Alexander Zverev schlägt am Freitagabend für den Finaleinzug bei den US Open auf.
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BerlinDie Gelegenheit könnte besser nicht sein für Alexander Zverev. Novak Djokovic ist mit Schimpf und Schande rausgeflogen aus den US Open, Rafael Nadal und Roger Federer waren gar nicht erst angereist. Vier Jahre lang beherrschten die großen drei die vier Grand Slams, nun geht ihre Serie von 13 Triumphen nacheinander zu Ende. „Es wird“, hatte Zverev nach dem Rauswurf von Djokovic lapidar festgestellt, „einen neuen Grand-Slam-Champion geben. Nun wird es interessant.“

Die deutsche Nummer eins scheint jedenfalls bereit für den großen Wurf. „Ich habe ein sehr gutes Gefühl, dass das noch weitergehen kann“, sagte Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann vor dem Halbfinale von Zverev gegen den Spanier Pablo Carreno Busta (Freitag ab 22 Uhr MESZ bei Eurosport). Wie weit? „Er hat sicherlich die Chance, den Titel zu gewinnen“, ergänzte Tommy Haas, 2009 in Wimbledon als letzter Deutscher vor Zverev im Halbfinale eines Grand Slams.

Zverev stand bereits bei den Australian Open im Halbfinale

Wie es sich anfühlt, bei einem der vier Major-Turniere zu den letzten vier Spielern zu gehören, weiß Zverev seit Januar, als er die Vorschlussrunde in Melbourne erreichte. Damals unterlag er seinem Kumpel Dominic Thiem aus Österreich, deshalb betonte er nun: „Es soll hier definitiv nicht enden.“ Auf Thiem (Nr. 2) oder den Vorjahresfinalisten Daniil Medwedew (Russland/Nr. 3) könnte Zverev (Nr. 5) im Finale treffen.

Als bisher letzter Deutscher hatte Rainer Schüttler 2003 bei den Australian Open ein Grand-Slam-Finale erreicht – und glatt gegen Andre Agassi (USA) verloren. Boris Becker war 1996 ebenfalls in Australien der bislang letzte deutsche Major-Sieg gelungen, er war 1995 auch der letzte Deutsche, der bei den US Open und innerhalb eines Jahres bei zwei Grand Slams im Halbfinale stand.

Dass Zverev nun in seinen Fußstapfen läuft, erklärt auch der dreimalige Wimbledonsieger Becker mit dessen Reifeprozess: „Ich finde, dass er doch einige Schritte gemacht hat.“ Dazu gehöre auch die Tatsache, dass Zverev die US Open „alleine, ohne sein familiäres Umfeld bestreiten muss, auch sein neuer Trainer David Ferrer ist nicht da. Also muss er erwachsen werden.“

Kohlmann ist diese durchaus rasante Entwicklung bei Zverev nicht entgangen. „Er wirkt erwachsener, er wirkt sehr ruhig und ausgeglichen. Gerade in den Matches, in denen es nicht so gut läuft, bleibt er ruhig und versucht, Lösungen zu finden“, sagte der Davis-Cup-Kapitän. „Ich habe das Gefühl, dass New York ihn nochmal reifer macht, weil er sich voll auf Tennis konzentrieren kann.“ Auch Haas bemerkte bei Eurosport: „Er ist super reif.“ Zverev glaubt freilich, dass er in New York noch längst nicht auf dem Höhepunkt seines Leistungsvermögens angekommen ist: „Ich glaube, dass ich noch ein paar Dinge verbessern kann. Und das gibt mir Selbstvertrauen.“