Kai Havertz trifft zum 1:0 für Leverkusen.
Foto: Franklin/AP

BremenUlrich Mäurer hätte keinen Anlass zum Groll gefunden, wenn der Bremer Innensenator einen Spaziergang über den Osterdeich unternommen hätte, um am Weserstadion mal nachzusehen, ob der Profifußball an seinem Standort ein Infektionsrisiko auslöst: Grün-weiße Erkennungszeichen waren am Montagabend allerdings so rar, als sei der SV Werder nicht vom Abstieg aus der Bundesliga, sondern von der Löschung aus dem Vereinsregister bedroht. So gut also die Werder-Fans die Zeichen der Coronakrise befolgt haben, so schlecht ist der Wiedereinstieg für die Bremer Berufsfußballer verlaufen.

Mit der 1:4 (1:2)-Niederlage gegen Bayer Leverkusen vergrößern sich die Sorgen für die Hanseaten. Die Werkself untermauerte durch Kai Havertz (28. und 33.), Mitchell Weiser (61.) und Kerem Demirby (78.) die Ansprüche auf einen Champions-League-Platz, während das Heimteam durch Theodor Gebre Selassie (30.) nur kurzzeitig ausglich. Werder droht nach einer abermals streckenweise nicht erstligareifen Vorstellung mehr denn je der zweite Abstieg nach 1980. Fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsrang sind trotz eines Nachholspiels gegen Eintracht Frankfurt eine schwere Hypothek.

Trainer Florian Kohfeldt hatte sein Team in einer 4-3-3-Formation nominell zwar offensiv eingestellt, das verhielt sich aber lange zu passiv. Selbst wenn Leverkusen sich anfangs mit Chancen zurückhielt, fiel die Führung durch Havertz’ Kopfball nach Maßflanke von Moussa Diaby nicht überraschend, der den überforderten Marco Friedl einfach stehen ließ. Gebre Selassie bugsierte den Ball auf die gut verständliche Ankündigung seines Trainers („Komm Theo, Körpersprache“) dann zwar nach einer Ecke von Leo Bittencourt zum 1:1 über die Linie, doch die Freude über den unverhofften Ausgleich währte nur kurz.

Fatal, wie viel Freiraum Havertz nach einem Demirbay-Freistoß besaß – die Abstandsregel hatte Kohfeldts Ensemble in dieser Szene völlig falsch interpretiert. In der zweiten Hälfte versuchten die ballsicheren Gäste, übrigens mit dem erst 17-jährigen Florian Wirtz als jüngsten Bayer-Akteur in der Startformation, das Geschehen noch besser zu kontrollieren. Ihn half wieder ein haarsträubender Bremer Abwehrschnitzer: Einmal verlor der ansonsten so robuste Kevin Vogt das Kopfballduell, so dass Weiser sich mit dem 3:1 bedankte, ehe Demirbay die Kugel lässig zum 4:1 über die Linie lupfte. Auch in der Höhe gewann Leverkusen verdient eine Bundesligapartie, die für den Sieger in jeder Hinsicht den Eindruck eines Trainingsspiels vermittelte.