Yanni Wetzell ist noch immer ein Schüler in Alba Berlins Akklimatisierungsprozess

Der 26-jährige Center hat beim Deutschen Meister einen bemerkenswerten Start hingelegt, hat aber noch reichlich Entwicklungspotenzial, um noch besser zu werden.

Duelle mit den Besten der Besten werden Alba Berlins Yanni Wetzell (r.), hier im Duell mit Real Madrids Walter Tavares, noch besser werden.
Duelle mit den Besten der Besten werden Alba Berlins Yanni Wetzell (r.), hier im Duell mit Real Madrids Walter Tavares, noch besser werden.Imago/NurPhoto

Yanni Wetzell dürfte sich im Sommer etwa so gefühlt haben, wie ein Quereinsteiger in der Oberstufe. Der Neuseeländer war einer von nur zwei Neuen als die Basketballer von Alba Berlin Mitte August in ihre Saisonvorbereitung starteten. Was für einen Sportdirektor eine oft geträumte und nur selten so reale Wunschvorstellung ist, hat auch für einen Spieler viel Positives. Schließlich kommen auch neue Schüler gerne in eine intakte, miteinander vertraute und funktionale Klasse. Und dennoch brauchen sie fast immer Zeit, um dort wirklich anzukommen.

Fenerbahce Istanbul ist am Donnerstag die nächste schwere Aufgabe für Alba

Albas Basketball-Schüler Yanni Wetzell ist da keine Ausnahme: Vier Monate nach seinem Wechsel zu Alba steckt der 26-Jährige voll drin im altbekannten Akklimatisierungsprozess. Genau wie die zweite Berliner Sommerverpflichtung, Gabriele Procida, spielt Wetzell aktuell noch nicht seinen allerbesten Basketball. So ist Albas Euroleague-Partie gegen Schwergewicht Fenerbahce Istanbul am Donnerstag (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) für das Duo mehr als das nächste schwere Spiel. Es ist die nächste Chance, sich mit den neuen Kollegen weiter einzuspielen.

Im Grunde liegt das Neu-Sein in der Natur eines Basketballprofis. Auch Yanni Wetzell sagt: „Ich bin es gewohnt, an neuen Orten zu sein.“ Mit noch offenen Schuhen an den Füßen und einem Lächeln, das freundlicher nicht sein könnte, sitzt er auf einer Holzbank in Albas Trainingszentrum und erklärt: „Vor acht Jahren habe ich die High School verlassen. Seitdem war ich an keinem Ort länger als zwei Jahre.“ Drei US-Colleges in fünf Jahren, Melbourne zum Start der Profi-Karriere, dann Auckland, zuletzt für das Saisonende bei Baskonia in Spanien und nun also erstmals Euroleague in Berlin.

Zum Saisonstart wirkte es, als wäre Wetzell bei Alba im Schnelldurchlauf eingebunden worden. Mit zehn Punkten beim Sieg gegen Mailand, elf Zählern gegen Panathinaikos Athen und 23 im Pokal-Achtelfinale gegen Bonn trug er maßgeblich zum starken Alba-Saisonstart bei. Dann kamen die vielen Verletzten zurück, Wetzells Rolle wurde kleiner und die noch ausstehende Integrationsarbeit offensichtlicher. Wenig überraschend, angesichts der Erfahrungen vergangener Spielzeiten.

Wie auch Jaleen Smith, Yovel Zoosman und Tamir Blatt in der Vorsaison, erfährt Wetzell dieser Tage, dass sich das Ankommen bei Alba mitunter noch etwas komplexer gestaltet als anderorts. „Es gibt viele Dinge, die Gabi und ich erst noch lernen müssen, die die anderen aber schon seit Jahren machen“, sagt Wetzell und führt aus: „Die Spielzüge, die Positionierungen der Big Man, der besondere Defensivstil, den Israel (Gonzalez, Albas Cheftrainer; Anm. d. Red.) spielen lässt.“ Alles Bereiche, in denen Alba taktisch durchaus außergewöhnlich agiert und so selbst die aufnahmefähigsten Spieler vor Herausforderungen stellt.

Dass er – wie zuletzt auch Smith, Blatt und Zoosman – diese Herausforderung meistern wird, davon ist Wetzell überzeugt. Nicht zuletzt, weil er menschlich schon voll im eingelebten Alba-Team angekommen sei. Aber auch sportlich herrschen beste Voraussetzungen für ein auf Dauer erfolgreiches Ankommen. Insbesondere in Auckland, wo Wetzell zusammen mit dem Ex-Berliner Peyton Siva für die New Zeeland Breakers auflief, bewies er großes Potenzial und große Vielseitigkeit. Zwei Kernkompetenzen auf dem Weg, ein guter Alba-Spieler zu werden. Hinzukommt, dass Wetzells bislang größte Offensivstärke, das Spiel im Post mit dem Rücken zum Korb, auch in Albas Angriffen oft eine zentrale Rolle spielt.

Yanni Wetzell und Alba Berlin kassierten zuletzt acht Niederlagen am Stück

Ähnlich groß wie Wetzells Vertrauen in die eigene Anpassungsfähigkeit ist auch sein Glaube an die Lernfähigkeit seiner Mannschaft. Die, so Albas Big Man, sei der große Schlüssel, um nach zuletzt acht Euroleague-Niederlagen in Folge auf die Siegerstraße zurückzukehren. „Auf der einen Seite ist es sehr frustrierend, diese knappen Spiele zu verlieren“, sagt Wetzell über die jüngste Niederlagenserie. Auf der anderen Seite gäben Spiele wie zuletzt das gegen Barcelona Hoffnung. „Weil wir da sind gegen die Besten der Besten.“

Die Besten der Besten – auch Fenerbahce Istanbuls Auftritte auf europäischem Parkett lassen sich so derzeit sehr treffend beschreiben. Mit 9:2 Siegen führen die Türken die Euroleague-Tabelle derzeit an. Wenngleich die Mannschaft um den ehemaligen Berliner Ismet Akpinar zuletzt gegen Verfolger Real Madrid verlor, den Status des Titelanwärters hat sie sich nach elf absolvierten Partien längst erspielt. Für Alba Berlin und den verhältnismäßig noch immer Euroleague-unerfahrenen Quereinsteiger Yanni Wetzell dürfte die Partie also zum nächsten großen Test werden.