Thüringens Sportminister Helmut Holter.
DPA/Martin Schutt

BerlinDie Zukunft der 3. Liga steht am Montag beim Außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Mittelpunkt. Bei der virtuellen Zusammenkunft der 262 Delegierten geht es um mehrere Anträge, die als Folge der Corona-Pandemie behandelt werden. Seit Wochen gibt es heftigen Streit um die Saison-Fortsetzung. 

Der Hallesche FC hat dem DFB einen Brief zum Verband nach Frankfurt geschickt. „Wir haben durch unseren Anwalt die bestehende Wettbewerbsverzerrung beim DFB angezeigt und diesen aufgefordert, gleiche Bedingungen für alle mit mindestens 14 Tagen Mannschaftstraining zu schaffen. Wir erwarten hierzu eine Antwort und werden dann in unseren Gremien weitere Schritte beraten“, sagte Präsident Jens Rauschenbach der Mitteldeutschen Zeitung.

Der HFC ist erst am Wochenende nach über zweimonatiger Pause ins Mannschaftstraining eingestiegen. Am Sonntag (14.00 Uhr/MagentaSport) tritt Halle beim ebenfalls abstiegsbedrohten Preußen Münster an. Für das einwöchige Quarantäne-Trainingslager ist der Club bereits ins Münsterland gereist. In Sachsen-Anhalt sind Teamtraining und Wettkämpfe noch bis Mittwoch untersagt.

Präsident Hermann Winkler vom Sächsischen Fußball-Verband (SFV) hat sich gegen einen Medienbericht gewehrt, wonach er sich in Hinblick auf den DFB-Bundestag am Montag nicht korrekt verhalten habe. „Große Geschütze werden medial aus Berlin (Frankfurt?) aufgefahren vor dem morgigen DFB-Bundestag, zu dem ich gemeinsam mit Sachsen-Anhalt einen Antrag auf Abbruch der 3. Liga gestellt habe“, schrieb Winkler am Sonntag auf seiner Facebookseite.

In der Bild am Sonntag hatte Insolvenzverwalter Klaus Siemon vom Chemnitzer FC Kritik an Winkler geäußert. Der SFV-Boss habe dem CFC, der für eine Fortsetzung der Drittliga-Saison plädiert, zugesichert, keinen Antrag auf Abbruch einzureichen. „Dies hätte ich nur getan, wenn beide sächsische Drittligisten diese Position mitgetragen hätten“, zitiert das Blatt aus einer Mail Winklers an die Chemnitzer.

Anders als der CFC hat sich der sächsische Konkurrent Zwickau für einen Saisonabbruch ausgesprochen. „Ich verstehe nicht, warum der sächsische Verband uns in dieser Weise in den Rücken fällt“, sagte Siemon. Winkler konterte: „Dass nur ein Teil des Mail-Verkehrs publiziert wurde ohne unsere Argumente, spricht für sich.“

Der SFV-Präsident ist Vizepräsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbands (NOFV) und setzt sich „für die Interessen von Zwickau, Magdeburg, Jena und Halle“ ein. „Leider die ostdeutschen Vereine“ Thüringens Sportminister Helmut Holter hatte zuvor die DFB-Entscheidung kritisiert, die 3. Liga ab dem 30. Mai fortzuführen. „Ich bin der Meinung, alle Vereine sollten die gleichen Bedingungen haben in diesem Wettbewerb innerhalb der 3. Liga. Leider sind es wieder die ostdeutschen Vereine, die den Kürzeren dabei ziehen“, sagte Holter im Deutschlandfunk. 

1. FC Magdeburg: Hickhack um Tests

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Drittligist 1. FC Magdeburg streiten sich. Es geht um Coronatests, die ausgeblieben sind. Magdeburgs Sportlicher Leiter Mario Kallnik stellte klar, ein beauftragtes Labor habe aus Kapazitätsgründen einen Test am Freitag abgesagt, weil kein Kurierfahrer verfügbar gewesen sei. Erst am Sonnabend habe der DFB eine Sondergenehmigung erteilt, dass der Verein die Proben selbst in das Labor fahren dürfe. Zuvor hatte der Klub vergeblich eine Verlegung des Neustarts in der Dritten Liga beantragt, weil die ersten Corona-Tests ausgefallen waren.

