Ich habe immer alle aus Osteuropa unterstützt: Russland, Ukraine, Polen

Unser Autor hat immer alle Mannschaften östlich der Oder unterstützt. Wer ist diesmal dabei und für wen werden die Daumen gedrückt? Unsere WM-Kolumne.

Frauen in den Nationalfarben der Ukraine und Russland in Kiew, 2012.
Frauen in den Nationalfarben der Ukraine und Russland in Kiew, 2012.imago/TASS

Im Sommer 2006 konnte ich mit meinen Eltern zum ersten Mal in meinem Leben ein WM-Spiel besuchen. Mit der S-Bahn ging es aus Treptow ins Olympiastadion, in der Gruppenphase spielte die Ukraine gegen Tunesien. Wir ergatterten die Tickets per Losverfahren. Zu erwarten war kein hochklassiger Kracher, aber immerhin zwei stimmungsvolle Fanlager und Andriy Shevchenko live auf dem Rasen. Ein großer Wunsch ging in Erfüllung.

Schon der S-Bahn-Waggon, in dem wir saßen, war voller Ukrainer, Russen und Deutschen, die Russisch sprachen. Die „Sbornaja“ konnte sich nicht für das Sommermärchen 2006 qualifizieren, weshalb viele Russen die Ukraine unterstützten. Alle freuten sich auf das Spiel, über Politik hat damals niemand geredet. Die Partie war eher langweilig, die Ukraine gewann durch einen verwandelten Elfmeter von „Scheva“ mit 1:0. Im Ukraine-Block herrschte nach dem Siegtreffer pure Ekstase, alle lagen sich in den Armen: Ukrainer, Russen, Belarussen.

2010 waren dann weder Russland noch die Ukraine oder Belarus dabei. Ich drückte den Serben die Daumen, die in einer Gruppe mit Deutschland spielten. Im Team des DFB-Gruppengegners: Hertha-Legende Marko Pantelic. In Südafrika waren zudem noch die Slowaken mit von der Partie. Sie düpierten überraschend den amtierenden Weltmeister Italien.

2014 spielten die Russen wieder mit, enttäuschten in ihrer Gruppe jedoch auf ganzer Linie. Da es auch die Ukrainer oder Serben nicht nach Brasilien geschafft hatten, war ich für die Kroaten und die Bosnier. Bei einer Eröffnungsspielparty war ich damit allein.

Die Maskottchen der Fußball-Europameisterschaft 2012: Slavek und Slavko.
Die Maskottchen der Fußball-Europameisterschaft 2012: Slavek und Slavko.dpa/Jens Kalaene

Bei der vergangenen WM war ich dann wieder vor Ort. In Russland herrschte Festivalstimmung, ähnlich wie beim „Sommermärchen“ in Deutschland. Die Sbornaja spielte sich mit dem Heimvorteil sensationell bis ins Viertelfinale. Überall sprach man über Fußball: auf der Arbeit, mit Freunden oder in den Medien.

Im Jahr 2018 ebenfalls dabei: die Polen, die Serben und die Kroaten. Auch wenn die zahlreich angereisten Polen vom Abschneiden ihres Teams enttäuscht waren: Unvergessen ist, wie sie Moskau für einen Abend in eine polnische Partymeile verwandelten. Meine Sympathien galten also immer allen Mannschaften, die östlich der Oder ihre Wurzeln haben. Nach Katar haben es übrigens die Polen, die Kroaten und die Serben geschafft.

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