Jean Manuel Mbom herzt den Torschützen Leonardo Bittencourt.
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Berlin/BremenFlorian Kohfeldt ballte kurz beide Hände – und atmete dann erst einmal kräftig durch. Die letzten Minuten beim 1:0-(1:0)-Dusel-Sieg gegen Arminia Bielefeld hatten den Trainer von Werder Bremen ordentlich mitgenommen, die Freude über den zweiten Dreier in Serie kam bei Kohfeldt erst langsam durch. Dann umarmte der Coach Siegtorschütze Leonardo Bittencourt.

„In der zweiten Halbzeit haben wir keine Mittel gefunden, den Ball zu halte“, sagte Bittencourt nach dem Spiel bei Sky: „Deswegen mussten wir am Ende zittern. Aber das ist mir egal.“ Der 26-Jährige sorgte mit seinem Volltreffer in der 27. Minute für einen „sehr, sehr wichtigen“ Erfolg, auch wenn er zugab: „Die zweite Halbzeit war definitiv zu wenig.“

In der Tat war Bielefeld im leeren Weserstadion bis in die Nachspielzeit angelaufen und hatte sogar durch Mike van der Hoorn getroffen, doch sein Treffer wurde wegen Foulspiels aberkannt (90.+4).

Erstmals seit dem 4. Spieltag der so missratenen Vorsaison fuhr Werder zwei Siege in Serie ein. Mit nun sechs Punkten auf dem Konto zieht Bremen an den erneut mutig aufspielenden Bielefeldern vorbei und rangiert auf dem fünften Tabellenplatz.

Die Kohfeldt-Mannschaft zeigte auch ohne die eigentlich eingeplante Unterstützung der eigenen Fans immerhin in der ersten Hälfte eine ansprechende Leistung und bestätigte den Aufwärtstrend nach dem 3:1 zuletzt bei Schalke 04. Die Arminia von Trainer Uwe Neuhaus musste hingegen die erste Liga-Pleite überhaupt im Jahr 2020 (1. und 2. Liga) hinnehmen.

Weil die Coronafälle in Bremen in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen haben, konnten die eigentlich vorgesehenen 8500 Zuschauer den guten Werder-Beginn nicht vor Ort sehen. Die Behörden der Stadt hatten am Donnerstag ein Geisterspiel angeordnet.

Die Bremer machten zunächst etwas zu wenig aus ihrer Überlegenheit, so dass sich Bielefeld besser in die Partie wühlen konnte – und durch Fabian Klos (20.) und Sergio Cordova (26.) zu Chancen kam. Kurz danach jubelten dann aber plötzlich die Hausherren: Bittencourt verwandelte eine Hereingabe von Jean-Manuel Mbom technisch sehenswert. Ein vermeintlicher Treffer des 26-Jährigen war sechs Minuten zuvor nach Videobeweis wegen hauchdünner Abseitsstellung nicht anerkannt worden.

Mit zunehmender Spielzeit überließ Werder Bielefeld überraschend viele Räume. Fast folgerichtig kam Bielefeld zu guten Chancen. Erst vergab Klos (61.) eine sehr gute Möglichkeit gegen Jiri Pavlenka im Werder-Tor, später köpfte DSC-Verteidiger van der Hoorn knapp drüber (76.). Die Hausherren konnten kaum noch für Entlastung sorgen und verteidigten die Führung mit Mann und Maus – und erfolgreich.