Silvio Berlusconi, umgeben von seinem Team.
dpa

MonzaDas Schicksal war Silvio Berlusconi in den vergangenen Jahren nicht besonders freundlich gesonnen. In der italienischen Politik hat der ehemalige Regierungschef an Bedeutung verloren, und auch gesundheitlich kämpft der 84-Jährige immer wieder mit Problemen. Im September infizierte er sich mit dem Coronavirus und wurde im Krankenhaus behandelt. Doch nun plant der Milliardär und Medienmogul seinen nächsten Coup – und zwar auf dem Fußballplatz.

Vor zwei Jahren kaufte Berlusconi den Drittligisten AC Monza, der im Sommer in die Serie B aufstieg. Nun strebt der Club erstmals in seiner 108-jährigen Geschichte den Sprung in die Serie A an. Trotz des mittelmäßigen Saisonstarts mit zwei Punkten aus zwei Spielen scheint das möglich. Helfen soll dabei auch Ex-Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng, der bereits unter Berlusconi beim AC Mailand spielte und im Sommer nach Monza kam.

20 Kilometer nordöstlich von Mailand wagte Berlusconi, nach Jahren als Besitzer des AC Mailand, einen Neustart mit einem passenden Budget und der Hilfe eines alten Freundes Adriano Galliani. Der 76-Jährige war zu Berlusconis Zeiten Vorstandsvorsitzender des AC Mailand und besetzt dieselbe Position in Monza, seinem Heimatverein. Er habe Berlusconi letztendlich überzeugt, in den Club zu investieren, sagte Antonelli.

Der für seine Eitelkeit bekannte 84-Jährige hat außerdem genaue Vorstellungen davon, wie seine Mannschaft aussehen soll. Die Spieler sollten nicht nur ausschließlich Italiener sein, sondern auch ordentliche Frisuren, keinen Bart, keine Ohrringe und „absolut keine Tattoos“ tragen. Doch durchsetzen konnte der mehrfach kosmetisch operierte Berlusconi diese Regeln bislang nicht. Trainer Cristian Brocchi, der früher beim AC Mailand spielte, ist tätowiert, ebenso einige Spieler.

Trotzdem: Berlusconi sei verliebt in seine Mannschaft, wie er der Zeitung Il Cittadino aus Monza sagte. Auch der Slogan des Clubs verspricht eine Liebesgeschichte: Sarà romantico – es wird romantisch. Für Berlusconi gehören zu dieser Beziehung regelmäßiges Entertainment, das neben Lob und Ratschlägen für seine Spieler auch Anekdoten aus seinem Sexleben umfasst, wie das Video eines gemeinsamen Abendessens zeigte.

Doch neben dem exzentrischen Eigentümer glauben auch andere an den Erfolg des AC Monza. „Auf dem Papier haben sie alles, was sie für eine großartige Saison brauchen“, sagte der Journalist Daniele Barone. Ob der Verein wirklich bereit für die Serie A ist, muss sich aber noch zeigen. Anfang September besiegte Berlusconis alter Verein AC Mailand Monza bei einem Freundschaftsspiel mit 4:1.