Wie ein trotziges Kind: Der DFB lehnt sich gegen die Fifa auf

Die Abneigung zwischen dem Deutschen Fußball-Verband und dem Weltverband beruht auf Gegenseitigkeit. In Katar nimmt der DFB aus Protest gar eine Strafe in Kauf.

Gute Miene zum schlechten Spiel: Fifa-Präsident Gianni Infantino (l.), Innenministerin Nancy Faeser and DFB-Präsident Bernd Neuendorf.
Gute Miene zum schlechten Spiel: Fifa-Präsident Gianni Infantino (l.), Innenministerin Nancy Faeser and DFB-Präsident Bernd Neuendorf.imago/MacNicol

Das Verhältnis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum Weltfußballverband (Fifa) könnte ja ohnehin schlechter nicht sein. Man mag sich nicht. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Jetzt ist es unter der erbarmungslosen Sonne Katars zu einer weiteren Abkühlung gekommen. Derzeit: unter null Grad.

Seit Monaten hatte man im Lager der deutschen Nationalmannschaft gehofft, dass sämtliche Pressekonferenzen im eigenen DFB-Medienzentrum im Norden des Emirats, 110 Kilometer von der Hauptstadt Doha entfernt, veranstaltet werden könnten. Dass das am Veto der Fifa scheitern könnte, war den Verantwortlichen beim DFB jedoch stets klar gewesen. Denn um die internationalen Medien optimal zu versorgen und unnötige Wege durch die Stadt zu ersparen, hatte die Fifa erstmals bei einer WM entschieden, dass alle der obligatorischen Pressekonferenzen am Tag vor den Spielen im zentralen Medienzentrum am Stadtrand von Doha stattfinden müssen.

Zudem war beschlossen worden, dass die Teams ihr Abschlusstraining nicht in den Stadien durchzuführen haben, sondern auf ihren Trainingsplätzen in der Nähe ihrer Team-Basecamps. So wollte man einerseits den Rasen in den Spielstätten schonen und andererseits verhindern, dass Mannschaftsbusse unnötig im dichten Verkehr von Doha steckenbleiben. Nachvollziehbare Argumente.

Auch die Belgier tanzen aus der Reihe

Bei früheren Weltmeisterschaften hatten diese Prinzip aufgrund der großen Entfernungen nicht gelten können. Da war es stets so gewesen, dass der Cheftrainer und ein Spieler am Nachmittag vor dem Spiel im Rahmen des Abschlusstrainings im jeweiligen Stadion zur Pressekonferenz erscheinen. Alle Nationen hatten sich an dieses von der Fifa zwingend vorgegebene Prozedere zu halten und taten das in der Regel auch.

In Katar ist alles anders. Hier befinden sich die acht Stadien im Umkreis von höchstens 60 Kilometern, fast alle Teams haben in Doha oder unmittelbarer Umgebung eine Bleibe für ihren WM-Aufenthalt gefunden und ersparen sich so mühevolle Wegstrecken. Nur die Belgier, die 90 Kilometer südwestlich von Doha nahe der Grenze zu Saudi-Arabien im Hilton Salwa Beach Resort untergebracht sind, und die Deutschen, die 110 Kilometer nördlich von Doha ihr Basecamp aufgeschlagen haben, haben sich anders entschieden. Die Folgen waren ihnen klar, beim DFB lehnt man sich dennoch auf wie ein trotziges Kind.

Zur Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Spanien erschien deshalb ein auffällig übellauniger Bundestrainer Hansi Flick ohne einen Spieler an seiner Seite. Die Begründung: „Wir wollten keinem Spieler zumuten, so lange zu fahren. Das sind fast drei Stunden im Auto. Die sollen sich in der wichtigen Phase aufs Training vorbereiten. Wir sind schon enttäuscht. Wir haben ein richtig gutes Medienzentrum. Aber es ist halt so, das müssen wir akzeptieren, wie so vieles.“

Als professionell und respektvoll gegenüber Ausrichter Katar, Veranstalter Fifa und den Medien kann dieses Verhalten eher nicht bezeichnet werden. Der DFB erntete Kopfschütteln und nimmt eine Fifa-Strafe in Kauf. Zumal die Wege in Katar ja ohnehin viel kürzer sind als zuletzt bei den WM-Turnieren in Russland und Brasilien, auch bei der paneuropäischen Europameisterschaft 2021 oder ganz profan: bei Bundesligaspielen. Da ist es üblich, dass Spieler, Trainer und Betreuer am Tag vor den Spielen oft über viele Stunden anreisen.

DFB-Präsident Neuendorf hat sich festgelegt

Der DFB hat zudem das seltene Glück, dass zwei seiner drei Vorrundenspiele ins Al Bayt-Stadion gelost wurden. Das ist nämlich die einzige Arena, die wirklich außerhalb von Doha liegt, und zwar praktisch auf halbem Weg nördlich von der Metropole zum deutschen WM-Camp. Was bedeutet: Zum Spiel am Sonntagabend gegen Spanien konnte der deutsche Tross binnen einer guten halben Stunde direkt aus dem Zulal Wellness Resort anreisen. Das gilt auch für die Partie am nächsten Donnerstag gegen Costa Rica. Man trifft sich sozusagen in der Mitte. Aber davon sind DFB und Fifa schon lange weit entfernt.

So hat DFB-Präsident Bernd Neuendorf erst vor wenigen Tagen noch einmal eindeutig zu verstehen gegeben, dass man den amtierenden Gianni Infantino bei der Wahl des Fifa-Präsidenten im März kommenden Jahres nicht unterstützen werde. „Dabei bleibt es. Es sei denn, es würden sich massiv Dinge ändern bei der Fifa - das kann ich in Moment nicht erkennen"“, so Neuendorf. Und: „Ich werde ihn nicht persönlich attackieren. Aber wir dürfen von so einem großen Verband erwarten, dass er mit dem allergrößten Verband - nämlich dem DFB - ordentlich umgeht.“