Berlin - Wunderkind unter Alt-Kanzler Helmut Kohl, Star der New Economy, Privatinsolvenz mit einer Haftstrafe auf Bewährung und ein Flugzeug-Unfall – das Leben von Lars Windhorst (42) bietet Stoff für einen Hollywood-Film. Doch wer ist Herthas neuer Großinvestor? 

1976 wurde er im ostwestfälischen Rahden geboren – und sorgte schon früh für Furore. In der Garage der Eltern bastelte der Teenager an Computern rum, kam mit der Aktentasche in die Schule und gründete bereits mit 14 Jahren das Unternehmen „Windhorst Electronics“, das sich auf Import und Handel von Elektro- und Computerteilen spezialisierte. Von da an geht es steil bergauf: Die internationale Presse berichtet über den „Teen-Tycoon" und „deutschen Bill Gates". Als 19-Jähriger geht der Jungunternehmer als Teil einer Wirtschaftsdelegation mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl auf Staatsreise nach Asien.

Windhorst, das Wunderkind, war in aller Munde. Und durchaus für seine extravaganten Ideen bekannt: So kündigte er an, er wolle den höchsten Turm Vietnams, den „Windhorst-Tower“, bauen lassen. Doch auf den Höhenflug folgte in den  90er Jahre der tiefe Fall. 2003 meldeten drei seiner Firmen und er selbst Insolvenz an. 2009 wiederholte sich das Spiel. 

Flugzeugunglück, Bewährungsstrafe

Im Dezember 2007 wäre Windhorst fast ums Leben gekommen. Auf Geschäftsreise in Kasachstan verunglückte er beim Startversuch einer Business-Maschine, überlebte nur durch ein Wunder mit Quetschungen und Verbrennungen im Gesicht und am Brustkorb.

Mit dem Gesetz kommt er 2010 erneut in den Konflikt, wird vom Berliner Landgericht wegen Veruntreuung von rund 930 000 Euro zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. 

Hohe Risikobereitschaft

Doch Windhorst gilt als Stehaufmännchen. Sein Ruf: extreme Risikobereitschaft und überzeugende, mitreißende Rhetorik. Dabei bleiben seine Geschäftsmethoden auch in der jüngsten Vergangenheit umstritten. Laut „FT" gab es allein von 2016 bis 2017 sechs Zivilklagen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 200 Millionen Euro gegen den Unternehmer sowie dessen Beteiligungs-Gruppe Sapinda (heute Tennor Holding). 

Windhorst gibt sich geläutert. Und bleibt verbissen, handelt nach eigenen Angaben mit Beträgen in Milliardenhöhe von Anlegern, investiert in Fußfesseln und Öl, sanierungsbedürftige Immobilien (in der Vergangenheit auch mit Union-Sponsor Grand City Properties) oder in Ackerflächen in Afrika, in Dessous und Kohle. 

Hertha ein „Big-City-Klub"

Privat sei Windhorst durchaus für seine wilden Partys bekannt. Immer wieder lädt er Gäste auf seine gut 70 Meter lange Jacht „Global“ ein.

Jetzt steigt er mit 125 Millionen Euro bei Hertha ein, erhält zunächst 37,5 Prozent der Anteile. Er sagt: „Hertha kann wie andere Klubs in London oder Madrid zu einem echten Big City Club werden.“