Es ist ein Hickhack entbrannt: Der DFB hatte zuvor erklärt, dass „der 1. FC Magdeburg einen für vergangenen Mittwoch geplanten Termin zur Testung am gleichen Tag kurzfristig ohne Nennung von Gründen abgesagt hatte“. Kallnik konterte, Magdeburg habe auf Tests verzichtet, da der DFB noch am Dienstag den Neubeginn auf unbestimmte Zeit verschoben habe. Zudem sei in Sachsen-Anhalt bis 27. Mai Mannschaftstraining verboten.

Als am Mittwoch  der 30. Mai als Starttermin feststand, war es für den Test zu spät. Kallnik teilte mit, sein Klub habe sich daran orientiert, wie  Erst- und Zweitligaklubs vorgegangen seien. Diese hatten zwei Testreihen, bevor sie ins Quarantäne-Trainingslager einzogen. „Allein das Wort Quarantäne sagt doch, dass ich etwas schütze oder beschütze. Wenn wir also jetzt in ein Hotel gehen, wissen wir nicht, ist einer infiziert oder nicht. Also ist es ein normales Trainingslager und kein Quarantäne-Trainingslager“, sagte Kallnik.

Magdeburg sei für einen Neustart, aber nur unter vergleichbaren Bedingungen für alle Klubs. Dazu seien bis zu drei Wochen Mannschaftstraining nötig. „Das ist weit und breit nicht in Sicht, sondern nur ein paar Tage. Das kritisieren wir und werden uns weitere juristische Schritte vorbehalten.“ 

FC Carl Zeiss Jena: die Heimatlosen

Der FC Carl Zeiss Jena wird am Montag sein Quarantäne-Trainingslager in der Landessportschule Egidius Braun in Leipzig beziehen. Weil in Thüringen bis zum 5. Juni aufgrund behördlicher Verfügungen kein Mannschaftstraining und Wettkämpfe möglich sind, weichen die Thüringer nach Sachsen aus. Am Montag soll beim Tabellenletzten der Dritten Liga auch die zweite Testreihe auf das Coronavirus durchgeführt werden. Somit kann die Mannschaft von Teammanager René Klingbeil wohl erst am Mittwoch in das Mannschaftstraining einsteigen.

„Sollte es dazu kommen, dass wir tatsächlich – ohne aktuell zu wissen, wo das eigentlich stattfinden soll – nach nur drei Tagen Vorbereitung gegen den Chemnitzer FC spielen müssen, dann müssen wir auch versuchen, auf das eigentlich Unmögliche vorbereitet zu sein. Und dazu bedarf es dieses Camps“, sagte Jenas Geschäftsführer Chris Förster am Sonntag in einer Vereinsmitteilung.

Wo die für den 31. Mai um 17 Uhr angesetzte Partie gegen den CFC angepfiffen wird, ist noch unklar. Da Jena am 3. Juni beim MSV Duisburg antritt, hat der FC Carl Zeiss alle westdeutschen Drittligisten angefragt, ob die Klubs für die Partie gegen Chemnitz ihre Spielstätte zur Verfügung stellen können. Damit wollen die Thüringer die „ohnehin schon enormen Kosten in einem erträglichen Maße“ halten. „Hinzu kommt, dass auch nach dem Spiel in Duisburg der FCC im heimischen Jena bis zumindest einschließlich 5. Juni weiter kein Mannschaftstraining absolvieren kann, was womöglich sogar eine Verlängerung des Duisburg-Trainingscamps nötig macht“, heißt es.

Unterdessen griffen mehrere Fußballerinnen des Bundesligisten FF USV Jena in den Sozialen Medien den DFB wegen seiner Wiedereinstiegspläne offen an.