Berlin - Wie Leidenschaft im Profisport aussehen kann, haben am Sonnabend die Powervolleys Düren gezeigt: Angreifer Sebastian Gevert zum Beispiel, der einer der emotionalsten Volleyballer der Bundesliga ist. Oder Mittelblocker Tim Broshog, ein Brocken von Kerl, der immer dort stand, wo die Berliner versuchten, den Ball übers Netz zu schmettern. Immer wieder stießen die Dürener aggressive Triumphschreie aus, sprangen nach Punkten einen Teamkollegen mit breitem Brustkorb an, versuchten, das Publikum, das gar nicht da war, mit wedelnden Armen aufzuputschen – und kurbelten damit bei ihrem 3:1 (25:17, 25:15, 20:25, 25:21)-Sieg gegen die BR Volleys vor allem das eigene Spiel an. 

Damit sind die Powervolleys in der Best-of-three-Serie im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft nur noch einen Sieg vom Finaleinzug entfernt. „Während die Dürener alles gezeigt haben, was es in einem Playoff-Match braucht, haben wir viel zu wenig Emotionen auf den Court gebracht. Wenn der Gegner sich dann in einen derartigen Rausch spielt, wird es auswärts ganz schwer“, konstatierte Volleys-Manager Kaweh Niroomand.

Satz eins und zwei eroberte Düren vor allem Dank des besseren Aufschlagspiels, die Balance aus Risiko und Druck stimmte bei ihnen. Gleichzeitig sorgte der Aufschlagdruck des Tabellenzweiten der Hauptrunde dafür, dass Berlins Spielzüge von ihrer Block- und Feldabwehr leicht ausgerechnet werden konnten. Und auch wenn Berlins Trainer Cedric Enard mit vielen Wechseln arbeitete und sich die Hereinnahme von Denis Kaliberda im dritten Satz auszahlte, fanden die BR Volleys zu keiner Teamleistung. Sie hatten der Mentalität der Dürener keine eigene entgegenzusetzen.

Da könnte sich die konzeptionelle und sportpolitische Vorarbeit, die Manager Niroomand in den vergangenen Wochen geleistet hat, am Mittwoch in vielerlei Hinsicht auszahlen. Spiel zwei der Halbfinalserie soll, so ist es analog zu den Pilotprojekten der Berliner Kultur geplant, vor 800 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle stattfinden. Damit wollen die BR Volleys den Menschen „eine Perspektive für eine schrittweise Rückkehr zur Normalität, auch im Sport, geben“, wie Niroomand sagt. „Wenn die Veranstaltung wie geplant stattfinden kann, wäre das nicht nur für den Volleyball, sondern für den gesamten deutschen Sport ein Signal der Zuversicht.“ Die Hygienekonzepte dazu wurden bereits vor Wochen erstellt. 

BR Volleys gehen von Verlust in fünfstelliger Höhe aus

Sich damit einen Heimvorteil zu erkaufen oder einen Wettbewerbsvorteil zu ergattern, sei „wirklich das Allerletzte, was bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt hat“, beteuerte Niroomand, der davon ausgeht, dass dieses Spiel mit beschränkter Zuschauerzahl seinem Klub Verluste in fünfstelliger Höhe einbringt. Einerseits.

Andererseits könnten 800 Zuschauer auf den Rängen seiner Mannschaft zu deutlich mehr Energie auf dem Platz verhelfen, auch wenn sie hinter Masken stecken. Dürens Leidenschaft genügend Kampfwillen entgegenzusetzen wird für die Volleys entscheidend sein. Denn das Spiel soll nicht nur als Türöffner für den Berliner oder bundesweiten Sport fungieren, geht es für die Volleys nicht nur darum, zum zehnten Mal hintereinander das Meisterschaftsfinale zu erreichen, sondern auch um eine weitere Weichenstellung: die Qualifikation für die kommende Champions League.