehr konnte er den Fans nicht geben. Selbst das sonst nur sprichwörtlich letzte Hemd opferte Peyton Siva bei Alba Berlins Fanfest am Dienstagabend. Mit freiem Oberkörper, in kurzer Hose und Schuhen, immerhin, schlenderte der Point Guard kurz vor 20 Uhr zum Parkhaus. Ein letztes Winken, ein letztes Autogramm, ein letztes Foto, dann ging es zur Party der Mannschaft. Ob Fans und Mitspieler ihn kommende Saison wiedersehen werden, hatte er zuvor nicht beantwortet. Seine kurzfristigen Pläne drehen sich sowieso erst einmal um ganz andere Dinge. „Zuerst geht es nach Hause zu meinen Mädchen und dann nach Disneyland, die Prinzessinnen sehen“, sagte Siva, und die rund 300 anwesenden Alba-Fans freuten sich.

Gespräch mit Coach Reneses

Sie waren gekommen, um sich von ihrer Mannschaft zu verabschieden, sie für ihre drei erreichten Endspiele zu feiern. Auch wenn er kein Popstar ist, wurde vor allem Aito Garcia Reneses wie ein solcher von den Fans gefeiert. Jeder wünscht sich einen Verbleib des Spaniers. Der Vertrag des Alba-Trainers ist ausgelaufen, ein neues Arbeitspapier liegt ihm vor. Aber: In den vergangenen Wochen war Aito immer wieder mit Basecap an der Seitenlinie zu sehen gewesen. Der 72-Jährige wollte seine erkrankten Augen damit vor dem grellen Licht in den Hallen schützen.

Bald wird er operiert. Erst das eine Auge, wenige Tage später das andere. Es brauche etwas Zeit, sagte Aito, „erst danach werden wir sehen, ob ich mit hundertprozentiger Energie weitermachen kann.“ Sportdirektor Himar Ojeda und Geschäftsführer Marco Baldi werden sich noch mal mit ihm zusammensetzen, den weiteren Ablauf besprechen. „Bei Aito kann ich mir schon vorstellen, dass er jetzt mal drei Tage braucht, um sich zu reinigen“, so Baldi.

„Berlin im Herzen“

Fakt ist, dass Alba ohnehin etwas im Trainerteam tun muss. Assistent Thomas Päch wird Chefcoach in Bonn, seinen Posten muss Alba neu besetzen. Päch schaut mit einem lachenden und weinenden Auge auf die persönliche Veränderung: „Berlin ist mein Zuhause, Alba der Verein, bei dem ich groß geworden bin. Das trage ich immer im Herzen.“

Bei Franz Wagner steht eine Entscheidung unmittelbar bevor. Der 17-Jährige muss sich bis zum Ende der Woche entscheiden, ob er bei Alba einen Profivertrag unterschreibt oder den Weg seines Bruders Moritz in die USA ans College einschlägt. Auf der Internetseite der Michigan Wolverines, wo auch Moritz vor dem Wechsel in die NBA spielte, ist zu lesen, dass Wagner die Aufnahmeformulare eingereicht hat. Das bedeute nicht automatisch, dass er diesen Schritt auch gehe. Viel mehr könne er prüfen wollen, ob er überhaupt aufgenommen würde. „Ich habe mich noch nicht entscheiden, ich werde auf mein Bauchgefühl hören“, sagte er am Dienstag.

Ungewiss ist auch die Zukunft von Peyton Siva, Niels Giffey, Joshiko Saibou, Dennis Clifford und Derrick Walton. Während Luke Sikma, Rokas Giedraitis, Martin Hermannsson, Stefan Peno, Landry Nnoko, Johannes Thiemann, Tim Schneider, Kenneth Ogbe und Kresimir Nikic noch mindestens ein weiteres Jahr bei Alba unter Vertrag stehen, wurde am Dienstag der Wechsel von Bennet Hundt nach Göttingen bekannt. „Wir haben unsere Dinge hinterlegt, wir wollen das Team im Kern zusammenhalten“, sagt Baldi. Jetzt liegt es an den Spielern und deren Beratern.

Zeichen auf Twitter

Über Namen oder selbst Positionen, auf denen sich Alba verändern möchte, will der Geschäftsführer nicht sprechen. Baldi weiß um die Gerüchte. Am hartnäckigsten halten sich derzeit die Namen Ismet Akpinar und Johannes Voigtmann. Dadurch könnten Joshiko Saibou und Dennis Clifford aus dem Kader fallen. In Spiel zwei der Finalserie wurden beide Spieler nicht berücksichtigt, waren nur Zuschauer. Ein Zeichen? Genau wie der Emoji-Daumen von Peyton Siva bei Twitter auf die Bitte, dass er doch im August zurückkommen solle?

Es herrscht die marktübliche Unklarheit nach einer Saison. In den Gesprächen zwischen Sportdirektor Himar Ojeda und den Agenten der Spieler sollen zeitnah Fakten geschaffen werden. Die Basketballer selbst haben sich nach 71 Saisonspielen eine Pause verdient. In der Heimat, im Urlaub oder eben in Disneyland.