Als der Ball noch rollte: Marius Wolf (l.) im Duell mit Bremens Davy Klaassen.
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BerlinDie Fußball-Welt steht aufgrund der Coronakrise still. Für Herthas Marius Wolf, 24, ist die Situation gleich aus zwei Gründen besonders. Der Flügelstürmer ist nur bis zum Ende der Saison von Borussia Dortmund ausgeliehen. Die Berliner  besitzen eine Kaufoption in Höhe von 20 Millionen Euro. Viel Geld, insbesondere in wirtschaftlich schweren Zeiten. Obwohl seine blau-weiße Zukunft ungewiss ist, macht sich Wolf noch keine großen Sorgen. „Im Moment beschäftigt mich das nicht so“, sagt Wolf per Skype-Video aus seiner häuslichen Quarantäne. 

Dass er Herthaner bleiben will, bekräftigte er gegenüber dieser Zeitung bereits Ende Januar. Jetzt sagt Wolf: „Wir haben wegen der Krise nicht weiter gesprochen. Derzeit gibt es Wichtigeres. Wenn es einen Zeitpunkt gibt, an dem klar ist, dass es weitergeht, werden die Gespräche geführt.“ Wann der Ball wieder rollt, ist offen.

Lieber Geisterspiele als gar kein Fußball

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) verlängerte die Corona-Pause bis mindestens 30. April. Sollte der Spielbetrieb noch länger ruhen, droht der Branche ein weiteres heikles Thema: Allein in der Bundesliga laufen mehr als 100 Spielerverträge zum 30. Juni aus. Unklar ist, welche arbeitsrechtlichen Konsequenzen es haben wird, sollte die Saison  über den Stichtag hinaus laufen.

„Daran hatte bisher keiner gedacht. Ich weiß nicht, wie die DFL das handhaben wird. Ich denke, wir werden eine Lösung finden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die Saison nicht zu Ende spielen“, sagt Wolf. Dass dies – wenn überhaupt – nur mit Geisterspielen der Fall sein wird, ist dem Franken klar: „Das wird unumgänglich sein. Ich denke die Fans schauen lieber vor dem Fernseher zu, als gar keinen Fußball zu sehen.“

Bereit zum Gehaltsverzicht

Das wäre für alle Klubs notwendig – Stichwort TV-Gelder – um kein finanzielles Fiasko zu erleben. Helfen soll auch ein Gehaltsverzicht der Profis. Sogar die Spieler und Verantwortlichen des reichen FC Bayern verzichten im Zuge der Corona-Pandemie auf 20 Prozent ihres Lohns. Auch Herthas Manager Michael Preetz kündigte Gespräche an. Wolf zeigt sich offen: „Das ist ein Punkt, über den man sprechen muss. Die Klubs, die das entschieden haben, sind aber nicht in Quarantäne. Sobald wir die Zeit haben, werden wir zusammen eine gute Lösung finden.“

Dank des Geldregens von Investor Lars Windhorst sind die Blau-Weißen nicht so in der Bredouille wie viele andere Klubs. Mitarbeitern drohen bisher keine Entlassungen, Kurzarbeit ist aber auch bei Hertha ein Thema. Wolf ist zum Verzicht bereit. „Es ist schön, wenn man anderen helfen kann“, sagt er.

Mit der Situation in den heimischen vier Wänden hat er sich arrangiert. Dort sitzt er wie seine Kollegen seit vergangenen Dienstag, nachdem ein Hertha-Profi positiv auf die Lungenkrankheit Covid-19 getestet wurde. „Bis auf dem Balkon war ich nicht draußen. Das habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Um fit zu bleiben, trainiert er bis zu dreimal täglich, meistens auf dem Heimfahrrad: „Ich könnte Rennrad-Profi werden“, scherzt Wolf.

Schokolade für die Nachbarn

Als Alternative dazu und zu den Video-Einheiten, die Fitness-Trainer Henrik Kuchno organisiert, rennt Wolf auch mal durch sein Berliner Altbau-Treppenhaus. „Man muss kreativ sein. Das ist zwar sehr laut. Bisher hat sich aber noch niemand beschwert“, sagt Wolf schmunzelnd. Als Dank legte er den Nachbarn eine Tafel Schokolade vor die Tür. Diese und andere Lebensmittel müssen für ihn derzeit Freunde einkaufen.

Neben der Playstation nutzt er die Isolation, um sich mit der Familie auszutauschen. „Ich muss mein Handy manchmal dreimal am Tag laden“, erklärt Wolf und lacht. Die gute Laune ist ihm nicht vergangen. Dennoch wartet er sehnsüchtig darauf, wieder vor die Tür zu dürfen. „Dann kann ich auch mal wieder im Wald joggen.“ Damit möglichst schnell alle ihren Alltag wiederhaben, hat Wolf auch noch einen Appell: „Prio Nummer eins ist es, den Anweisungen der Regierung zu folgen.“