Die Eisernen bejubeln Torschütze Sebastian Andersson im Spiel gegen Köln.
Ottmar Winter

Berlin-KöpenickNeulinge leben gefährlich. Mal mehr, mal weniger und zumindest was die Tabelle angeht. Weil der 1. FC Union tatsächlich auch einer ist, ein Neuling also und keiner dieser Wiederkehrer, die schon einmal in der Bundesliga waren wie der 1. FC Köln und der SC Paderborn, haben sie an den Stammtischen in Köpenick gut lachen, wenn es zu diesem Abstiegs-Quiz kommt: Wer ist aus der Bundesliga noch nie abgestiegen?

Bis zum Saisonende 2017/18 kam zumindest dieser Name wie aus der Pistole geschossen: der HSV! Das aber ist seitdem Geschichte, der Dino ist erlegt. Na gut, auf die Bayern aus München kommen sie alle, selbst wenn der Rekordmeister erst zwei Jahre nach der Gründung, 1965 also, dazugekommen ist. Gut dabei ist auch Bayer Leverkusen, seit 1979 im Oberhaus. Aber dann? Dann wird es eng, weil die Historie Vereine nach oben gespült hat, an die die Gründungsväter Anfang der Sechzigerjahre nicht gedacht haben und nicht denken konnten.

Um es kurz zu machen: Zu den Bayern und zu Bayer gesellen sich fünf weitere Vereine: der VfL Wolfsburg, 1997 aufgestiegen, die TSG Hoffenheim, seit 2008 dabei, der FC Augsburg (2011), RB Leipzig (2016) und, na logo, der 1. FC Union.

Union Kenner

Andreas Baingo begleitet seit mehr als vier Jahrzehnten das Geschehen rund um den 1. FC Union. Für die Eisernen war er sogar selbst einmal am Ball. Immer mittwochs gibt er nun seine Expertise zu dem Fußball-Bundesligsten ab.

Ja, ja, ich weiß, diese Aussage ist so steil wie gewagt. Für den Moment aber stimmt sie, so wie sie einst auch für Ulm, Fürth, den VfB Leipzig, Fortuna Köln, Blau-Weiß 90 und sogar Tasmania Berlin gestimmt hat, und ein paar Spitzfindigkeiten machen ein unterhaltsames Quiz doch aus.

Ich komme nur deshalb darauf, weil die Eisernen in ihren „Aufsteigerwochen“ stecken. Nach dem Heimspiel gegen die Geißbock-Elf folgt am Sonnabend der Trip nach Paderborn. Dabei soll bloß kein „Zweite-Liga-Gefühl“ aufkommen. Zumindest nicht bei den Eisernen, denn die haben gezeigt, wie ein Polster auf die Abstiegsplätze geschaffen wird.

Zurzeit jedenfalls sind sie es, die allen beweisen, wie Behauptungswille geht, wie Teamwork funktioniert und wie selbst gegen die vermeintlich Großen, was sie, so Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach, ja auch sind, Dreier eingefahren werden. Es muss und es wird auch nicht so enden wie 1998, als mit dem 1. FC Kaiserslautern erstmals ein Aufsteiger den Titel gewann. Es geht auch und besser sogar mit leichterem Gepäck. Mit anderen Worten: Derzeit halten die Eisernen die besten Karten dafür in der Hand, eine erstaunliche Tradition fortzuführen. Die nämlich, dass zumindest ein Aufsteiger oben bleibt.

Die Tradition reicht zurück bis ins Jahr 1994, als es für einen Sieg nur zwei Zähler gab und Dynamo Dresden trotz eines Vier-Punkte-Abzuges die Klasse behauptete. Ein Jahr vorher hatte es mit Bayer Uerdingen und dem 1. FC Saarbrücken beide Aufsteiger erwischt. In all den Spieljahren danach hat sich tatsächlich zumindest ein Aufsteiger gerettet. Bochum, Freiburg, auch Cottbus, Hannover und Eintracht Frankfurt ist es mindestens zweimal gelungen, ebenso Bielefeld, Nürnberg, Mainz und – stimmt wirklich! – Mönchengladbach. Die Kölner haben ihren Geißbock sogar schon dreimal bei den Hörnern gepackt und als Aufsteiger gezeigt, wie es da oben geht. Nur: Sie sind alle eben auch schon abgestiegen, die meisten von ihnen sogar mehrmals.

Am liebsten wäre mir deshalb, wir spielten das „Wer ist aus der Bundesliga noch nie abgestiegen?“-Quiz in zig Jahren erneut und das Ende der Antwort würde weiterhin lauten: … und, na logo, der 1. FC Union.