Zu gut erzogen, um gegen die Bayern mit Worten zu schießen: Juan Bernat.
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Berlin/LissabonUli Hoeneß ließ kein gutes Haar an seinem früheren Schützling. Einen „Scheißdreck“ habe dieser Juan Bernat gespielt, polterte der Bayern-Patron. In Sevilla war der damalige Münchner Abwehrspieler „allein dafür verantwortlich, dass wir fast ausgeschieden wären“, wie Hoeneß behauptete. Und überhaupt sei klar: „Das Wohl und Wehe des FC Bayern hängt nicht von Juan Bernat ab!“

Für diese Beschimpfung auf der legendären Pressekonferenz im Herbst 2018 bat Hoeneß später um Entschuldigung. Beim Wiedersehen mit dem einstigen Profi des deutschen Fußball-Rekordmeisters im Champions-League-Finale gegen Bernats neues Team Paris Saint-Germain aber sorgt just diese Episode für reichlich Extra-Würze.

Ob sich Hoeneß noch an die Sätze von damals erinnert, wenn er am Sonntag (21.00 Uhr, ZDF, Sky und DAZN) im Estádio da Luz als Münchner Ehrengast das große Endspiel verfolgt? Etwa jenen, dass Bernat deshalb im Sommer 2018 nach Paris transferiert wurde, „weil er uns fast die ganze Champions League gekostet hätte“. Dass der inzwischen 27-Jährige den Münchnern nun als Gegner den ganz großen Triple-Coup vermasseln könnte, wäre eine bittere Pointe für die Bayern.

Neben den Superstars um 222-Millionen-Profi Neymar und Weltmeister Kylian Mbappé ist auch Bernat einer der Erfolgsbringer im Team von Coach Thomas Tuchel – und ein Bundesliga-Schreck! Als Stammspieler auf der linken Abwehrseite köpfte er im Halbfinale RB Leipzig mit dem dritten Tor beim 3:0 endgültig aus dem Wettbewerb. Zuvor hatte der Spanier schon im Achtelfinale gegen Borussia Dortmund getroffen. „Wir haben uns dieses Finale verdient“, sagte Bernat nach dem Sieg über Leipzig, als er den reizvollen Endspiel-Gegner noch nicht kannte.

Anders als oft zuvor bestach die PSG-Auswahl bislang bei dem Corona-Turnier durch Team-Fußball, dem sich auch die Superstars unterordnen. „Ich habe eine Mannschaft gesehen, die hungrig ist zu siegen“, lobte Tuchel. Dazu gehören auch vermeintlich unscheinbarere Profis wie der Ex-Schalker Thilo Kehrer oder eben der aus München fortgeschickte Bernat auf den beiden Außenpositionen in der Abwehrkette.

Von Bernat ist vor dem Wiedersehen mit seinen ehemaligen Kollegen übrigens keine verbale Spitze zu erwarten. Der Nationalspieler hatte schon unmittelbar nach der Hoeneß-Wutrede nicht gekontert. „Ich wurde erzogen, immer höflich zu sein. Das werde ich auch gegenüber den Bayern und den Fans sein“, sagte er damals. Eine sehr späte Antwort auf die Aussagen seines ehemaligen Präsidenten könnte am Sonntag folgen.