WM-Ball Brazuca: Typisch brasilianisch

Der Welt- und Europameistertorhüter Iker Casillas (Spanien) zum Beispiel ist der Meinung, dass der „Brazuca“ ein tolles Muster habe, ein Muster, das „sofort“ an das Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2014, also an Brasilien erinnere. Sofort?

Ach ja, stimmt, da ist das Grün aus der brasilianischen Nationalflagge, das ja bekanntlich nichts mit dem Urwald zu tun hat, sondern mit dem portugiesischem Adelshause Braganza, aus dem doch Peter II. stammte, der als letzter, im Jahr 1889 von militärischen Kräften vom Thron geputschte Kaiser in die Geschichte dieses sagenhaften Landes eingegangen ist. Da sind auch die Sterne, die auf dem nationalen Banner für die 27 Bundesstaaten Brasiliens stehen. Und, na klar, die Mäander stehen für den mächtigen Amazonas, der sich durch den Norden des Landes schlängelt, die vierflügligen Bumerangs wiederum für die indigenen Völker und die orangenen Streifen für die Revolution. Oder war das mit dem Bumerang und der Farbe Orange doch woanders?

Jedenfalls ist seit Mittwoch klar, wie er nun aussieht, der WM-Ball 2014, der mal wieder aus den Laboren und Designstudios des deutschen Sportartikelherstellers Adidas stammt, und deshalb natürlich wieder der tollste, weil stürmerfreundlichste, torhüterfeindlichste, meistgetestete, belastbarste, geschmeidigste und rundeste WM-Ball aller Zeiten ist. So wie seine Vorgänger zu ihrer Zeit. Unvergessen sind dabei der ziemlich schöne +Teamgeist (WM 2006), mit dem die deutsche Mannschaft vor heimischen Publikum fast so gut klargekommen ist wie die Italiener und Franzosen, oder der bei der WM in Argentinien zum Einsatz gebrachte, wunderschöne Tango Durlast, ohne den der Autor dieser Zeilen im Sommer des Jahres 1978 nie ins Bett gegangen wäre. Schenkt man den Fotos und Filmaufnahmen Glauben, dann war der allerschönste Ball mit dem allerschönsten Namen aber bei der Endrunde in Chile 1962 zu bestaunen. Aus gelblichem Leder war er und hieß Mr. Crack.

Zu seinem Namen kam Brazuca im Übrigen schon vor einem Jahr, als sich rund eine Million brasilianische Fußballfans bei einer landesweiten Abstimmung gegen die ebenfalls zur Wahl gestellten Verrücktheiten „Bossa Nova“ und „Carnavalesca“ und eben für „Brazuca“ entschieden haben, was so viel wie typisch brasilianisch, also besonders verspielt und lebensfroh bedeutet. Dem monumentalen Christus auf dem Corcovado in Rio sei dafür in alle Ewigkeit Dank.