Am Donnerstagabend hatten Sabine Lisicki und Angelique Kerber noch die 1:2-Niederlage der deutschen Fußballer gegen Italien betrauert - am Freitagnachmittag strahlten die beiden besten deutschen Tennisspielerinnen nach dem Einzug ins Achtelfinale der All England Championships mit der Sonne um die Wette. Am Abend machte Florian Mayer den erfolgreichen deutschen Tag in Wimbledon perfekt.

Lisicki, Kerber und Mayer gewannen in der Windlotterie einen Platz in der zweiten Woche des Grand-Slam-Rasenturniers. Auf die beiden Frauen wartet am Montag große Prominenz. Lisicki, die zum dritten Mal an der Church Road in der Runde der letzten 16 steht, sicherte sich die Revanche für das verlorene Halbfinale 2011 gegen die Weltranglisten-Erste Maria Scharapowa. Kerber, die ihr Achtelfinal-Debüt in Wimbledon feiert, trifft auf Kim Clijsters. Mayer bekommt es mit dem Franzosen Richard Gasquet zu tun.

„Ich mag Herausforderungen und große Matches“, sagte Lisicki vorausblickend nach dem mühsamen 7:6 (7:5), 1:6, 6:3-Erfolg in 1:52 Stunden gegen die US-Amerikanerin Sloane Stephens. „Ich bin glücklich, die zweite Woche erreicht zu haben und hoffe, dass ich das Match genießen und mein bestes Tennis spielen kann“, äußerte sich auch Kerber erwartungsfroh. Die Weltranglisten-Achte aus Kiel hatte sich gegen Christina McHale aus den USA in 1:19 Stunden letztlich klar mit 6:2, 6:3 durchgesetzt.

Florian Mayer ging wieder den weiten Weg und gewann einen Fünfsatz-Krimi gegen den Polen Jerzy Janowicz mit 7:6 (7:5), 3:6, 2:6, 6:3, 7:5. An diesem Samstag können noch Philipp Kohlschreiber (gegen Nadal-Bezwinger Lukas Rosol) und Julia Görges (gegen Ana Ivanovic) nachziehen.

Enge Kiste in Melbourne

Das Duell gegen Scharapowa ist für Sabine Lisicki nicht nur die Neuauflage der Vorschlussrunde 2011, sondern auch das Re-Match des Achtelfinales der diesjährigen Australian Open. Vor zwölf Monaten hatte die Russin 6:4, 6:3 gewonnen, im Januar in Melbourne war es eine engere Kiste: 3:6, 6:2, 6:3. Scharapowa führt 3:0 im direkten Vergleich. Kerber und Clijsters haben noch nie gegeneinander gespielt. „Gegen Linkshänderinnen ist es immer schwierig“, sagte die ehemalige Nummer eins aus Belgien.

Es war ein hartes Stück Arbeit, bis sich Lisicki die Rückkehr auf einen der von ihr so geliebten großen Courts in Wimbledon verdient hatte. „Ich bin froh, dass ich im dritten Satz meine Chancen genutzt habe“, gab die 22-Jährige zu. „Aber es waren schwierige Bedingungen da draußen.“ Auch Kerber hatte fast mehr Probleme mit der Naturgewalt als mit der Nachwuchskraft aus den USA. „Es war nicht leicht, weil es so windig war.“

Lisicki macht die Big Points

Vor allem Lisicki machte der große Blasebalg zu schaffen. Er beeinträchtigte erheblich ihren Ballwurf, ihr Service und die Schläge von der Grundlinie. Selbst die von Lisicki auf dem Stuhl abgelegte Jacke flog zu Boden. Immer wieder segelten Bälle ins Aus, die ohne Böen im Ziel gelandet wären. Insgesamt unterliefen Lisicki 35 leichte Fehler, ihrer Gegnerin nur deren 14. „Das war ein bisschen zu viel“, sagte sie. Angesichts der Umstände war sie aber zufrieden und sah Fortschritte im Vergleich zu ihren ersten zwei Auftritten. „Ich habe besser gespielt und besser aufgeschlagen.“ Vor allem bei den Big Points war die Berlinerin präsent.

Lisicki lag im Tiebreak des ersten Durchgangs schon 2:5 zurück, machte dank ihres Kampfgeistes aber die nächsten fünf Punkte zum Satzgewinn. Ihr sonst so gefährlicher Aufschlag aber blieb eine stumpfe Waffe. Nach Breaks zum 1:3 und zum 1:5 war Satz zwei zu ihren Ungunsten entschieden. Im dritten aber packte sie entschlossen die Break-Möglichkeit zum 3:1 beim Schopf, womit der Widerstand der US-Amerikanerin gebrochen war. „Ich habe meine Chance genutzt“, fasste Klose-Fan Lisicki die Vorstellung zusammen. Anders als die deutschen Fußballer.