Berlin - Füchse-Kapitän Hans Lindberg lachte. Sein Trainer Jaron Siewert schien seinen Blick ungläubig durch die Halle schweifen zu lassen. Sein Teamkollege Paul Drux grinste breit. Kurz zuvor waren die Füchse im großen Kreis durch die Halle des THW gehüpft. „Ich habe hier einmal mit Hamburg gewonnen und jetzt das erste Mal mit Berlin, deswegen das lachende Gesicht“, sagte Lindberg. „Ich habe hier noch nie gewonnen“, ergänzte Siewert. 1981 hatten die Füchse zuletzt in Kiel gepunktet, gesiegt hatten sie noch nie. Und jetzt dieses 31:27 (19:15) am Sonntag. „Das fühlt sich sehr gut an“, fand Drux.

Statt in ihrem gelben Auswärtstrikot liefen die Füchse in hellblauen Shirts und gelben Hosen auf – in den Farben der ukrainischen Flagge. Auf der Trikot-Vorderseite stand „Stop War“, auf der Rückseite war ein großes Friedenszeichen zu sehen. Auch die Kieler hatten beim Topspiel der Handball-Bundesliga ein Friedenszeichen auf dem Trikot, zwischen den breiten Spielerschultern stand: „Gemeinsam für Frieden.“ Das Sendesignal der Begegnung wurde in 20 Nationen übertragen – auch in die Ukraine und nach Russland. Der Erlös der Trikotversteigerung kommt einem Verein zugute, der Kriegsflüchtlinge psychologisch unterstützt.

Kretzschmars Forderung: Endlich mal einen Großen schlagen

Für die Partie hatte Füchse-Sportvorstand Stefan Kretzschmar gefordert, es werde mal Zeit, einen Großen zu schlagen. Die Lage war insofern günstig, als Niklas Landin nicht im Kieler Tor stand, sondern nach einer Blinddarm-Operation auf der Tribüne saß. Dazu folgten die Füchse Kretzschmars Ansage von Beginn an mit variablem Offensivspiel und einer starken Abwehrleistung. Kiels Abwehr fand dagegen kaum Zugriff – und dann verletzte sich auch noch Rückraum-Held Sander Sagosen an der Schulter und konnte nicht weitermachen. 19 Tore zur Halbzeit hatte der THW lange nicht kassiert.

Der Vier-Tore-Vorsprung zur Pause war vier Minuten nach Wiederbeginn dahin. Nach Hendrik Pekelers Ausgleich zum 19:19 reagierte Siewert mit einer Auszeit, in der er klarmachte: „Es steht wieder 0:0, okay!“ Das Kieler Publikum versuchte, sein Team mit den 6000 verteilten Klatschpappen in Blau-Gelb anzufeuern. Doch immer wenn Kiel, das meist mit sieben Feldspielern angriff, zu den Berlinern aufgeschlossen hatte, zogen die wieder davon.

„Der weltbeste Torhüter war nicht dabei“, versuchte Lindberg den Sieg einzuordnen, der im direkten Duell um den Champions-League-Platz hinter Tabellenführer SC Magdeburg „extrem wichtig“ war, wie Siewert betonte: „Er kann viel Motivation für die nächste Phase geben.“