Berlin - Jürgen Klopp und der FC Liverpool als leichte Beute? Nein, Julian Nagelsmann wollte den schwer angezählten Meister aus England vor der großen Aufholjagd keinesfalls unterschätzen. „Es ist für uns eigentlich scheißegal, ob Everton, Fulham oder wer auch immer da gewonnen hat. Das hat auf das Spiel keinen Einfluss“, beteuerte der Trainer von RB Leipzig vor dem Achtelfinal-Rückspiel der Champions League am Mittwoch (21.00 Uhr/Sky).

Liverpool unterlag mit 0:1 dem Abstiegskandidaten FC Fulham

0:2 war RB im ersten Duell im Februar, das wie das Rückspiel coronabedingt in Budapest stattfand, unterlegen. Da kümmerte es Nagelsmann kaum, dass die Reds in der Premier League mit zuletzt sechs Heimpleiten die Qualifikation für die Königsklasse zu verspielen drohen. „Wir thematisieren das nicht, denn wir haben das Hinspiel verloren“, sagte der Leipzig-Coach. „Daher sind wir aktuell der Verlierer des Duells. Es geht darum, am Ende vielleicht der Gewinner zu sein.“

Erst am vergangenen Sonntag hatten Liverpool und Welttrainer Klopp zu Hause an der Anfield Road mit 0:1 gegen den Abstiegskandidaten FC Fulham verloren. Klopp wirkte danach niedergeschlagen und versuchte, den Fokus auf die letzte Titelchance in der Königsklasse zu lenken. „Gott sei Dank spielen wir jetzt in einem anderen Wettbewerb“, sagte der Teammanager nach der Fulham-Partie und warnte vor Leipzig: „Sie werden nicht aufgeben, nur weil sie 0:2 zurückliegen. Es wird schwer.“ Dennoch ist Klopp zum Weiterkommen verdammt, wenn er die Saison irgendwie retten will.

RB-Trainer Nagelsmann hat Mitleid mit Liverpool

In allen englischen Pokal-Wettbewerben ist Liverpool raus, in der Liga liegen die Reds sieben Punkte hinter den Champions-League-Rängen. Nagelsmann hatte sogar etwas Mitleid mit dem Königsklassen-Sieger von 2019. „Dass ich da ein bisschen mitfühlen kann, ist normal“, sagte er. „Das ist eine harte Zeit. Erst recht, wenn man völlig zu Recht erfolgsverwöhnt war.“ Liverpool sei dennoch weiterhin eine „Weltklasse-Mannschaft mit einem Weltklasse-Trainer“, die laut Nagelsmann den Umschwung packen werde: „Dafür sind die Spieler zu gut und der Trainer erst recht.“

Damit der Aufwärtstrend nicht schon gegen Leipzig startet, forderte Nagelsmann von seiner Mannschaft höchste Konzentration. Schließlich hatten zwei individuelle Fehler von Kapitän Marcel Sabitzer und Verteidiger Nordi Mukiele im Hinspiel beide Liverpooler Tore begünstigt.

„Die dürfen uns einfach nicht passieren auf dem Niveau. Erst recht nicht mit der Bürde des 0:2“, forderte Nagelsmann. Insgesamt brauche es „eine Mischung aus der nötigen Angriffslust, Demut und Cleverness“, wie Nagelsmann meinte, um Klopp das Viertelfinal-Ticket doch noch zu entreißen.