Wolfsburg - HSV: Erregter Adler

Wolfsburg - René Adler gab sich erst gar keine Mühe, seinen Ärger zu unterdrücken. Auf dem Platz hatte der Nationaltorwart einen Lauf der Entrüstung zu Schiedsrichter Peter Sippel unternommen, auf dem Weg zu den Kabinen legte der 27-Jährige dann nicht minder emotional seine Sicht der Dinge dar. „Ein klareres Foul im Fünfmeterraum gibt es nicht“, moserte der Keeper des Hamburger SV, „ich habe gedacht ich bin in einer falschen Sportart: Fußball ist kein Ringkampf.“

Unentschieden geht in Ordnung

Der Keeper wollte indes mit seiner Klage nicht falsch verstanden werden: An der Rechtmäßigkeit des 1:1 (0:1)-Remis zwischen dem VfL Wolfsburg und dem HSV sollte es keinen Zweifel geben, wohl aber konnte er das Zustandekommen des Ausgleichtors so nicht hinnehmen: Denn bevor mit Simon Kjaer ausgerechnet der mit Abstand schwächste Wolfsburger das 1:1 köpfte (68.), hatte eben der Ex-Hamburger Ivica Olic doch auf recht rabiate Art mit ausgestrecktem Arm Adlers geschütztes Territorium gekreuzt – diese Aktion hätte unterbinden gehört. Erstaunlicherweise wollte aber neben dem ehrgeizigen Tormann kein anderer Hamburger daraus eine Grundsatzdebatte anzetteln. „Das hat sicherlich jeder gesehen, dass es ein Foulspiel war“, konstatierte Trainer Thorsten Fink, „aber ein Unentschieden ist schon das richtige Resultat.

Hamburg stark auch ohne van der Vaart

Seine Hamburger wirkten auch ohne Rafael van der Vaart lange gut organisiert und fokussiert, die Niedersachsen hingegen eine Halbzeit lang unsortiert und unkonzentriert. Dabei zeigte sich, dass längst nicht alle Mängel der Ära Felix Magath abgestellt sind: Symptomatisch für die vielen Schwächen, wie viel Platz plötzlich Maximilian Beister nach schönem Zuspiel von Artjoms Rudnevs beim 0:1 hatte (26.). „Naldo geht zu früh raus, das hat er nicht gut gemacht“, knurrte Lorenz-Günther Köstner. Der von einer Grippe geplagte VfL-Trainer fand eine einfache Erklärung für die anfänglichen Schwierigkeiten: „Hier wird zu früh zu schnell an andere Ziele gedacht. So fehlt uns die Geilheit aufs Führungstor.“

Moral okay

Immerhin konnte die knorrige Kultfigur vom Mittellandkanal abermals die Moral seiner Mannschaft loben, die sich eine Dominanz im zweiten Durchgang mit hohem kämpferischen Einsatz verdiente. Ein Fakt, der auch den neuen Geschäftsführer Klaus Allofs zufriedenstellte. „Wir haben noch zu wenig Punkte, aber in vielen Dingen sind Fortschritte unverkennbar. Diese Entwicklung muss weitergehen.“ Wer wollte, konnte daraus einen unmissverständlichen Punkte-Auftrag an seinen Interimscoach für die restlichen zwei Hinrundenspiele bei Borussia Dortmund und gegen Eintracht Frankfurt ableiten.