Tauscht der die Farbe Rot gegen Silber? Über Sebastian Vettels Zukunft wird in der Formel 1 debattiert. 
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BerlinEs ist eine Trennung, welche die Formel 1 noch eine Weile beschäftigen wird. Mit Sebastian Vettel wird der erfolgreichste deutsche Formel-1-Pilot seit Michael Schumacher sein Engagement bei Ferrari zum Saisonende beenden. Der ernüchternde Schlussakkord einer Ballade, die stets von wenig Liebe geprägt war. Zu hoch waren die Erwartungen an den Heppenheimer, das Vermächtnis seines legendären Landsmannes beim italienischen Traditionsrennstall fortzuführen, und zu schnell war Vettel der Buhmann, wenn ihm das nicht gelang.

Doch wie geht es nun weiter - mit Vettel und seinem vakanten Fahrerplatz bei Ferrari, neben Mercedes noch immer dem Powerhouse der Königsklasse des Motorsports?

Wer ersetzt Sebastian Vettel bei Ferrari?

Auf letztere Frage scheint es bereits eine Antwort zu geben. Der Spanier Carlos Sainz Jr. soll Medienberichten zufolge Nachfolger von Sebastian Vettel werden. Der bisherige McLaren-Pilot hat sich nach Informationen von RTL/ntv und motorsport-total.com mit der Scuderia auf einen Vertrag ab 2021 geeinigt. Ferrari will demnach die Verpflichtung des 25-Jährigen im Laufe dieser Woche bekanntgeben.

Sainz würde damit künftig an der Seite des Monegassen Charles Leclerc, 22, fahren. Eine Rolle, die dem Sohn von Rallye-Legende Carlos Sainz Sr. (58) nicht unbekannt ist. Schon bei McLaren teilte er sich den Rennstall mit einem hochtalentierten Youngster, dem Briten Lando Norris, 20. Anders als Vettel, dessen Verhältnis zu Leclerc bestenfalls als professionell bezeichnet werden kann, war die Beziehung von Sainz zu seinem jüngeren Kollegen freundschaftlich. Neid schien für den Spanier, zumindest in der Vergangenheit, ein Fremdwort zu sein.

Doch weil sich sowohl Ferrari als auch McLaren noch zieren, den Fahrerwechsel als perfekt zu vermelden, lohnt sich zumindest ein theoretischer ein Blick auf die übrigen Kandidaten:

Daniel Ricciardo: Italienische Wurzeln, Dauergrinsen und spektakuläre Überholmanöver: Ricciardo wäre einer für das Herz der Ferraristi. Der 30-jährige Australier zockte vor zwei Jahren um das Cockpit neben Vettel - den er 2014 bei Red Bull als amtierenden Weltmeister deutlich geschlagen hatte. Doch Ferrari setzte auf Eigengewächs Leclerc. Bei Renault wurde Ricciardo reich, aber blieb erfolglos. Wahrscheinlich zieht es ihn weg von den Franzosen - zu Ferrari?

Lewis Hamilton: Lewis Hamilton und Ferrari sind einander alles andere als egal. Mal flogen die Giftpfeile, mal wurde geschmeichelt und umworben. Hamiltons Vertrag bei Mercedes läuft aus, der sechsmalige Weltmeister ist glücklich bei den Silbernen und wird im Normalfall verlängern - wenn Mercedes denn in der Formel 1 bleibt. Aber: Ferrari ist für jeden Piloten eine Versuchung. Und mit mittlerweile 35 Jahren hat Hamilton nicht mehr viele Chancen für einen Tapetenwechsel.

Valtteri Bottas: 2017 beerbte Bottas bei Mercedes den zurückgetretenen Weltmeister Nico Rosberg. Seitdem geht es ruhiger zu bei den Silberpfeilen, aber die Erfolge sind geblieben. Das liegt auch an Bottas: Bei allem persönlichen Ehrgeiz hat für den 30-jährigen Finnen der Teamerfolg oberste Priorität. In Bottas, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, fände Ferrari eine überaus solide Lösung.

