Urs Fischer, Trainer in Diensten des Zweitligisten 1.FC Union, saß da im kleinen, stickig-überhitzen Presseraum des Ernst-Abbé-Sportfeldes und legte die Stirn in Falten. Die Fragestellung erschien ihm, der als mehr als solider Arbeiter denn als Visionär bekannt ist, dann doch ein klein wenig unseriös. Fast hatte man den Eindruck er sei erschreckt gewesen.

Eine neue Qualität wähnte der Beobachter bei den Eisernen ausgemacht zu haben bei ihrem am Ende dann doch standesgemäßen 4:2 (3:2)-Erstrundenpokalsieg gegen Drittligisten Carl Zeiss Jena, der den den Köpenickern zum dritten Mal in Folge die zweite Runde im DFB-Pokal beschert hatte. Die Fähigkeit nämlich, in schwierigen Situationen den Kopf oben zu behalten und weiter sein Programm abzuspulen. Und ja, diese Situationen gab es bei den Thüringern vor allem vor der Pause, als der Drittliga-Siebte zwei Mal zum Ausgleich kam.

Doch es gab ja ein Konzept, und das sah vor, wie Sebastian Andersson hinterher verriet, einfach weiter vorne auf das nächste Tor zu gehen. Immer weiter. Egal, was passieren würde. Denn die Qualität dafür habe man, hatte Fischer seiner Mannschaft mit auf den Weg gegeben. „Wir wussten, dass wir die bessere Spielanlage haben“, sagte Andersson, 27, der immer harmonischer mit den neuen Kollegen zusammenwirkt, einen Sebastian Polter zwar nicht vergessen macht, aber bislang als gelungener Transfer angesehen werden kann.

Der Trend geht aufwärts

Es ist leider nicht bekannt, ob Fischer bekennender Helmut-Schmid-Fan ist, aber dessen Bonmot „Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen“ dürfte dem bodenständigen Arbeiter aus der Seele sprechen. „Es sind doch erst drei Spiele gespielt. da kann man doch noch nicht von einer neuen Qualität sprechen. Es war wichtig, dass wir heute in den entscheidenden Phasen die Ruhe bewahrt haben. Ob das ein neues Markenzeichen von Union wird, da können wir nach zehn Spielen nochmal drüber reden“, sagte der Schweizer, der sich nach wie vor am Anfang seiner Arbeit wähnt und daher vorschnelle Entwicklungsbeurteilungen als unseriös empfindet. Auch wenn es ihn freut, dass neutrale Beobachter diese so ausmachen. Für Fischer jedenfalls steht Union erst am Anfang des Weges.

Eine positive Entwicklung jedoch ist festzustellen. Dem spielerisch dürftigen, aber mit drei Punkten belohnten Auftakt gegen Aue (1:0) folgte ein sehr solider Kick bei Topfavorit Köln (1:1). Die Erwartungen wachsen vor dem Duell am Sonntag gegen den Spitzenreiter St. Pauli.

Zumal auch in Jena nun wieder Ansätze einer Steigerung zu erkennen waren, selbst wenn noch nicht alle Räder perfekt ineinandergriffen. Es gibt noch Optimierungspotenzial. Derzeit vor allem im defensiven Mittelfeld und vor allem hinten links, wo Ken Reichel in den Anfangswochen noch nicht zu glänzen vermochte und auch Christopher Lenz gegen Carl Zeiss erschreckend viel Mühe hatte und sich oft zwei Gegenspielern gegenübersah, ohne Unterstützung zu erhalten. Wie schon beim 1. FC Köln kamen fast alle Angriffe der Hausherren über eben diese Seite und das bestimmt nicht aus Zufall.

Am Ende einer Fehlerkette

Union-Coach Fischer wollte Lenz keine Fehler attestieren und sah den Profi bei den Gegentoren als „Opfer einer Fehlerkette“ an. Doch diese Fehlerkette brachte Union halt phasenweise in die Bredouille. „Es war ein bisschen mehr Pokalspiel als wir es uns vorgenommen hatten“, gab Christopher Trimmel zu, der mit zwei Flanken auf Sebastian Andersson und Felix Kroos nicht ganz unbeteiligt an der Hälfte aller Union-Tore gewesen war. Spötter hätten auch noch anmerken können, dass er sich durch sein Eigentor zu 50 Prozent an allen Treffern der Thüringer beteiligt gewesen war.