Pelle (52) verfolgt das Spiel im Köpenicker Coe.
Foto: Volkmar Otto

BerlinDas erste Bundesliga-Derby von Union und Hertha wurde nicht nur auf dem Platz ausgetragen. Die Fans beider Klubs lieferten sich auch ein Duell der Fußball-Kulturen in der Stadt. Die einen in Rot-Weiß, die anderen in Blau-Weiß: Rund 22.000 Stadion-Besucher zelebrierten schon die S-Bahn-Anreise zur Alten Försterei als Spektakel – und in den Fan-Kneipen war es rappelvoll.

Zur Sicherheit am Derby-Tag hatten beide Klub-Chefs und der Regierende Michael Müller (SPD) die Fans zum Fairplay aufgerufen. Müller beschwor die heute fast vergessene Fan-Freundschaft zu Mauerzeiten (Motto: „Eisern Berlin“). Aber die Polizei wollte es lieber nicht darauf ankommen lassen: Sie begrüßte die rund 2000 Hertha-Fans, die sich zunächst am Sammelpunkt Boxi in Friedrichshain trafen, mit einem Großaufgebot.

Die Polizei begleitet Hunderte Hertha-Fans zum S-Bahnhof Warschauer Straße. Von dort fahren sie nach Köpenick.
Foto: Volkmar Otto

15 Uhr am Boxhagener Platz: „Eine Stadt, ein Verein – Hertha BSC“, ertönt es. Aber leider auch: „Scheiß Union!“ Während sich auf dem Boxi Marktbesucher an den Ständen drängen, genehmigen sich die Blau-Weißen die ersten Bierchen. Mit dabei: Martin Seidel (30) und Daniel Hasert (33). „Wir sind leider ohne Tickets“, sagt Seidel dem KURIER. Seit 23 Jahren ist er Fan der Hertha. Seit dem Aufstieg in den 90er-Jahren. Wie das Spiel ausgeht? „4:0 für Hertha.“

Das sieht Thomas Wolf (46) aus Friedrichshain naturgemäß anders. Er ist schon seit Jahren Union-Anhänger und konnte am Ende des Spiels frohlocken.

Auch in der Köpenicker Kneipe Coe verfolgen rund 100 Fans das Lokal-Derby – der Laden ist fest in eiserner Hand. Das Spiel wird in drei Räumen auf einer Großbildleinwand und auf zwei Bildschirmen übertragen. Die Union-Fans gehen bei jeder gelungenen Aktion ihres Teams lautstark mit. Einmal jubeln sie schon, doch der Ball landet nur am Pfosten.

„Wir gewinnen ja sowieso – eisern Union“, singt einer, als der Schiedsrichter das Spiel kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit unterbricht, weil dichte Rauchschwaden nach dem Abbrennen von Pyrotechnik in der Luft hängen. Kurz vor Schluss dürfen die Union-Fans dann wirklich jubeln, als das 1:0 durch einen Elfmeter fällt. Die Fans liegen sich in den Armen. Klatschen, singen. „Wir lieben Union, jawoll, Union finden wir toll“.

Als der Schlusspfiff ertönt, ist die Begeisterung riesig. Die Fans fallen sich in die Arme. Mittendrin der 52-jährige Pelle mit seiner Tochter Fabienne (21). „Das ist ein geiles Gefühl“, sagt er. „Es rührt einen zu Tränen“, sagt Fabienne. Und die Fans in der Kneipe rufen begeistert: „Stadtmeister!“

In der Alten Försterei empfängt Union die Hertha.
Foto: City-Press GmbH

In der „Schwarzen Hexe“ in Prenzlauer Berg sehen Unioner und Herthaner das Derby gemeinsam im TV. Das macht Sinn. Denn am Ende gewinnt ja sowieso – Berlin.