Wie einst im Mai: Boateng-Ansprache befeuert Hertha-Profis

Sportlich geht Hertha BSC nach dem Sieg über Köln erleichtert in die WM-Pause. Die schlechten wirtschaftlichen Nachrichten folgen am Sonntag auf der Mitglied...

ARCHIV - Herthas Kevin-Prince Boateng (l) gibt während einer Trinkpause Anweisungen an Marco Richter.
ARCHIV - Herthas Kevin-Prince Boateng (l) gibt während einer Trinkpause Anweisungen an Marco Richter.Soeren Stache/dpa/Archivbild

Berlin (dpa) –-Rein sportlich spielt Kevin-Prince Boateng im Kader von Fußball-Bundesligist Hertha BSC eher eine Nebenrolle, seinen enormen Wert für die Mannschaft stellte der 35-Jährige vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln einmal mehr unter Beweis. „Das war eine geile Ansprache, Prince hat uns Feuer unterm Arsch gemacht - auch der Trainer“, sagte Marco Richter nach dem 2:0-Erfolg, mit dem Hertha mit einem guten Gefühl trotz insgesamt schwacher Punktausbeute in die Winterpause geht. „Deshalb gab es keinen Ausweg für uns: Wir wollten gewinnen, wir mussten gewinnen und wir haben gewonnen“, sagte Richter.

Bereits in der Relegation gegen den Hamburger SV im vergangenen Mai hatte der ehemalige Nationalspieler von Ghana mit einer Rede in der Kabine seine Mannschaft so sehr motiviert, dass nach einer 0:1-Heimniederlage ein 2:0-Erfolg in der Hansestadt folgte, der den Klassenerhalt bedeutete. „Es war sehr emotional, wie man Prince kennt. Er nimmt das Zepter in die Hand“, erklärte Richter, der den aufmunternden Worten des Leitwolfs mit seinem zweiten Saisontor in der 54. Minute zum Endstand Taten folgen ließ. „Er ist wie ein großer Bruder für mich und viele junge Spieler“, sagte Richter.

Auch Torhüter Oliver Christensen nahm sich die „sehr gute Besprechung vor dem Spiel“ von Boateng zu Herzen. Der 23 Jahre alte dänische Nationaltorwart, der mit seinem Land die WM in Katar bestreitet, zeigt sich schon in seinen jungen Jahren selbst häufig als Mahner und Kritiker der Mannschaft.

Auch nach dem Sieg dachte der 1,91 Meter lange Schlussmann an die Aufarbeitung der Schwächen im Hinblick auf die Spiele im neuen Jahr. „Wir haben viele gute Halbzeiten gemacht, aber nie gut über 90 Minuten gespielt. Das müssen wir erarbeiten, dass wir auch über 98 Minuten gut spielen. Das müssen wir lernen“, sagte Christensen auch im Rückblick auf den Last-Minute-Treffer am vergangenen Dienstag beim 1:2 in Stuttgart.

Erleichtert wie der Torhüter waren die gesamte Mannschaft und Trainer Sandro Schwarz sowie die 60 827 Zuschauer im Berliner Olympiastadion über den Erfolg, den Wilfried Kanga mit seinem zweiten Saisontreffer in der neunten Minute eingeleitet hatte. „14 ist besser als elf“, sagte Christensen über den Punktestand, der Hertha über den Abstiegsplätzen und dem Relegationsrang auf Platz 15 überwintern lässt.

Der dritte Saisonsieg wird auch die Stimmung bei der Mitgliederversammlung am Sonntag beeinflussen. Bei einer erneuten Niederlage wären die kritischen Stimmen, die nach der 1:2-Niederlage in Stuttgart erstmals in dieser Saison lauter wurden, auch in der Messehalle 22 am Funkturm wahrscheinlich vernehmlicher gewesen.

Der Erfolg gegen Köln kann die Gemüter der Berliner Anhänger, die den Verein seit Beginn der Amtszeit von Kay Bernstein auch trotz der geringen Punktausbeute viel positiver begleitet haben als in den Jahren zuvor, mehr beruhigen. Immerhin wird ein Jahresergebnis von minus 79,8 Millionen Euro verkündet, der Verein muss an allen Ecken und Enden Kosten einsparen.