Berlin - Vier Rennen, drei Silbermedaillen in Super-G und Abfahrt. Das hätte den Athleten des Deutschen Skiverbandes bei der WM in Cortina d’Ampezzo wohl niemand zugetraut. Nicht mal Wolfgang Maier, der die Athleten seit 15 Jahren als Alpindirektor, zuvor als Cheftrainer, durch die Höhen und Täler des Erfolges, aber auch der Sportpolitik lenkt.

So strahlte das Gesicht des 60-Jährigen am Sonntag wie die Sonne über den Dolomiten. Die Männer-Abfahrt war beendet, Andreas Sander mit einer Hundertstelsekunde Rückstand als Zweiter hinter dem Österreicher Vincent Kriechmayr über die Eispiste unterhalb der Tofana di Mezzo ins Ziel gerast. Es war eine Silbermedaille, die sich für den DSV wie Gold anfühlte – der Höhepunkt der Silber-Trilogie aus WM-Woche eins.

Nach Romed Baumann, der überraschend Silber im Super-G, und Kira Weidle, die noch überraschender Silber in der Frauen-Abfahrt gewonnen hatte, komplettierte Sander am Sonntag das, was Maier ein „absolutes Sensationsergebnis“ nannte.

Doch Maier ist keiner, der im Überschwang des Augenblicks die Sicht auf das große Ganze verliert. Der Diplomsportlehrer aus Berchtesgaden war schon immer ein Mahner, wenn es um die Sportzukunft des Landes ging. Um die Gesundheit der Kinder, um Bewegung, gesunde Ernährung, Förderung von Talenten als Lebensader der Landesverbände und Zukunft der Nationalteams. 

Potenzial gibt es deutschlandweit, das haben die in Stuttgart geborene Weidle und der in Westfalen geborene Sander bei der WM bewiesen. Nur kann dieses Potenzial derzeit niemand abrufen. „Wir sind politisch so eingeschränkt worden, dass man uns die Kinder eigentlich komplett aus dem Skisport herausgenommen hat“, sagt Maier. Europaweit seien intelligentere Lösungen angestrebt worden. Österreichs Präsident etwa bringe zwischen 120.000 und 150.000 Kinder in den Schnee. Bayern schaffe gerade mal 200.

Vor den Technik-Rennen der WM sorgt sich Maier um die Zukunft, „weil wir es einfach nicht schaffen, bei allem Respekt für alle Maßnahmen in der Pandemie, dass wir Kinder in den Sport bringen“. Hier ist der Rückstand auf die Nachbarn weitaus gravierender als die Hundertstelsekunde, die Sander am Sonntag fehlte.