Winter-Trainingslager von Hertha BSC Berlin: Manager Michael Preetz will den Druck hoch halten

Palma - Am Mittwochnachmittag saß Klub-Präsident Werner Gegenbauer auf der Hotelterrasse. Die Sonnenstrahlen fielen auf sein Gesicht, der Blick schweifte über das Panorama. Rechter Hand das Mittelmeer, voraus die Balearenhauptstadt mit dem Castell hoch über dem Hafen und links in Richtung Berge irgendwo das Sportgelände, auf dem die Fußballer von Hertha BSC am Nachmittag ihr Testspiel gegen Zweitligist RCD Mallorca bestritten. Keine internen Querelen, keine öffentliche Kritik, dafür umso mehr sportlicher Erfolg, es könnte derzeit kaum besser um den Verein stehen. Und während der Boss oben in Ruhe Aussicht und Zigarre genoss, wählte eine Etage tiefer im Restaurant Manager Michael Preetz eindrückliche Worte. Nahe am Ideal sei der momentane Zustand, sagte er.

In so einem Trainingslager wird ja nicht nur viel auf dem Rasen gearbeitet, sondern auch viel geredet, zumal wenn wie bei Hertha BSC im Sommer einige Verträge auslaufen. Das gesamte Trainerteam etwa könnte sich einen anderen Arbeitgeber suchen. Ein Bewerbungsschreiben müssten sie nicht aufsetzen. Ein Ausdruck der Tabelle würde wohl reichen, garniert mit ein paar statistischen Vergleichswerten aus den vergangenen zwei Jahren, die die Entwicklung belegen, seit Pal Dardai das Training 2015 übernommen hat.

Dardai wird noch lange bleiben

Die ersten Versuche, den 40-Jährigen abzuwerben wurden ja bereits aktenkundig. Aber Dardai wird bleiben – noch für viele Jahre. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Pal jemals einen anderen Bundesligisten trainieren wird“, sagte Preetz. Einzig die ungarische Nationalmannschaft könne aus seiner Sicht ein Thema werden. Vielleicht lockt auch irgendwann ein internationaler Topklub. Ansonsten ist nicht auszuschließen, dass Dardai tatsächlich eines Tages wieder in den Nachwuchsbereich von Hertha zurückgeht, wo er einen unbefristeten Vertrag hat. Aktuell steht außer Zweifel, dass die Option gezogen wird, die den Ungarn ans Profiteam bindet. „Wir wollen mit Pal möglichst lange als Cheftrainer arbeiten“, sagte Preetz. „Für uns ist klar, dass wir mit ihm in die nächste Saison gehen.“

Auch die Gespräche mit Assistent Rainer Widmayer, Torwarttrainer Zsolt Petry oder Athletikcoach Henrik Kuchno sind in Palma so weit vorangetrieben wurden, dass schon bald die Verlängerung der Zusammenarbeit verkündet werden soll. Schließlich sind sich in Sachen Idealzustand alle Beteiligten einig. Spielerkader, Trainerteam und all die Menschen, die abseits des Platzes für das Wohlergehen der Hertha arbeiten – selten fügten sich alle Puzzleteile so gut zusammen. Dennoch, so der Manager, sei der Abstand zu den finanzkräftigsten Konkurrenten immer noch groß: „Es gibt fünf oder sechs Teams, die eigentlich vor uns stehen müssten.“ Dass das nicht der Fall ist, sei der großen mannschaftstaktischen Disziplin zu verdanken.

Thema Stadionneubau

Die zwei Haupthebel, um den wirtschaftlichen Rückstand zu verringern und sich langfristig im Qualifikationsbereich für den Europapokal zu etablieren, sind die Investorensuche und die Stadionfrage. Während es bei der Suche nach einem zweiten Geldgeber neben KKR noch keinen Durchbruch gibt, nur hoffnungsvolle Bemühungen, spezifiziert sich die Zeitplanung in Sachen Stadionneubau. Ende Februar, so der aktuelle Stand, sollen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorgestellt werden.

Es ist kein Geheimnis, dass die Kontinuität den Erfolg begünstigt, und wenig überraschend sind daher die Bemühungen, Salomon Kalou zu halten. Er könnte im Sommer ablösefrei wechseln. „Ich würde mich freuen, wenn Salomon nach dem Afrika-Cup seine Länderspielkarriere beendet und bei Hertha verlängert“, sagte Preetz, den bei Kalou allein die Fehltage aufgrund der Einsätze für die Elfenbeinküste stören. „Wirtschaftlich leisten können wir uns das.“ Schließlich gehört Kalou zu den Gutverdienern im Kader.

Während bei Kalou die Frage entscheidend ist, wie lange der 31-Jährige sein Niveau noch halten kann, erhofft man sich von Genki Haraguchi, seit 2014 im Team, noch einen weiteren Leistungssprung. „Er hat gar nicht so viel Eingewöhnungszeit gebraucht, wie wir erwartet haben. Er ist ein sehr zuverlässiger Spieler“, sagte Preetz. „Er kann sich noch in zwei entscheidenden Punkten weiterentwickeln: Tore und Vorlagen.“ Und soll daher über das Vertragsende im Jahr 2018 bleiben. Alexander Baumjohann hingegen, der nicht mit ins Trainingslager gereist ist, soll den Klub verlassen: „Für beide Parteien wäre es sinnvoll, noch im Winter eine Lösung zu finden“, so Preetz.

Keine Zukäufe im Winter

Zukäufe wird es jetzt im Winter nicht geben. Zwar besteht weiterhin das Interesse, Hiroshi Kiyotake vom FC Sevilla für 18 Monate auszuleihen, aber die Spanier bestehen auf einem Kauf, was Hertha finanziell nicht stemmen möchte. „Darüber hinaus ist nichts geplant“, sagte Preetz. Seit er das Management im Jahr 2009 übernommen hat, musste er viel Kritik einstecken für Abstiege, falsche Kaderplanung und eine unglückliche Trainerauswahl. Jetzt ist plötzlich die Ruhe eine mögliche Gefahrenquelle. „Vielleicht war das letzte Trainingslager zu entspannt“, erinnerte er an das Vorjahr, als eine „unbefriedigende Rückrunde“ folgte. Daraus habe man gelernt, damit am Ende nicht wieder ein Punkt für die direkte Teilnahme am Europapokal fehlt: „Wir wollen den Druck hochalten.“ Nur der Präsident darf weiter entspannen.