Selbst der sonst so besonnene Urs Fischer ahnte, dass in diesem Moment etwas Besorgniserregendes passiert ist. Das rechte Knie von Michael Parensen war bei der Ballannahme ohne Fremdeinwirkung weggeknickt, der 32-Jährige zu Boden gegangen. „So eine Scheiße“, brüllte der defensive Allesspieler des 1. FC Union. Sofort eilten Sebastian Polter, Christoph Schösswendter und Florian Hübner herbei, und eben auch Fischer. Mitspieler und Trainer wissen: Michael Parensen macht kein Theater.

Eine Diagnose stand gestern noch aus, doch Parensen weiß am besten, wie schlimm eine Verletzung ist. Keiner im Kader hat die Knochen so oft für Union hingehalten (227 Pflichtspiele). Kaum ein Körperteil, das dabei nicht zu Schaden kam. Wadenbein, Nasenbein, Schienbein, Elle, Mittelfuß − und die Knie. Erst im März war das Innenband des rechten Knies gerissen, und so werden Erinnerungen an 2010 wach. Damals war es das linke Knie, das zunächst im März und dann nach der Rückkehr auf den Platz im Oktober noch mal Schaden nahm. Wiederholt sich die bittere Geschichte?

Rückkehr wird schwieriger denn je

Trainingszaungast Dirk Zingler eilte ebenfalls besorgt hinzu, als Physiotherapeut Frank Placzek dem Verletzten nach minutenlanger Behandlung auf die Beine half und ihn auf dem Weg zur Kabine stützte.

Oft schon wurde Michael Parensen abgeschrieben, nicht nur wegen seinen Verletzungen. Jüngere, vermeintlich bessere Spieler kamen, die Trainer wechselten. Doch immer kehrte Parensen irgendwann wieder zurück. Mal auf diese, mal auf jene Position, wo er eben gebraucht wurde. Für seine Treue und sein Kämpferherz wird er geliebt von den Fans, für sie ist er der Gegenentwurf zum modernen Fußballsöldner. Fußballgötter sind in Köpenick ja alle, wenn sie einen Vertrag bei Union unterschreiben. Aber nur einem wurde das Attribut „ewig“ verpasst. Schließlich feierte Parensen schon am 9. Mai 2009 mit Karim Benyamina auf dem Dach des Union-Barkas. Als einziger Zweitligaaufsteiger ist der „ewige Micha“ noch dabei − und mit 200 Zweitligaeinsätzen Unions Rekordspieler.

Falls das Knie so lädiert ist, wie es im Moment des Schreis aussah, würde eine neuerliche Rückkehr wohl schwieriger denn je. Aber Parensen wird kämpfen.