Berlin - Der Winter macht es einem manchmal nicht leicht. Das gilt auch für Fußballspieler. „Das war stellenweise richtig schwierig bei der Witterung“, sagt Unions Michael Parensen über die erste Trainingswoche im neuen Jahr. An den Berliner Winter, den Parensen vor knapp acht Jahren erstmals kennenlernen durfte, hat er sowieso spezielle Erinnerungen.

„Der Schnee war höher. Es war kälter, als ich es kannte. Damals dachte ich wirklich nicht daran, dass ich bei Union mal länger bleiben würde“, beschreibt der 30-Jährige seine ersten Eindrücke von der Stadt, dem Wetter und dem Verein. Montag wird der eiserne Zweitligarekordhalter zu seinem insgesamt achten Wintertrainingslager mit den Köpenickern aufbrechen.

Kein Fan des spanischen Klimas

Im spanischen Oliva Nova soll dann wieder das Fußballspielen im Fokus stehen, nachdem es in der vergangenen Woche vor allem um Athletik und Kondition ging. „Das war letzte Woche schon ein ordentliches Programm in der Kälte“, sagt Parensen. Umso überraschender ist dann allerdings, dass selbst das spanische Klima den 30-Jährigen nicht erwärmen kann. „Ich kenne kaum Fußballer, die Fans von Trainingslagern sind. Es ist körperlich und mental anstrengend. 24 Stunden am Tag, und zudem ist man noch weit weg von der Familie“, sagt er.

Parensen legt das Hauptaugenmerk auf andere Dinge. „In den Wochen der Vorbereitung findet man sich als Mannschaft wieder. Das ist wichtig für unsere Ziele“, sagt der Routinier. Große Umstellungen und Kennenlern-Anläufe wird es im Team allerdings noch nicht geben. Bis auf den Wechsel von Christopher Lenz als Leihgabe zu Holstein Kiel gab es keine personellen Veränderungen.

Pedersen bisher Favorit

Das 22-jährige Talent aus Mönchengladbach stieß erst im Sommer zu den Köpenickern und war lange ein aussichtsreicher Kandidat für die Linksverteidigerposition, konnte sich bisher aber nicht gegen den souverän agierenden Kristian Pedersen durchsetzen. Auch bei Pedersens einzigem Ausfall wegen einer Gelb-Rot-Sperre setzte Union-Trainer Jens Keller nicht auf Lenz, sondern auf Michael Parensen. Jetzt soll Lenz zumindest in der Dritten Liga die nötige Spielpraxis sammeln. Ansonsten scheint das winterliche Wechselkarussell bisher an den Unionern vorbeizulaufen. Das heißt aber nicht, dass es keinen Bedarf geben würde.

Vakanz auf den Stürmerpositionen

Vor allem auf den Stürmerpositionen gibt es nach dem Ausfall von Philipp Hosiner, der im Dezember einen Lungenkollaps erlitten hatte, eine Vakanz. Auch Collin Quaners letzter Treffer datiert bereits aus dem Oktober. Es fehlen jegliche Optionen im Sturmzentrum für den Fall, dass auch Quaner nicht spielen kann. Es ist schwer vorstellbar, dass Jens Keller ein derartiges Risiko eingehen möchte – vor allem da das Ziel, oben dran zu bleiben, in der Rückrunde das gleiche bleibt.

Doch ist es im Wintertransferfenster unglaublich schwer, sich auf gerade dieser Position adäquat zu verstärken. Denn auch andere Ligakonkurrenten wie die Würzburger Kickers sind auf der Suche nach einem torgefährlichen Angreifer, einen wirklichen Pool an wechselwilligen Stürmern gibt es derzeit jedoch nicht. Und selbst wenn, müssten diese Wechsel wohl teuer erkauft werden. Hinzu kommt, dass eine Verpflichtung zumindest für das anstehende Trainingslager zu spät käme, um den Spieler auf diesem Wege an die Mannschaft heranzuführen. Wirkliche Überraschungen sind daher nicht mehr zu erwarten, auch wenn Parensen selbst bei seinem Wechsel im Jahr 2009 aus Köln erst nach den Vorbereitungswochen im Januar zur Mannschaft stieß. Deshalb sieht er einen verspäteten Einstieg nicht als großes Problem.

Zusatzchance für Parensen

„So richtig kribblig wird man selbst erst eine Woche vor dem ersten Spiel“, sagt er. Dafür seien Wintertrainingslager wiederum gut, da die Zeit bis zum nächsten Spiel im Vergleich zum Sommer recht überschaubar sei. In diesem Moment klingt er, als ob er mit den Vorbereitungswochen seinen Frieden gemacht hätte – nicht nur, weil er eine zusätzliche Chance erhält, sich anzubieten.

In dieser Spielzeit brachte er es auf nur sechs Teilzeiteinsätze. Das soll sich in der Rückrunde, die am 27. Januar mit dem Spiel gegen Bochum beginnt, ändern. Und dank eines Vertrages bis 2018 darf er wohl mindestens noch ein weiteres Mal der Berliner Januarkälte entfliehen.