Berlin - Wenn der letzte Ball die Hand verlässt, schlägt die Stunde der Statistiker. Dann zerfällt ein Basketballspiel in Zahlen, in Kommastellen und Prozente. Sie setzen sich gleich jedoch wieder zu einem Bild zusammen, das exakt und untrüglich ist: zum Bild einer Mannschaft, eines Spielers.

Die Zahl, die den Basketballer Spencer Butterfield gut beschreibt, lautet 13,86. Sie weist Albas Guard als effektivstes Mitglied seiner Mannschaft im Eurocup aus. 13,86 kommt dabei heraus, wenn man die gelungenen Aktionen des Amerikaners mit den Fehlschlägen verrechnet, in allen Rubriken, ob bei Rebounds, Assists oder Fouls, ob bei Steals, Turnover oder Shotblocks. Ins Verhältnis zu seinen bislang sieben internationalen Auftritten gesetzt, ergeben sie diesen Wert, das Performance Index Rating.

Damit könnte Spencer Butterfield, 25 Jahre alt und aus Provo bei Salt Lake City, für das Alba-Team stehen. Es ist variabel, schwer auszurechnen, lässt sich nicht reduzieren auf eine Stärke oder einen starken Akteur. Es hat sich inzwischen eine Basis geschaffen, auf die es in schwierigen Situationen zurückgreifen kann.

Auch deshalb steht es bereits vor dem Duell in der Arena am Ostbahnhof gegen Limoges (20 Uhr) in der zweiten Runde des Eurocup. In der Bundesliga hält sich Alba auf dem zweiten Platz hinter dem FC Bayern: in der Tabelle, aber auch in der Rangliste der effektivsten Teams.

„Er kam zu uns nicht mit dem Ruf, ein Verteidigungsmonster zu sein“

Butterfield hat einen guten Wurf, ist ein starker Distanzschütze und hat zudem einen strammen Zug zum Korb. 14 Punkte steuerte er zuletzt zum 90:76 in Würzburg bei, kam auf eine Trefferquote von 75 Prozent aus dem Feld, nur zwei Würfe gingen daneben. Seine Rolle im Team beschreibt Butterfield jedoch zuerst so: „Ich helfe der Mannschaft mit meiner Defensive.“

Das ist ein Satz, den sie bei Alba am Anfang der Saison nicht aus Butterfields Mund vermutet hätten. „Er kam zu uns nicht mit dem Ruf, ein Verteidigungsmonster zu sein“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Doch in der Hinsicht hat er einen Schritt gemacht.“

Im Duell eins gegen eins lässt sich Butterfield nicht so leicht überrumpeln und hilft, den Abwehrverbund geschlossen zu halten. „Am Anfang war die Form der Verteidigung nicht einfach für mich“, sagt der Guard selbst. „Aber der Trainer hat eine gute Art, die Dinge zu vermitteln. Er wird nie laut, er erklärt geduldig.“

Wie für die anderen Zugänge war auch für Butterfield Coach Aito Garcia Reneses ein starkes Argument, nach Engagements beim spanischen Zweitligisten Malilla, in Utena/Litauen und in Nanterre/Frankreich bei Alba zu unterschreiben. Die Arbeit an der Verteidigung gibt seinem Spiel eine weitere Dimension, eben eine Basis.

Zahlen lügen nicht

Butterfield arbeitet als Balldieb in einer Mannschaft, die so viele Steals vorweisen kann wie keine andere in der Bundesliga. Er fungiert als Balleinsammler im drittbesten Reboundteam. „Wenn ein Ball in seine Nähe kommt“, sagt Manager Baldi, „dann hat er ihn in der Regel auch.“

Und dann geht es direkt nach vorn. In Würzburg gab der 1,89 Meter große Guard fünf Assists. Zusammen mit Power Forward Luke Sikma, war er für mehr als die Hälfte der 24 Berliner Vorlagen verantwortlich, nämlich 14. 24 Vorlagen wiederum sprachen für ein gutes Zusammenspiel. Dafür, dass der besser postierte Teamkollege gesucht und oft gefunden wurde. Auch in dieser Rubrik sind national derzeit nur die Bayern besser.

Zahlen lügen nicht. Baldi gefällt jedenfalls die Art, wie sich die Mannschaft auch in schwieriger Lage präsentiert, zuletzt ohne Spielmacher Peyton Siva und Kapitän Niels Giffey. Sie profitiert von einer Eigenschaft Butterfields, die Baldi als „Kaltschnäuzigkeit“ bezeichnet: „Kein Gegner kann sich erlauben, ihn ungedeckt in der Ecke stehen zu lassen. Sein Wurf ist eine Waffe.“

Deshalb hat Trainer Reneses Systeme auf den Guard zugeschnitten. Deshalb reißt Butterfield Lücken, in die seine Mitspieler schlüpfen können, um seinen Pass zu verwerten.

Der Knöchel schmerzt

Auch aus einem anderen Grund könnte Butterfield für Albas Profis in dieser Saison stehen. Sie mussten ohne nennenswerten Vorlauf starten. Butterfield wiederum zog sich in einem Testmatch gegen Gran Canaria eine Bänderdehnung im Fuß zu und kehrte erst im laufenden Spielbetrieb in den Kader zurück.

„Das war auf der einen Seite nicht leicht, auf der anderen Seite hat es mir das Team so leicht wie möglich gemacht“, sagt er. Zuletzt schmerzte erneut sein Knöchel, in Würzburg aber war Butterfield zur Stelle.

Seinen Platz, seine Rolle in der Mannschaft hat er gefunden. Es gehe aufwärts, sagt er, „aber bei hundert Prozent, würde ich sagen, bin ich noch nicht.“ Wann es so weit sein wird? Die Zahlen werden darüber Auskunft geben, die Komma-stellen, die Prozente, irgendwann.