Geld schießt eben doch Tore. So könnte man ganz oberflächlich nach Herthas 1:1 in Bremen urteilen. 20 Millionen Euro Ablöse hatte Hertha BSC für Stürmer Dodi Lukebakio im Sommer bezahlt, am Sonnabend machte der Belgier nach einem starken Solo den Ausgleich, rettete dem Hauptstadtklub einen Punkt an der Weser. Lukebakio machte den Unterschied – das war für jeden im Stadion sichtbar. Doch auch sonst ist der 22-Jährige ein wahrer Unterschiedsspieler.

Der Tag nach der 34-minütigen Gala des Stürmers: Während die Profis der Startelf in der Kabine lockeres Regenerationstraining machen, geht Lukebakio brav mit den anderen Ersatzspielern zur Übungseinheit auf den Schenckendorffplatz. Ein zufriedenes Lächeln blitzt über sein Gesicht, als auch gerade die ersten Sonnenstrahlen an diesem Sonntagvormittag ihre Lücken in den Wolken finden. Lichtgestalt? Vielleicht! Rekordeinkauf des Vereins? Sowieso! Abgehoben? Ganz im Gegenteil! Bevorzugter Sonderstatus? Auf gar keinen Fall! Nur Joker? Bald bestimmt nicht mehr! Hertha hat sich mit Lukebakio echte Qualität gegönnt – als Spieler und Charaktertyp. 

Technisch brillant und effizient

Der junge Mann, der vergangene Saison noch als Leihgabe für Düsseldorf spielte und Anfang August vom FC Watford zu den Blau-Weißen wechselte, hat keine Starallüren. Er hat sein Team im Kopf. Bei Hertha sind die Zeiten endgültig vorbei, als Ausnahmekönner wie früher ein Marcelinho bedingungslos gehätschelt und bei Skandalen und Skandälchen im Berliner Nachtleben geschützt werden mussten, damit sie wenigstens am Wochenende auf dem Platz funktionieren. Lukebakio unterscheidet sich da wesentlich.

Seine Spielweise ist ein Genuss: leichtfüßig, Turboantritt auf den ersten drei Metern, technisch brillant und einfach nur enorm effizient und zielsicher. Sein Ausgleichstreffer bei Werder war schlichtweg weltklasse. In der 56. Minute für Javairo Dilrosun eingewechselt, in der 70. Minute ein Traumsolo, bei dem er mit drei Haken die Bremer Abwehr alleine ausspielte und dann wunderschön zum 1:1 traf.
Viele fragen sich jetzt: Warum spielt Lukebakio dann nicht von Anfang an? Die Antwort ist ganz einfach – und der Belgier gibt sie selbst seit Wochen: „Ich habe im Sommer bei der U21-EM gespielt, ich bin spät zu Hertha gekommen und habe nicht wie meine Kollegen die komplette Saisonvorbereitung gemacht. Ich musste in den vergangenen Wochen körperlich einiges nachholen, um besser zu werden.“

Zu Saisonbeginn stand der schlaksige 1,87-Meter-Mann in der blau-weißen Startelf. Er traf auch gleich beim 2:2 beim FC Bayern und wurde seinem Ruf als Bayernschreck gerecht. Denn für Düsseldorf traf er in der vorherigen Saison viermal gegen den Rekordmeister. Doch nach dem ersten Spiel wirkte er müde. Gegen Paderborn saß er fünf Wochen später schließlich 90 Minuten auf der Bank, weil er harte Konditionsarbeit gemacht hatte. Danach war er Joker, bereitete beim 4:0 gegen Köln ein Tor vor, auch beim 3:1 gegen Düsseldorf, aber jetzt diese Leistungsexplosion in Bremen. Lukebakio bleibt bescheiden: „Das Tor war wichtig für das Team, darüber bin ich glücklich. Der Trainer hat mir vor der Einwechslung gesagt, dass ich alles geben soll, was ich drauf habe. Das hat gut geklappt.“

Glücklicher Trainer

Lukebakio rannte nach dem Traumtreffer sofort zu Ante Covic, beide umarmten sich. Und der Coach ist happy: „Die Bank bringt uns die Punkte, nicht zum ersten Mal. Entscheidend ist, dass wir in der Lage sind, die Spieler, die von der Bank kommen, so zu motivieren, dass die Jungs sofort loslegen und abdrücken und nicht beleidigte Leberwurst spielen.“ Doch bleibt Dodi weiter nur auf der Bank? Covic vielsagend: „Er liefert relativ gute Argumente für mehr Spielzeiten.“ Gegen Hoffenheim am Sonnabend steht dann wohl in der Startelf – für den Unterschied.