Berlin - Das WM-Minimalziel wird für Deutschlands Eishockey-Team zur Nervenprobe, die Hoffnungen für die Viertelfinal-Qualifikation ruhen nun insbesondere auf NHL-Stürmer Dominik Kahun. Ausgerechnet vor den beiden entscheidenden und kniffligen Vorrundenspielen gegen die Top-Nation USA am Montag (15.15 Uhr) und Gastgeber Lettland am Dienstag (19.15 Uhr, jeweils Sport1) steckt das Team von Bundestrainer Toni Söderholm in einem Stimmungstief. „Wir sind frustriert, wir haben einen höheren Anspruch mittlerweile“, klagte der langjährige NHL-Verteidiger Korbinian Holzer: „Da ist mehr drin gewesen.“

DEB-Profis vermittelten forsches Selbstverständnis

Damit meinte der einzige deutsche Torschütze vom Sonnabendabend das knappe 1:2 gegen Weltmeister Finnland in einem ausgeglichenen Spiel mit einer aber viel zu ungefährlichen deutschen Mannschaft. Das anfangs forsch vermittelte Selbstverständnis, in Riga mindestens ins Viertelfinale vorzudringen, hat nach der zweiten Niederlage in Serie gelitten.

Nun werden die Spieler nicht mehr mit den außergewöhnlichen Chancen dieses speziellen Turniers konfrontiert. Sondern mit der Frage, wie enttäuschend ein frühes Scheitern wäre, nachdem Deutschland bei drei der vergangenen vier Turniere die K.o.-Runde erreicht hatte. 

Dominik Kahun hat den Teamspirit von 2018 verinnerlicht

Wäre gegen den 2019-Champion Finnland ein Coup gelungen, wäre es ein riesiger Schritt für den Einzug ins Viertelfinale gewesen. Vor zwei Jahren im slowakischen Kosice hatten die Deutschen das bei Söderholms erstem Duell mit seinem Heimatland geschafft. Ebenso wie 2018 in Dänemark mit dem ersten WM-Sieg über die Finnen seit 25 Jahren.

Diesmal fehlte die Präzision in den Schüssen, das Tempo im Angriff, die Zweikampfhärte. Auch deshalb kann Kahun nun ein wichtiger Faktor werden. Warum es gegen die Finnen so wenige Chancen gab? „Die Frage ist ein bisschen gerechtfertigt“, räumte Söderholm ein, „wir hätten ein bisschen besser in der Offensive spielen müssen.“

Kahun ist keiner, der allein einen Klassenunterschied ausmachen kann wie der nicht nachgereiste Superstar Leon Draisaitl. Aber darin kann auch ein Vorteil liegen. Der 25 Jahre alte Kahun hat in Edmonton eine wechselhafte Saison hinter sich, kann sich aber schnell integrieren und hat den Teamspirit vom Olympia-Silber von 2018 verinnerlicht. Allein Kahuns Anwesenheit gebe der Mannschaft einen „kleinen Schub“, hatte DEB-Sportdirektor Christian Künast berichtet. „Es ist super für uns, dass er gekommen ist“, schwärmte Berlins Leo Pföderl: „So einen Spieler kann jede Mannschaft gut gebrauchen.“

Der Deutsche Eishockey-Bund plant, dass Kahun bereits gegen die USA spielberechtigt ist. Die Freigabe nach der notwendigen Team-Quarantäne soll am Montag folgen. „Sicherlich brauchen wir Dominik in Zukunft“, sagte Söderholm über den international erfahrenen Kahun. Zudem steht Eisbären-Stürmer Lukas Reichel, der im Spiel gegen Kasachstan einen Check gegen den Kopf einstecken musste, vor seinem Comeback.