Mick Schumacher: M. Schumacher in einem Ferrari - Romantiker kämen bei dieser Paarung voll auf ihre Kosten, auch Motorsport-Deutschland dürfte in eine Euphorie verfallen wie zuletzt zu Zeiten von... na ja, M. Schumacher. Doch für Mick, den 21 Jahre alten Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher (51), käme der Sprung wohl deutlich zu früh. Zwar strebt der Filius des erfolgreichsten Ferrari-Fahrers aller Zeiten in die Formel 1, doch wegen Corona schweigen auch in der Formel 2 die Motoren. Hier muss er erst den nächsten von mehreren Karriereschritten tun, ehe er die Reife für Ferrari hat.

Sergio "Checo" Perez: Der 30-jährige Mexikaner gilt als bester Fahrer im Feld, der noch kein Rennen gewonnen hat. Steht bei Racing Point bis 2022 unter Vertrag, doch das nötige Kleingeld für seine Ablöse könnte Ferrari aufbringen. Zumal Perez kein Großverdiener ist.

Was wird aus Sebastian Vettel?

Schwieriger ist die Antwort auf die Frage, welche Optionen Sebastian Vettel selbst für seine rennfahrerische Zukunft hat. Eine kann zumindest kategorisch ausgeschlossen werden: Anders als sein pensionierter Kollege Nico Rosberg im Jahr 2016 wird Vettel nicht frühzeitig die Rennhandschuhe an den Nagel hängen. "Ich liebe das Fahren. Natürlich bin ich jetzt schon eine Weile hier, aber ich liebe, was ich mache. Die Befriedigung, die du vom Fahren eines Autos bekommst, ist immer noch dieselbe", erklärte er vor wenigen Monaten.

Um weiter fahren zu können benötigt der 32-Jährige allerdings einen Rennstall. Der Ex-Weltmeister genießt zwar grundsätzlich einen guten Ruf in der Formel 1, doch spätestens seit der Machtübernahme der jungen Wilden um Max Verstappen (Red Bull), Charles Leclerc und Lando Norris setzen Teams vermehrt auf junge, talentierte Fahrer. Gleichsam wird Vettel selbst eine erneute Konstellation mit einem hochveranlagten, deutlich jüngeren Kontrahenten scheuen. Zu unklar waren die Machtverhältnisse bei Ferrari in der vergangenen Saison.

Das führt allerdings dazu, dass eine Rückkehr zu Red Bull nahezu ausgeschlossen ist. Zu "Mad Max" Verstappen hat Vettel ohnehin kein gutes Verhältnis. Die Wunschvariante vieler deutscher Motorsportfans wäre indes ein Engagement bei Mercedes. Und klar: Lewis Hamilton ist 35 und Valtteri Bottas (30) ein guter, aber kein sehr guter Fahrer. Nur: Im Nachwuchsprogramm der Silberpfeile warten Toptalente wie George Russell (22) und Esteban Ocon (23) gierig auf ihre Chance. Ihnen einen alternden Ex-Champ vorzuziehen, wäre kaum fair und käme ohnehin nur infrage, wenn Hamilton Mercedes verlässt. Er und Vettel in einem Team ist so undenkbar wie die Kombination Vettel/Verstappen.

Es bleiben McLaren und Renault. Der freie Platz, den Carlos Sainz bei einem Wechsel zu Ferrari bei McLaren hinterlassen würde, wäre perfekt für Vettel, der sich vom liebenswerten, aber noch grünen Youngster Norris kaum angegriffen fühlen würde. Der Brite selbst könnte gleichsam einiges vom erfahrenen Vettel lernen.

Renault wäre indes eine Option, wenn Daniel Ricciardo den Rennstall verlässt. Hier wäre Vettel dann die klare Nummer eins bei einem Team, mit dessen Motoren er 2010 bis 2013 viermal Weltmeister wurde.