Berlin - Für ihren Tag wünscht sich Birgit Fischer Sonne. Die Party fällt klein aus. Ein paar Freunde, die Kinder, doch das sei „völlig in Ordnung“, sagt sie – solange es trocken bleibt. Denn ihren 60. Geburtstag feiert die erfolgreichste deutsche Sportlerin bei Olympischen Spielen am Freitag wie immer unter freiem Himmel. Dafür hat sie ihren kleinen Garten mit Himmelsschaukel hergerichtet.

Die Traditionen bleiben, doch sonst hat sich viel verändert im Leben der Kanu-Ikone. Aus ihrer Paddelschule schleiche sie sich langsam raus, dazu hat sie ihr Haus in Bollmannsruh am Beetzsee verlassen. Es sei Zeit, sagt Fischer, „sich ein bisschen neu zu orientieren“. Sie lebt nun in einer kleineren Wohnung am Stadtrand von Brandenburg. Sie sei „in einer Phase, in der man schaut, in welche Richtung das noch mal gehen kann“, sagt Fischer. Über all das wird gesprochen, wenn sie mit ihren Liebsten zusammenkommt. Auch über ihre sportliche Laufbahn? „Da wird keiner auf die Idee kommen.“

Birgit Fischer geht mit ihren Erfolgen nicht hausieren

Dabei hätte Fischer genug zu erzählen. Mit acht Goldmedaillen bei Olympia ist sie eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Sport, ihre Erfolge sind unerreicht. Fischer dominierte die Kanu-Welt über Jahrzehnte, sammelte neben ihren Olympiamedaillen 27 Weltmeistertitel. Wichtig ist ihr: Die meisten davon hat sie im Team gewonnen. Niemand werde je von ihr gehört haben, „dass ich in den Vordergrund stelle: erfolgreichste Sportlerin Deutschlands“, sagt Fischer. Sie gehe damit nicht hausieren, man könne Sportarten untereinander nicht vergleichen.

Auch deshalb blickt sie gelassen auf die Spiele 2024 in Paris. Da steht Dressurreiterin Isabell Werth bereit, zu ihren sieben Olympiasiegen den achten hinzuzufügen. Bei einem Treffen im Vorjahr habe ihr die Reiterin „nicht nur durch die Blume gesagt, dass sie so lange machen wird, bis sie diese achte Goldmedaille hat“.

Birgit Fischer sieht die olympische Entwicklung kritisch

Verfolgen wird Fischer das, auch wenn ihre Begeisterung verschwunden zu sein scheint. Denn die Spiele haben sich verändert, sagt die Kanutin, die in den 1980er-Jahren die Boykotte erlebte. Ein aufgeblasenes Ding sei die Veranstaltung inzwischen, dazu sei es „schon etwas schizophren“, dass Sportler sich mit eigenen Meinungen zurückhalten sollten, aber „als Spielball für politische Entscheidungen“ herhalten müssten.

Ihre sportlichen Grenzen habe sie gefunden, das Thema Olympia archiviert und angefangen, ein zweites Buch zu schreiben. Das Paddeln bleibe ein wichtiger Teil ihres Lebens, sagt Fischer: „Eben nur etwas langsamer und hoffentlich noch sehr lange.“