Gut vernetzt: Horst Bläsig, Chefredakteur der Fußball-Woche, beim Berliner Traditionsmasters an der Seite des früheren Unioners Torsten Mattuschka.
Foto: Imago Images/Matthias Koch

BerlinDie Fußball-Woche erscheint in diesem Jahr - und wie im Kopf der Wochenzeitung zu lesen ist - bereits im 96. Jahrgang. Ja, das traditionsreiche Blatt existiert seit 1923! Und befindet sich jetzt in großer Not. Die aktuelle Ausgabe hatte wieder einen Umfang von 32 Seiten. Immerhin. Zuletzt, als die Corona-Krise dieser Zeitung ihre eigentliche Arbeitsgrundlage entzog, weil nirgendwo mehr ein Ball rollen darf, produzierte die kleine Mannschaft um Chefredakteur Horst Bläsig lediglich 24 Seiten. 

In normalen Fußballzeiten, die eine gefühlte Ewigkeit zurückzuliegen scheinen, hat das Blatt mit dem grünen Zeitungskopf 48 Seiten. Die werden mit Fußball gefüllt, angefangen von Hertha BSC und dem 1. FC Union über die Regionalliga, Oberliga, Berlin-Liga, Brandenburg-Liga bis hinunter zur Kreisliga C. Auch die Junioren, Senioren und die Frauen bekommen ihren Platz.

Der Absatz am Kiosk fehlt

Wie lange kann eine Zeitung, die Fußball-Woche heißt, ohne Fußball durchhalten? Chefredakteur Bläsig sagt: „Wir hoffen inständig, dass im Sommer oder spätestens im Herbst wieder der Ball rollen darf, sonst wird es für uns sehr eng.“ Die beiden festangestellten Redakteure befinden sich in Kurzarbeit, die freien Mitarbeiter liefern fleißig ihre Texte von zu Hause ab.

Die Auflage beträgt knapp 20.000 Exemplare, ohne Fußball geht vor allem der Absatz an den Kiosken zurück. Die Fußball-Woche, in der Szene kurz FuWo genannt, lebt von zahlreichen Abonnenten. Bläsig sagt: „Viele Vereinsvertreter lesen uns, aber auch zahlreiche Privatpersonen, meist ehemalige aktive Fußballer, Funktionäre, Schiedsrichter, alles Leute, die einen engen Kontakt zum Fußball haben.“

Deren Treue erweist sich in der Krise als besonders wertvoll. Als erster prominenter Leser rief Werner Natalis, der langjährige Präsident des Berlin-Ligisten Sparta Lichtenberg, dazu auf, Spenden für die FuWo zu sammeln. Natalis überwies spontan 100 Euro. Bläsig: „Viele Leser folgten. Wir bekommen Spenden und auch neue Abos wurden bestellt. Großartig!“

Zuletzt meldete sich der Eiserne V.I.R.U.S., ein Verein zur Förderung und der
Interessenvertretung von Fans des 1. FC Union Berlin e.V. Die Eisernen schreiben: „Wir haben uns darauf verständigt, von den nächsten vier Ausgaben jeweils 25 Exemplare der aktuellen Ausgabe zu erwerben und sie als Zugabe an Bedürftige Unioner abzugeben oder vielleicht auch in anderen sozialen Einrichtungen auszulegen. Insgesamt werden wir also in diesen vier Wochen 100 Exemplare der FuWo ordern und hoffen, somit auch einen kleinen Beitrag zum Erhalt der FuWo beitragen zu können.“ Bläsig findet das eine „tolle Aktion“ und freut sich sehr über diese Hilfe. Dennoch sagt der Chefredakteur: Die Sorgen um den Fortbestand der FuWo bleiben.“

Die Unterstützung der FuWo ist gelebte Solidarität.

Werner Natalis

Das Blatt füllen die Macher nun neben aktuellen Meldungen und Berichten über den Zustand der Vereine, ihre Nöten und Sorgen, vor allem mit neuen Rubriken. Es gibt die Serie „Berliner Fußball-Legenden“, wo bislang die Herthaner Marcelinho, Marko Pantelic und Gabor Kiraly und der Unioner Sven Beuckert beschrieben wurden. Mannschaftsfotos aus uralten Bundesliga- Spielzeiten werden gedruckt, dazu gibt es das „A bis Z der Berliner Vereine.“ Dabei kommen interessante Details über die Vereine zu Tage, die oft nicht bekannt waren.

Neuerdings erfreuen sich die Leser auch an vier Sonderseiten aus dem FuWo-Archiv, in dem alte Jahrgänge noch einmal gedruckt werden.  „Das kommt sehr gut an“, sagt Bläsig, „diese Rubriken sind jetzt erstmal unsere Säulen.“

Die FuWo ist im Berliner Fußball eine geachtete Institution. Dass dies so bleiben wird, hoffen viele Fans und Leser. Sparta Lichtenbergs Präsident Werner Natalis sagte: „Die Unterstützung der FuWo ist gelebte Solidarität.“ Er macht es vor.  „Ich bin langjähriger Abonnent und habe entschieden, jeden Montag ein zusätzliches Exemplar zu kaufen – für meinen Enkel, der Union-Fan ist.“