Barry Hearn engagiert sich weltweit für seine Firma. Auch mit Saudi Arabien hat er einen Deal, doch der ist sehr umstritten.
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BerlinBarry Hearn ist ein Mann großer Worte. Selbst am Telefon dauert es nicht lange, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Schon als er einen mit den Worten „Sind Sie bereit, über das großartige Spiel Snooker zu reden?“ begrüßt, entsteht der Eindruck, dass der britische Sportpromoter nicht nur eloquent, sondern wie für seinen Job gemacht ist.

Seit Mitte der 70er-Jahre promotet Barry Hearn Sportveranstaltungen in Sportarten wie Boxen, Darts und eben Snooker. Zusätzlich ist er Präsident der Professional Darts Corporation und in gleicher Funktion bei der World Snooker dafür zuständig, deren Turniere zu organisieren und zu vermarkten. Darunter sind auch die German Masters in Berlin, der Anlass für das Gespräch mit dem 71-jährigen.

Viele Zuschauer, gute Stimmung: Das German Masters im Tempodrom hat sich als Snooker-Event etabliert.
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Seit dem gestrigen Mittwoch und noch bis Sonntag messen sich im Tempodrom die weltbesten Snookerprofis. Für Hearn ist das Turnier von großer Bedeutung. Zum einen wegen der „besonderen Stimmung in Berlin“. Zum anderen machte er das Turnier jüngst zu einem von vier Turnieren auf der neuen European Series. Berlin ist dabei der zweite Stopp. Am vergangenen Wochenende gewann der Australier Neil Robertson in Dornbirn/Österreich, auf Berlin folgen Turniere in Watford/England und in Gibraltar.

Die Turnierserie steht hierbei symbolisch für das Bestreben von Barry Hearn, dem Sport durch Globalisierung und neue Events zu noch größerem Wachstum zu verhelfen. Ein Ansatz, der sich wie ein roter Faden durch die Arbeit von Hearn und seiner Agentur Matchroom Sport zieht. Ein Ansatz, mit dem Hearn mehreren Sportarten einen Weg ins Rampenlicht ermöglichte, für den der Promoter aber kritisiert wird.

Barry Hearn kauft Snookerhallen in England

Wenn Barry Hearn über seinen Weg als Sportpromoter spricht, schwingt in seinen Worten viel Pathos mit: „Ich komme aus einer sehr armen Familie, aber ich hatte einen Traum.“ Boxweltmeister im Schwergewicht wollte der junge Barry werden. „Ich war allerdings ein ziemlich schlechter Boxer“, erinnert er sich.

Also musste ein anderer Weg ins Sportbusiness her. Den ersten Schritt machte Hearn 1974, als er in England Snookerhallen kaufte und begann, dort Turniere zu veranstalten. Fahrt nahm er im Snooker auf, als er wenig später den jungen Steve Davis zu managen begann. Dieser avancierte mit unter anderem sechs Weltmeistertiteln innerhalb eines Jahrzehnts zum dominanten Snookerprofi der 80er-Jahre. Und weil Hearn damals auch die anderen Topspieler promotete, wurde er zum großen Gewinner, als der Sport auch dank des Senders BBC Mitte der 80er rasant an Popularität gewann.

Stück für Stück stieg Hearn in die anderen Sportarten ein. „Immer mit der Vision, den jeweiligen Sport ins Rampenlicht und Fernsehen zu bringen.“ Im Snooker seit zehn Jahren nicht mehr als privater Unternehmer, sondern als Präsident von World Snooker. 2010 hat Hearns Agentur 51 Prozent der Anteile von World Snooker übernommen und die Vermarktung des Sports vorangetrieben. „Unerbittlich und mit viel Begeisterung“, wie Hearn selbst sagt.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Statt sechs Turniere auf der Maintour spielen die Snookerprofis inzwischen jährlich 20 bis 30. Auch das insgesamt vergebene Preisgeld ist gewachsen. Von rund 3,5 Millionen britischen Pfund auf knapp 15 Millionen. Statt nur in Großbritannien und China gastiert die Tour auch in Ländern wie Lettland oder eben Österreich und Deutschland.

Ich denke, dass es an jedem Ort der Welt Dinge gibt, die nicht gut laufen. In Großbritannien, in Deutschland und natürlich auch in Saudi-Arabien.

Barry Hearn

Ab diesem Jahr steht ein weiterer, viel diskutierter Stopp an: die Saudi Arabia Snooker Masters in Riad im Oktober. Nach dem von seinem Sohn Eddie promoteten Boxkampf zwischen Anthony Joshua und Andy Ruiz im Dezember ist es das nächste Event, das Barry Hearn mit Matchroom nach Saudi-Arabien bringt. Das Preisgeld von 500.000 Pfund für den Gewinner des Turniers ist dabei genauso hoch dotiert wie das der jährlichen Weltmeisterschaft. „Das kann nur gut für den Sport sein“, meint Hearn. Dass Menschenrechtsorganisationen sowie zahlreiche Medien und Sportler selbst die Vergabe von Sportevents in Länder wie Saudi-Arabien kritisieren, verstehe er, sagt Barry Hearn. Beirren lässt er sich davon allerdings nicht.

„Ich denke, dass es an jedem Ort der Welt Dinge gibt, die nicht gut laufen. In Großbritannien, in Deutschland und natürlich auch in Saudi-Arabien“, sagt Hearn. Er habe schlichtweg nicht die „Power“, um die Politik zu verändern, könne aber durch Sport etwas bewirken. „Wir haben etwa darauf bestanden, bei dem Turnier weibliche Schiedsrichter einzusetzen“, sagt Hearn: „Das ist dort ein riesiger Schritt in die richtige Richtung.“ Dennoch bleibt das Gefühl, dass das große Preisgeld und der Profit es Hearn und seinen Spielern einfach machen, beim Blick auf das Turnier über die kritischen Bedingungen innerhalb des Gastgeberstaats hinwegzuschauen.

400.000 Pfund Preisgeld in Berlin

Wird es vor dem Turnier in Riad viel um Politik und Menschenrechte gehen, ist bei dem dieser Tage in Berlin laufenden Masters das Gegenteil der Fall. Im Fokus stehen dort hohe Zuschauerzahlen und die gute Stimmung im Tempodrom, die zusammen mit den insgesamt 400 000 Pfund Preisgeld gleich sechs Spieler aus der aktuellen Top Ten der Weltrangliste nach Berlin locken. Und so besteht zumindest die Hoffnung, dass Barry Hearn Recht hat, wenn er in allerbester Promotermanier zum Ende des Telefonats ankündigt: „In Berlin erwartet uns ein Spektakel, geprägt von Spannung, Leidenschaft und Dramatik.“