Bad Saarow - Robert Andrich kletterte nach der Vormittagseinheit als letzter in den wartenden Mannschaftsbus, der die Union-Profis zurück ins Hotel am Scharmützelsee bringen sollte. Das unter dem strafenden Blick von Busfahrer Sven Weinel, der auf die Abfahrt drängte. Doch Andrich war ein gefragter Mann nach dem Training. Zum einen hatte sein Onkel Frieder, langjähriger DDR-Oberligaspieler und später Trainer bei Vorwärts Frankfurt und dem EFC Stahl, dem Neffen seine Aufwartung gemacht. Dann galt es zahlreiche Autogramme zu schreiben. Deutlich mehr als sonst bei seinem ehemaligen Klub Heidenheim, von dem ihn die Köpenicker für rund 1,1 Millionen Euro losgeeist hatten.

„Ist doch schön“, sagte er und unterzog sich der berufsständischen Pflicht des Signierens von Fan-Utensilien mit wesentlich mehr Freude als dem quälenden Aufbauprogramm am Rande des Platzes von Eintracht Reichenwalde. Da er sich seit zwei Tagen mit Wadenproblemen herumplagt, konnten die Fitnessgurus der Köpenicker ihn gesondert und individuell traktieren. Doch das Üben mit dem Bällchen und den Kollegen hätte dem Mittelfeldspieler, der nach seinem Wechsel aus Wiesbaden nach Heidenheim 25 Spiele für den Zweitligisten absolviert hatte, sicherlich mehr Freude bereitet. „Das alles ist nicht so wild. Nur ein bisschen muskulär. Kein Grund zur Sorge“, sagte Andrich, der bei in der kommenden Saison die Nummer 30 auf dem Rücken tragen wird. In Heidenheim hatte er noch die 8 getragen. Ein großes Geheimnis steckt aber nicht dahinter. Sie war halt frei, viele andere attraktive Nummern bereits vergeben.

Smiley als Tattoo

Vielleicht wird die 30 aber eines Tages ja auch auf seinem Köper verewigt. Weil er mit ihr das erste Bundesligaspiel seiner Karriere macht. Und ein Plätzchen auf seinem Body, der branchenüblich durchaus einige Tattoos aufzuweisen hat, wird er schon finden. Doch selbst da zeigte sich der 1,89 Meter große Mittelfeldspieler sehr bodenständig. Die Geburtsdaten seiner Eltern hat er auf sich verewigt. Etwas ausgefallener ist da schon das Bildchen auf seiner maladen Wade. Ein Smiley ist da zusehen. Verziert mit einer Krone und Roberts Geburtsjahrgang 1994.

Dass der gebürtige Potsdamer, der bei Hertha BSC groß geworden ist, in seiner Jugendzeit schon einige Sträuße mit den Rot-Weißen ausgefochten hat, ist klar. Doch blau-weiß schlägt sein Herz nicht mehr nach den Umwegen über Dresden, Wiesbaden und Heidenheim. „Ich bin inzwischen menschlich reifer geworden“, sagt er über sich selber. Und in familiäre Konflikte gerät er auch nicht. „Mama und Papa sind Fan von dem Verein, bei dem ich spiele“, erklärte er mit einem Lachen.
Seit Monaten mit Union in Kontakt

Langer Kontakt mit Union

Der Kontakt zu Union bestand schon seit mehreren Monaten. „Das ehrte mich, dass sie Interesse an mir gezeigt haben. Union spielt ja schon seit einigen Jahren oben in der Zweiten Liga mit“, sagte Andrich. Verraten hat er es niemandem. Nicht mal mit Maxi Thiel hat er darüber gesprochen. „Ich wollte nicht, dass es dann womöglich heißt, der ist mit dem Kopf woanders, falls es mit dem Wechsel nicht klappt. Die Vereine mussten sich ja erst einigen“, so Andrich.

Zweimal stand er bei den Charlottenburgern kurz vor dem Profidebüt. Doch zu einer Einwechslung kam es nicht. Über Umwege hat es nun doch mit der Bundesliga geklappt. „Klar hätte ich auch als 20-Jähriger da schon gerne gespielt. Aber jeder dieser Schritte hat mich sportlich weitergebracht. Ich würde diesen Weg wieder so gehen“, meinte Andrich. In Dresden löste er einst sogar deshalb seinen Vertrag auf, obwohl Dynamo gerade in die Zweite Liga aufgestiegen war, weil er sich bei Wehen Wiesbaden dauerhafte Spielpraxis versprach. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als richtig erwies. Und nun die Krönung erfahren soll. „Ich habe in den Jahren gemerkt, dass ich das Zeug dazu habe, ganz oben Fuß zu fassen. Ich freue mich jetzt einfach drauf“, sagt er.