Arne Friedrich, 34, sitzt in der Lobby des Hotels Ritz-Carlton am Potsdamer Platz und spielt mit seinem Mobiltelefon. „Ich twittere sehr gern und habe in Deutschland rund 16 000 Follower“, sagt der ehemalige Fußball-Nationalspieler. „Nun war ich aber gerade in China – und innerhalb von drei Tagen habe ich dort 55 000 Follower, also Anhänger, gewonnen.“

Für Friedrichs China-Besuch gab es einen guten Grund: Der TV-Sender Now Sports mit Sitz in Schanghai und Peking hat den langjährigen Abwehrspieler von Hertha BSC als Kommentator gewonnen. Friedrich wird dem chinesischen Publikum im Juni und Juli die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Brasilien erklären. Vorerst die drei Gruppenspiele gegen Ghana, Portugal und die USA.

Friedrich teilt sich den attraktiven Job mit seinem ehemaligen Nationalelf-Kameraden Jens Nowotny von Bayer Leverkusen. „Nach guten Verhandlungen sind wir uns mit den Chinesen einig geworden“, sagt Friedrich. Für ihn ist es gewissermaßen die dritte Weltmeisterschaft: 2006 in Deutschland verteidigte er tapfer im deutschen Team von Jürgen Klinsmann, 2010 in Südafrika spielte er unter Bundestrainer Joachim Löw sein bestes Turnier und brachte Weltklassestürmer zum Verzweifeln.

Nach 82 Länderspielen und zehn Jahren in der Bundesliga, acht davon bei Hertha BSC, wo er auch die Kapitänsbinde trug, beendete Friedrich im vergangenen Sommer seine lange Karriere, die im Profibereich bei Arminia Bielefeld begann. Die lädierte Bandscheibe forderte Rücksichtnahme. Zuvor aber, „nach dem Stress in der Bundesliga“, so Friedrich, ließ er seine Laufbahn noch ein Jahr in der Major League Soccer in den USA beim Team vom Chicago Fire ausklingen. „Das war eine schöne Erfahrung“, sagt er, „die US-Liga war kein Ort zum Urlaubmachen. Sie hatte durchaus Niveau.“

Danach war lange nichts von ihm zu hören. Nach Jahren im Rhythmus der Fußball-Ligen musste er zunächst seinem oft geschundenen Körper genügend Erholung geben und nach einer Neuorientierung im Leben suchen. Er wolle sich beruflich breit aufstellen, sagt Friedrich nun. Im März absolvierte er im Sportzentrum Kaiserau einen Trainer-Lehrgang des Deutschen Fußball-Bundes und erwarb die B-Lizenz. „Das hat mir viel Spaß gemacht. Vielleicht kann ich einmal im Jugendbereich arbeiten“, sagt er. Genaue Pläne gibt es aber noch nicht.

Nun aber wird er erst einmal als TV-Kommentator seinen Einstand geben. Für diese Aufgabe scheint er bestens geeignet. Friedrich ist eloquent und kann sich geschliffen ausdrücken, als Kolumnist war er auch schon für die Online-Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit tätig. So ein riesiges Publikum aber, wie er es bald in China bekommt, ist auch er nicht gewohnt. Mit Prognosen über die Erfolgsaussichten der deutschen Mannschaft hält sich Arne Friedrich noch zurück. „Viele Leute sind relativ skeptisch, aber ich denke, dieses Team ist die beste Mannschaft, die wir seit Jahren beisammen haben.“ Der Kommentator Friedrich wird liebend gern Siege analysieren.