Zehn Jahre beim 1. FC Union: Aus dem einsamen Michael Parensen wurde ein Vorbild für alle

Ein Geschenk? Urs Fischer zögert. Er ist ja der Cheftrainer der Leistungssportabteilung eines Fußballvereins. Zweite Liga, Aufstiegsduell zum Auftakt der Restrückrunde, Vierter gegen Zweiter. Ein Sieg am Donnerstagabend (20.30 Uhr) an der Alten Försterei, und der 1. FC Union ist dran am 1. FC Köln. Eine Niederlage? Acht Punkte Rückstand wären es dann. Zu verschenken hat Fischer also nichts. Oder? Es geht schließlich um Michael Parensen.

Es gehe ihm gut, versichert Parensen, kurz bevor Fischer in der Pressekonferenz die Geschenkfrage gestellt bekommt. Vergangene Woche pausierte der 32-Jährige mal wegen einer Erkältung, vor dem Duell mit Köln aber ist er fit − und unbedingt spielwillig. Denn das Spiel-Datum ist ein ganz besonderes für den Defensivalleskönner. „Vor Weihnachten lag ich vier Tage krank im Bett, habe mir Gedanken gemacht“, erzählt er. „Mein erstes Spiel für Union habe ich am 31. Januar 2009 in Schöneiche gemacht.“ Die Partie gegen Köln findet statt? Genau, exakt zehn Jahre später.

Parensen als Chefredakteur

Die Gedanken hat sich der Fußballer auch gemacht, weil das neue Jahr eine zusätzliche Aufgabe mit sich bringt: Parensen übernimmt für den Berliner Verlag die Rolle des Chefredakteurs für das Magazin U.N.V.E.U., das Anfang März erscheint. Es gibt viel zu erzählen, denn zehn Jahre Fußballprofi bei einem Verein zu sein, das ist außergewöhnlich.

Vor allem sprach anfangs wenig für ein Jahrzehnt in Berlin. „Der Fokus war das erste halbe Jahr“, erinnert sich der Unioner. „Die ersten Tage waren nicht so einfach für mich. Kalt, dunkel, alleine. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dann noch ein Jahr länger zu bleiben.“ In Schöneiche beim Fünftligisten verlor der damalige Drittligazweite beim ängstlichen Parensen-Debüt 1:2.

Letzte Chance Union

Einen Eineinhalb-Jahres-Vertrag hatte der Linksverteidiger damals bekommen, als Ersatz für den verletzten Patrick Kohlmann. „Für mich war es eine riesen Chance, überhaupt in der Dritten Liga zu spielen“, sagt Parensen. Unter Christoph Daum hatte er beim 1. FC Köln keine Einsatzchance und sich fast verabschiedet vom Fußballerdasein. Geografiestudium, Berufswunsch Stadtplaner, daran dachte er. Jetzt ist er der letzte verbliebene Aufstiegsheld und Vorbild für die Mitspieler. „Ich bin dankbar, zehn Jahre bei einem Verein zu sein, der gut zu mir passt“, sagt er.

Das hat er wohl auch Urs Fischer mitgeteilt, als er den Trainer gestern auf dem Weg vom Trainingsplatz zur Kabine auf sein Jubiläum aufmerksam machte. „Da hört man den Stolz heraus“, berichtet Fischer hinterher. Stolz auf das Vergangene, aber auch Lust auf die Zukunft. Als sich Parensen im Oktober im Training am Knie verletzte, klang ihm der Bericht in dieser Zeitung zu sehr nach Abschiedseloge. Beim 2:0-Heimsieg am 15. Dezember spielte er 90 Minuten. „Man hat in der Vorrunde gesehen, was Michael Parensen für uns bedeutet. Obwohl er nicht viele Minuten bekommen hat, war er immer auf den Punkt bereit“, sagt Fischer. Was uns zum Jubiläumspräsent bringt. Nein, schenken will ihm der Trainer nichts. Aber ein paar wohl verdiente Minuten könnten drin sein.