Leverkusen/MünchenNach Robert Lewandowskis Schuss ins Glück feierten die Stars von Bayern München den perfekten Abschluss eines außergewöhnlichen Jahres noch auf dem Rasen. Welttorhüter Manuel Neuer stimmte nach dem Gewinn der „Weihnachtsmeisterschaft“ den Klassiker „Jingle Bells“ an – Weltfußballer Lewandowski geriet derweil ins Schwärmen. „Was für ein Jahr haben wir gespielt. Ich hoffe, wir werden im neuen Jahr so weiterspielen“, sagte der Doppelpacker nach dem 2:1 (1:1) im Gipfeltreffen bei Bayer Leverkusen.

Die Last-Minute-Bayern hatten ihrem Ruf mal wieder alle Ehre gemacht. Die dritte Minute der Nachspielzeit war fast abgelaufen, als Lewandowski die Werkself mit seinem 17. Saisontreffer vom Tabellenthron stürzte und den FC Bayern wieder an die Spitze katapultierte.

Entsprechend feierlich war die Stimmung auch in der Kabine. „Es war wie unter dem Weihnachtsbaum, wenn du die Geschenke aufmachst“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im Sport1-Doppelpass. Triple-Trainer Hansi Flick freute sich über den „gewünschten Abschluss eines fantastischen Jahres“.

Trainer Hansi Flick wird emotional

Und der 55-Jährige wollte die BayArena nicht verlassen, ohne davor noch eine Hommage an seine Mannschaft und das gesamte Trainerteam gerichtet zu haben. „Ich muss jetzt mal herausstellen“, sagte Flick und schluckte kurz, „dass uns Trainern die Arbeit mit dieser Mannschaft enorm viel Spaß macht. Sie hat neben ihrer Stärke und ihrer Qualität auch wirklich tolle Einzelspieler.“

Aber die Mentalität und der Teamgeist seien einfach herausragend, sagte er. Es mache „enorm viel Spaß und da bin ich für jeden Tag und für jede Stunde, die wir zusammen sind, einfach dankbar. Das werde ich in meinem Leben nicht vergessen, was die Spieler und meine Trainerkollegen mir geben“, schwärmte Flick.

Nach der Krönung beim Champions-League-Finalturnier in Lissabon, dem Gewinn des nationalen Doubles und nur einer Niederlage im Kalenderjahr in 48 Pflichtspielen sei es „eine Art Finale“ gewesen, sagte Thomas Müller: „Dass wir in der letzten Sekunde den Siegtreffer machen, das passt in den Hollywoodfilm für unser Fußballjahr 2020.“

Zum „Hollywoodfilm“ passte auch das lang ersehnte Comeback von Joshua Kimmich: Der Nationalspieler feierte nach überstandener Knie-Operation in der 68. Minute seine Rückkehr und zeigte nach knapp über einem Monat Pause direkt wieder seine Qualitäten als Antreiber und Vorbereiter. Bei Jonathan Tahs Aussetzer schaltete Kimmich am schnellsten und bediente Lewandowski mit einem schnellen Pass in den Lauf.

Leroy Sané erhält Höchststrafe

Doch in all der Euphorie und Zufriedenheit verabschiedete sich ein Akteur des Starensembles an diesem Abend sicherlich auch mit einem mulmigen Gefühl in die kurze Winterpause – Leroy Sané. Der Königstransfer erhielt im Spitzenspiel von Flick die Höchststrafe.

Der Nationalspieler wurde in der 32. Minute für Kingsley Coman eingewechselt und nur 36 Minuten später wieder vom Platz genommen. Bereits in den vergangenen Wochen war Sané immer wieder in die Kritik geraten, vor allem aufgrund seiner Defizite in der Defensivarbeit. Bei seinem Kurzauftritt in Leverkusen blieb er auch offensiv unauffällig.

„Die Talente, die er hat, sind überragend. Ich glaube, dass er eine gute Zukunft haben kann. Wir sind bereit, jeden Spieler zu fördern, aber wir fordern auch. Er muss jetzt den nächsten Schritt machen und seinen Charakter an den FC Bayern anpassen“, betonte Rummenigge.

Auch die erneute Muskelverletzung des zuletzt starken Coman trübte die Freude ein wenig. Trotzdem wird der Rekordmeister mit einem euphorischen Gefühl in die erholsame, wenn auch kurze Weihnachtspause gehen.