Sebastian Vettel (l.) und Sergio Perez: In der kommenden Saison Teamkollegen und keine Gegner mehr? 
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BerlinEigentlich ist ja alles anders in dieser Corona-Saison der Formel 1. Auftakt im Sommer, Ende kurz vor Weihnachten, keine Fans, dafür viele Rennen an ungewöhnlichen Orten. Eines ist allerdings auch während der Pandemie wie immer: Wenn die Königsklasse Ende August nach Spa kommt, dann ist die Silly Season in vollem Gange. Dann wird wild über Transfers spekuliert, und jeder darf mitreden.

Heißestes und seit Wochen beinahe einziges Thema im diesjährigen Sommerloch: Sebastian Vettel und sein Wechsel zu Aston Martin. Im Rahmen des Großen Preises von Belgien am Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky) soll nun ein Vertrag unterschrieben werden, das will unter anderem die österreichische Kronenzeitung erfahren haben.

Ob das Geheimnis tatsächlich schon in den Ardennen gelüftet wird oder nicht - Vettel selbst gibt sich keine allzu große Mühe mehr zu verschleiern, mit welchem Team er sich intensiv austauscht. Man müsse ja „kein Genie sein“, um darauf zu kommen, sagt er: „Ich suche ein ordentliches Paket: Es muss ein vernünftiges Auto sein, mit dem man vorne reinfahren kann. Und es muss ein Team sein, das gewillt ist, weiter nach vorne zu kommen.“

Und damit hat er ziemlich genau den Racing-Point-Rennstall umschrieben. Dieser ist in diesem Jahr dem Mittelfeld entwachsen und fährt immer wieder „vorne rein“. Und wird im kommenden Jahr, einhergehend mit einer ordentlichen Finanzspritze, als Werksteam von Aston Martin an den Start gehen.

Das Team mit den pinken Autos kann Vettel also die gewünschte Perspektive bieten. Und Aston Martin würde mit der Verpflichtung des viermaligen Weltmeisters ab 2021 auch selbst einen Coup landen. Schließlich ist ein Werksteam immer in erster Linie Werbeträger, und ein prominentes Gesicht gleich zum Start des Projekts wäre da hilfreich.

Das glaubt auch Toto Wolff, Mercedes-Motorsportchef und nebenbei Anteilseigner bei Aston Martin. „Ich weiß, dass Gespräche laufen“, sagte er zuletzt der Zeitung Österreich: „Aus Aston-Martin-Sicht wäre das ein Riesenknüller. Deutschland ist der zweitwichtigste Markt für sie.“

Weiter unklar ist, wen Vettel ersetzen würde. Der eine Pilot scheint seinen Sitz aus Gründen der Verwandtschaft ziemlich sicher zu haben: Lance Stroll (21) ist der Sohn des Teambesitzers Lawrence Stroll. Der andere Pilot allerdings ist erfahrener, stärker und bringt einige Millionen an Sponsorengeldern aus seiner Heimat mit: Der Mexikaner Sergio Perez (30).

Und dass die Entscheidung vielleicht doch nicht so eindeutig ist, klang zuletzt schon bei Stroll junior durch. Der wies bei Channel 4 darauf hin, dass es „eine Arbeitsbeziehung und eine Vater-Sohn-Beziehung“ gebe. Und wenn er selbst für Vettel weichen müsse, dann wäre das eben „Business“.

Vettel allerdings weckt auch außerhalb der Formel 1 Begehrlichkeiten. In den USA fiel gerade erst sein Name, als Millionär James Glickenhaus seinen neuen Prototypen für die Langstrecken-WM und die 24 Stunden von Le Mans vorstellte.

Vettel sei „ein Typ der alten Schule, und wenn er mit uns Le Mans fahren möchte, dann haben wir ein Cockpit für ihn“, sagte er: „Ich kann nur nicht so viel zahlen wie Ferrari.“ Es redet eben jeder mit in der Silly Season.