Rückkehr über den Hundschopf: Skirennfahrer Thomas Dreßen gibt sein Comeback

Am Lauberhorn beendet Deutschlands schnellster Alpiner seine Zwangspause. Die Rennen in Wengen sind ein echter Härtetest.

Thomas Dreßen wagt seinen Neustart auf einer der schwierigsten Abfahrtsstrecken, die es gibt, in Wengen am Lauberhorn.
Thomas Dreßen wagt seinen Neustart auf einer der schwierigsten Abfahrtsstrecken, die es gibt, in Wengen am Lauberhorn.imago/Mathias Mandl

Halsbrecherische Manöver mit Rekordgeschwindigkeiten von über 160 km/h, brennende Oberschenkel bei fast zweieinhalb Minuten Laufzeit – es gibt sicher einfachere Pisten für ein Comeback. Thomas Dreßen ist seine abermalige Rückkehr in den Skizirkus in Wengen auf der längsten Weltcup-Abfahrt daher „langsam angegangen“. Sein Gefühl vor dem Super-G am Freitag und der Abfahrt am Sonnabend? „Sehr gut“, sagte Dreßen nach dem Training am Lauberhorn, „körperlich passt alles.“

Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Der erfolgreichste deutsche Abfahrer der Weltcup-Geschichte wurde in seiner wechselhaften Karriere schon viel zu oft von seinem Körper ausgebremst. Zu Saisonbeginn hatte er sich nach fast zweijähriger Weltcup-Abstinenz stark zurückgemeldet, doch schon im fünften Rennen zog er sich Mitte Dezember eine Muskelverletzung im Oberschenkel zu – die nächste Zwangspause, diesmal immerhin nur für drei Rennen.

Dreßen sucht den Spaß im Schatten von Eiger, Mönch und Jungfrau

Dennoch nagte der erneute Rückschlag an ihm. „Es tut schon g’scheit weh, dass ich wieder mal pausieren muss“, verriet der 27-Jährige kurz vor dem Jahreswechsel. In Wengen geht es ihm im Schatten der Bergriesen Eiger, Mönch und Jungfrau darum, „wieder das Gefühl, das Selbstvertrauen aufzubauen“ und „den Spaß am Rennfahren“ wiederzufinden.

Der, gab Dreßen zu, sei ihm nach der Rückkehr in den Weltcup Ende November abhandengekommen. Nach dem beachtlichen achten Platz im ersten Rennen fand er sich auf den Rängen 31, 24, 37 und 45 wieder – nicht sein Anspruch, obwohl Dreßen und den Trainern klar war, dass nach der langen Wettkampfpause Geduld gefragt sein würde. Seine gedämpfte Stimmung, meinte Dreßen, habe „nichts primär mit dem Ergebnis zu tun“ gehabt. Dass sein Körper bald wieder zwickte, setzte ihm zu.

Nun also der nächste Neustart – eine Woche vor dem Klassiker in Kitzbühel, wo Dreßens Stern 2018 aufgegangen war, und dreieinhalb Wochen vor der WM in Frankreich. Beim Deutschen Skiverband (DSV) gehen sie es mit größter Sorgfalt an, das Motto lautet: Nur nichts überstürzen!

„Wir sind uns bewusst, dass das Time-Management bei Tom extrem wichtig ist. Wenn wir seine Karriere so weit wie möglich in die Länge ziehen wollen, müssen wir sehr vernünftig mit seiner Belastung umgehen“, sagte Cheftrainer Christian Schwaiger. Vielleicht müsse Dreßen mal ein Rennen auslassen, es gelte, „vernünftig und smart“ zu agieren.

Erst recht, wenn der Kalender Aufgaben wie jene in Wengen vorsieht. Hundschopf, Minschkante, Kernen-S, Hanneggschuss, Österreicherloch, Ziel-S – am Lauberhorn wimmelt es von schwersten Tücken. Wie in „Kitz“. Dreßen, typisch unerschrockener Abfahrer, nimmt es schulterzuckend hin. „Ich freue mich auf die nächsten Tage“, sagte er.