160 Segeljollen der Optimisten-Klasse starten am Wochenende zu sechs Wettfahrten auf dem Großen Müggelsee.
Foto: Bert Spangemacher

Berlin-KöpenickRobert Stanjek freut sich auf das Wochenende. „Wir folgen dem Call der Kids“, sagt der Berliner Profisegler, der 2012 bei den Spielen in London vor der Küste von Weymouth mit Vorschoter Frithjof Kleen Olympiasechster im Starboot wurde. Auf dem Großen Müggelsee wird an diesem Sonnabend die vermutlich größte Nachwuchs-Regatta dieses Corona-Jahres in Deutschland gestartet. Sechs Wettfahrten an zwei Tagen, 160 Opti-Jollen auf dem Wasser, 11- bis 15-Jährige, die aus ganz Deutschland anreisen – sie liefern sich beim Stanjek-Cup einen Wettbewerb unter strengen Hygieneauflagen.

Organisator der Regatta ist der Yachtclub Berlin-Grünau (YCBG). Das besondere Konzept in diesem besonderen Jahr beansprucht genau das, was man als Segler von klein auf lernt: die Bedingungen des Reviers bestmöglich auszunutzen. Wegen der Abstandsregeln brauchen die Segler mehr Platz als sonst. Anstatt 160 Jollen an einem Startpunkt zusammenzudrängen, wird es vier Starthäfen geben. „Uns war klar, dass wir hier etwas Zeitgemäßes konstruieren müssen. Um die Abstände jederzeit gewährleisten zu können, haben sich vier Vereine zusammengeschlossen und richten die Regatta gemeinsam und dezentral aus“, sagt Stanjek.

Das Konzept des YCBG sieht vor, auf dem Hauptgelände am Müggelseedamm etwa die Hälfte der Boote zu stationieren. Der Seglerverein Rahnsdorf, die Seglergemeinschaft am Müggelsee (SGaM) und der SC Wiking in Friedrichshagen nehmen jeweils zwischen 20 und 40 Boote auf. Erst auf dem Wasser treffen die Optis zusammen.

„Wir sind ein Sportverein durch und durch. Wir wollen zeigen, dass man auch in Corona-Zeiten eine solche Veranstaltung für die Kinder machen kann – mit Mut, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein. Unser Konzept könnte eine Blaupause sein für Sportevents in der Zukunft. Corona wird uns sicherlich noch zwei bis drei Jahre lang beschäftigen. Wir haben jetzt eine besondere Verantwortung. Wir halten es für total wichtig, dass wir die Kinder nicht drei, vier Jahre ins Abseits stellen“, sagt Robert Stanjek.

120 Meldungen in zwei Stunden

Dass es den Kindern wirklich ein Anliegen gewesen ist, sich mit anderen zu messen, dass diese Regatta tatsächlich ein „Call der Kids“ gewesen ist, hat Stanjek in dem Moment gemerkt, als sich der YCBG entschieden hatte, das Event, das sonst oft als Berliner Meisterschaft gesegelt wurde, tatsächlich in großem Rahmen zu veranstalten. „Wir hatten die Meldeliste an einem bestimmten Tag um 12 Uhr online geöffnet. Um 14 Uhr hatten wir bereits 120 Meldungen, wir sind auf die 170 zugelaufen. Da war uns klar, dass wir die Herausforderung annehmen und dem Call der Kids folgen müssen“, sagt Stanjek.

Der 39-Jährige, der an der Berliner Humboldt-Universität Sportwissenschaft mit den Schwerpunkten Leistungssport und Management studiert hat, begann selbst schon als Kind mit dem Segeln und der Teilnahme an Regatten. Er war deutscher Meister, Europameister, Weltmeister, World-Cup-Sieger und 2011 Deutschlands Segler des Jahres. Sein Großvater zählte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Ruder-Assen der DDR, sein Onkel segelte zum Spartakiadesieg, der Vater ist im Segelverein Rahnsdorf in der OK-Jolle und im Finn Dinghi aktiv, mit seinem Bruder Philipp war Robert eine Zeit lang im Starboot unterwegs.

Ähnlich wie kürzlich bei der Kieler Woche, wo auf Entertainment an Land durch Volksfest, Pommes- und Fischbrötchen-Buden verzichtet werden musste, steht auch beim Stanjek Cup in diesem Jahr allein der Sport im Vordergrund. Eine Tombola oder den Zuschauerdampfer wie sonst wird es nun auf dem Müggelsee nicht geben. „Dieses Jahr ist es ein Back-to-the-Roots“, sagt Stanjek. „Segeln ist in einer Zeit, die zunehmend digitaler wird und in der immer mehr Kinder an ihren digitalen Geräten sitzen und sich durch Corona darin bestätigt fühlen, eine wichtige Alternative. Denn Segeln bedeutet Ruhe, den Umgang mit der Natur, Konzentration und die Verantwortung, ein Boot zu navigieren.“ An diesem Ende bedeutet es auf Vereinsebene auch ein Zusammenrücken, um Abstand zu wahren.

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